Eishockey: Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. 2500 Zuschauer beim ersten Eistraining der Schwenninger Wild Wings und Stürmerneuzugang Pat Cannone mittendrin. Das Besondere daran: Der 9. August ist sein Geburtstag, er wurde 33 Jahre alt. Und die Fans stimmen ein „Happy Birthday“ an. Cannone ist auf dem Eis sichtlich gerührt. Auch Tage danach kann er es noch gar nicht wirklich fassen. „Es war ein außergewöhnlich schönes Gefühl von den Fans so empfangen zu werden. Ich will die Chance nutzen und mich bei allen bedanken“.

Der 1,80 Meter große und 91 Kilogramm schwere Zweiwege-Stürmer hatte nicht so viele Fans beim ersten öffentlichen Eistraining erwartet. „Es wurde mir gesagt, dass viele da sein werden. So viele haben mich dann aber doch überrascht“. Sein Wechsel von Ligakonkurrent ERC Ingolstadt zu den Wild Wings erweist sich immer mehr als ein Glücksgriff. „Das Team ist toll. So viele Neuzugänge und trotzdem fühle ich mich schon sehr wohl. Aber vor allem meine Rolle, die erste Reihe zu führen, reizt mich hier“.

Diese erste Reihe bildete er im Testspiel in Bietigheim gemeinsam mit Jamie MacQueen und Andreas Thuresson. „Das war für das erste Match absolut in Ordnung. Wir harmonieren schon gut und sicher wird es von Spiel zu Spiel noch besser.“ Der passionierte Golfspieler kann sich gut vorstellen, dass diese Reihe noch länger zusammenspielen wird.

Gegenwärtig ist Cannone noch allein in Schwenningen. Frau Natalie kommt jedoch bald nach. Dann ist die kleine Familie mit ihrem Cockapoo-Mischling wieder vereint. Darauf freut sich Cannone sehr, denn die langen Spaziergänge mit Frau und Hund sind für ihn eine tolle Gelegenheit um abzuschalten und die Seele baumeln zu lassen. Doch auch hier weiß er sich zu helfen, geht er doch zwischen den Trainingseinheiten manchmal kurz aus der Halle raus und blickt in Richtung des Schwenninger Moos. Die Ruhe genießen, in sich gehen. So als wären Frau und Hund schon hier und er auf einem der erholenden Spaziergänge. „Das ist auch zwingend notwendig bei den harten Trainingseinheiten derzeit“, lacht der 33-jährige.

Der Mannschaft möchte er mit seiner Erfahrung helfen, doch auch er selbst sieht sich noch nicht am Ende des Lernprozesses angekommen: „Ryan O’Reilly ist ein Vorbild für mich. Ich orientiere mich an seiner Spielweise und versuche viel von ihm zu lernen und übernehmen“. Da hat er sich beileibe keinen schlechten Lehrer ausgesucht, wurde O’Reilly doch mit den St. Louis Blues Stanley-Cup-Sieger und dabei sogar als wertvollster Spieler der Playoffs ausgezeichnet. „Mich beeindruckt vor allem, dass er sowohl vor dem gegnerischen als auch dem eigenen Tor sehr hart arbeitet, trotzdem ein sehr gutes Auge für seine Mitspieler hat und damit ein perfekter Spielmacher ist“.

Womit Cannone beim Stichwort ist, welche Rolle er in Schwenningen ausführen soll. „Ich bin ein starker Bullyspieler. Das war in Schwenningen in der vergangenen Saison ein großes Problem. Ich möchte der Mannschaft helfen, schnell in Puckbesitz zu kommen und so das Spiel bestimmen zu können. Und im Angriff das Spiel lenken und führen.“ Und nach dem Spiel gibt‘s Pizza. „Ich könnte immer und überall Pizza essen. Ich liebe Pizza. Aber das kann ich mir als Profisportler natürlich nicht dauernd erlauben“, zeigt er auch hier eine vorbildliche Einstellung. Diese soll dabei helfen, dass das Ziel Playoffs erreicht wird und er noch über die reguläre Saison hinaus Gesänge der Fans hören darf. Ein genauso schönes Gefühl wie das „Happy Birthday“ beim öffentlichen Eistraining.