Ringen: Die Bundesliga-Endrunde geht in diesen Tagen in die entscheidende Phase. Doch bei den Ringern ist nicht der Kampf um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft das Hauptthema. Für mehr Gesprächsstoff sorgt die Entwicklung der Ringer-Ligen. Dabei wird klar: Die Gräben zwischen dem Deutschen Ringerbund (DRB) und der Deutschen Ringerliga (DRL) werden immer tiefer.

Vergangene Woche endete für Erst- und Zweitligisten die Frist, ob sie kommende Saison in der Bundesliga ringen werden. Laut DRB-Vizepräsident Daniel Wozniak rechnet der Verband mit 24 Bundesligisten nächstes Jahr, darunter auch der SV Triberg. 20 hätten bislang gemeldet, hinzu kommen laut Wozniak vier weitere Aufsteiger, die noch bis zum 31. Dezember Zeit haben für ihre Entscheidung.

16 Mannschaften haben die Frist verstreichen lassen. Zu diesen Teams gehören auch die vier Vereine, die derzeit das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft bestreiten: Der ASV Nendingen, der KSV Aalen, der KSV Ispringen und der SV Weingarten. Alle vier wollen kommende Saison in der neu gegründeten DRL an den Start gehen. „Wer die Frist verstreichen ließ, ringt nächste Saison auch nicht in der Bundesliga. Die Tür ist zu“, stellt Wozniak klar. Dass Deutschlands derzeit stärkste Vereine kommende Saison beim Kampf um die nationale Mannschaftsmeisterschaft außen vor sind, sieht er nicht dramatisch: „Wesentlich wichtiger sind für uns die internationalen Erfolge der einzelnen Ringer. Zudem ist es für viele Vereine oft attraktiver, wenn Zuschauer Eigengewächse sehen und nicht Weltmeister aus anderen Ländern.“

Die DRL-Vertreter beharren darauf, in einer Liga zu kämpfen, in der sie auch Mitspracherecht haben. Der Ringerbund sieht diesbezüglich offenbar keinen Handlungsbedarf. Markus Scheu, Geschäftsführer der DRL, kann diese Haltung nicht nachvollziehen: „Der DRB redet nicht mit uns und behauptet strikt, wir hätten nichts anzubieten. Unsere Tür ist aber weiterhin offen.“

Von beiden Seiten gibt es Vorwürfe. Scheu: „Wer für die Bundesliga meldet, akzeptiert auch, dass die Richtlinien jederzeit vom DRB eigenständig geändert werden können. So etwas kann man nicht akzeptieren.“ Wozniak wirft den Planern der DRL vor, dass sie das Thema Anti-Doping selbst bestimmen wollen. „Da stellt es einem die Nackenhaare auf. So etwas kann ein Dachverband nicht ernst nehmen“, sagt der DRB-Vize. Dem widerspricht jedoch Scheu: „Wir haben nie angeführt, dass wir dies machen wollen. Es ist eine riesen Unverschämtheit, dies zu behaupten.“

Einen Streitpunkt gibt es zudem, was die Sportler betrifft. Ringt Weltmeister Frank Stäbler, derzeit beim SV Weingarten, nächste Saison in der DRL, droht ihm ein Strafverfahren des Verbandes. Wozniak: „Die Sportler haben eine Verpflichtungserklärung unterschrieben. Deshalb müssen sie mit Konsequenzen rechnen, wenn sie in einer wilden Liga ringen.“ Für Scheu ist es bedauerlich, „dass von Verbandsseite immer wieder gedroht wird“. Scheu weiter: „Zahlreiche Erst- und Zweitligisten haben nur für die Bundesliga gemeldet, weil ihnen gedroht wurde. Auch diese Vereine sind stinksauer.“

Bei den Mannschaften, die den Weg in die neue Bundesliga nicht mitgehen, gibt es zwei Lager: Die einen wollen in die DRL. Die anderen ziehen sich vor allem aus finanziellen Gründen in die Ligen der Landesverbände zurück. Der Deutsche Ringerbund wird von Vereinen beider Lager hart kritisiert. Aalens Präsident Helmut Klingl meinte in einem Zeitungsinterview: „Der DRB ist in seiner personellen Besetzung überhaupt nicht dialogfähig. Es gibt dort unwahrscheinliche Egos.“

Für den Vorsitzenden des SV Eschbach, Matthias Martin, trug der Ringerbund mit dazu bei, dass sich sein Verein in die Verbandsliga zurückzieht: „Es ist ein krankes System und wir haben keine Lust weiterhin, in ein krankes System zu investieren. Man könnte auch sagen: Die Kuh wird gemolken, aber vorne bekommt sie kein Futter.“

Der VfK Schifferstadt teilte seinen Mitgliedern mit, dass „das ewige Weiter-So des DRB“ zu einer kontinuierlichen Abwärtsspirale der Bundesliga geführt habe. Beim bisherigen Zweitligisten SV Johannis Nürnberg trägt nicht allein der Ringerbund die Schuld. Die Nürnberger schreiben auf ihrer Internet-Seite: „Leider wurden wir so sehr in die Enge gedrängt, dass eine Meldung für die Bundesliga unter gegebenen Umständen nicht möglich ist. Wir werden im Kampf zwischen dem Verband und anderen Vereinen zerrieben.“