War das der Befreiungsschlag und der Beginn eines sportlichen Höhenflugs? Nach sechs Niederlagen in Folge schossen sich die Wild Wings im baden-württembergischen Derby den Frust von der Seele und schickten die Adler Mannheim mit einer 6:1 (4:1, 2:0, 0:0)-Packung nach Hause. 5011 Zuschauer feierten die Schwenninger mit stehenden Ovationen.

Das könnte Sie auch interessieren

Schwenningen wie ein Spitzenteam

Wer befürchtet hatte, die Wild Wings würden nach der jüngsten Talfahrt verkrampft, nervös oder gar ängstlich auftreten, wurde schnell eines Besseren belehrt. Nicht die Mannheimer, sondern die Schwenninger präsentierten sich wie ein Spitzenteam. Zwar begann der amtierende deutsche Meister stark und ging in Minute sieben durch Valentino Klos in Führung, doch die Gastgeber ließen sich von dem Rückstand nicht entmutigen. Im Gegenteil: Sie blieben ihrer Linie treu und setzten mit Kontern schmerzhafte Nadelstiche. Einer dieser schnelle Angriffe führte postwendend zum Ausgleich. Nur 91 Sekunden nach dem Mannheimer Tor erzielte Dylan Yeo das 1:1 und zugleich das erste Tor eines Schwenninger Verteidigers in der aktuellen Saison.

Adler wie gelähmt

Dieser Treffer zeigte Wirkung. Bis ersten Pausensirene schienen die Adler wie gelähmt. Schwenningens Schlussmann Dustin Strahlmeier musste kaum noch einen gefährlichen Schuss abwehren, während seinem Gegenüber Dennis Endras der Puck nur so um die Ohren flog. Der 34-Jährige machte nicht den sichersten Eindruck und ließ etliche Schüsse prallen – ein gefundenes Fressen für die Schwäne. Hatte schon Yeo im zweiten Versuch getroffen, versenkte auch Alexander Weiß einen Abpraller zum 2:1 (13.).

Auf das Powerplay war Verlass

Auf ihr Powerplay konnten sich die Schwenninger ebenfalls verlassen. Sowohl Andreas Thuresson (16.) als auch Troy Bourke (19.) trafen bei eigener Überzahl, Bourke sogar in doppelter. 22:12 Schüsse zugunsten der Schwenninger hatten sich im ersten Abschnitt in einer 4:1-Führung niedergeschlagen. Und das völlig verdient. Mannheim hatte die anfängliche Kontrolle über das Spiel komplett verloren.

Fans aus dem Häuschen

Waren die Schwenninger Fans im ersten Drittel ob der famosen Vorstellung ihrer Mannschaft aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen, so waren sie im zweiten Drittel völlig aus dem Häuschen. Wie von einer Zentnerlast befreit, spielten sich die Wild Wings in einen Rausch und schraubten das Resultat in schwindelnde Höhen.

6:1, es war kaum zu glauben

6:1 – es war kaum zu glauben, was da auf dem Video-Würfel stand. Begünstigt wurde der Spielstand durch die undisziplinierte Spielweise der Mannheimer, bei denen sich tiefer Frust breit machte. In den ersten zehn Minuten des zweiten Abschnitts herrschte auf ihrer Strafbank Hochbetrieb. Oftmals saßen gleich zwei Adler dort, was den Schwänen reichlich Überzahlgelegenheiten bot. Prompt münzten Troy Bourke (30.) und Jamie MacQueen (32.) zwei Fünf-gegen-drei-Vorteile in Tore um. Zeit für Endras, um den Platz zwischen den Pfosten für den Schweden Johan Gustafsson freizumachen. Auf der anderen Seite setzte Strahlmeier noch mal ein Highlight in Schwenningens grandioser Vorstellung. Als Mannheims Mittelstürmer Marcel Goc einen lang Passe erlaufen wollte, eilte der Keeper zehn Meter aus seinem Gehäuse und gewann das Duell. Die Halle bebte.

Bärenstarker Strahlmeier

Mit dem halben Dutzend hatten die Wild Wings ihren Torhunger gestillt. Geschickt verwalteten sie das Ergebnis und nahmen die Zeit von der Uhr. Das klappte so gut, dass den Mannheimern kein Treffer mehr gelang, auch dank eines bärenstarken Strahlmeiers. Netter Nebeneffekt des Derby-Sieges: Die Schwenninger verließen das Tabellenende und reichten die rote Laterne an Krefeld weiter. „Oh, wie ist das schön“, hallte es tausendfach von den Rängen.