Fußball-Oberliga: Fünf Schritte Anlauf, satter Innenspannschuss in den rechten Winkel, grenzenloser Jubel über das 1:0 – mit diesem perfekt getretenen Elfmeter gegen Fortuna Düsseldorf in der ersten Runde des DFB-Pokals schoss sich Steven Ukoh am 10. August in die Geschichtsbücher des FC 08 Villingen. Dabei stand seine Karriere noch vor einigen Jahren vor einer ungewissen Zukunft.

Vielversprechend waren die Anfänge des jungen Steven Ukoh im großen Fußballzirkus. Im Jahr 2008 war der Schweizer mit nigerianischen Wurzeln fester Bestandteil der eidgenössischen U17-Auswahl bei der Europameisterschaft, als er mit heutigen Stars wie Xherdan Shaqiri (FC Liverpool), Admir Mehmedi (VfL Wolfsburg) oder Michael Lang (Werder Bremen) und gegen Thiago (FC Bayern) oder auch Eden Hazard (Real Madrid) spielte. Als großes Talent wurde der heute 28-jährige zentrale Mittelfeldspieler angepriesen: Schon mit 16 Jahren stand er in einem Pflichtspiel für die Young Boys Bern auf dem Platz. 2015 ereilte ihn der Ruf der Nationalmannschaft Nigerias, der Heimat seines Vaters. Ukoh absolvierte vier Spiele für die „Super Eagles“ in einer Phase, die er als die „beste meiner Karriere“ bezeichnet. Dann sorgte der eigene Körper für eine drastische Zäsur.

Zwei schwere Verletzungen im rechten Knie beförderten den technisch versierten Spielgestalter im Sommer 2015 vom Zenit seines Schaffens zum Tiefpunkt seiner Karriere. „Es war eine große Operation nötig, weshalb ich fast eineinhalb Jahre weg vom Fenster war“, sagt Ukoh. Über die genauen Details der Verletzungen bewahrt er Stillschweigen. In der Zeit der Rekonvaleszenz stand seine fußballerische Laufbahn vor einer ungewissen Zukunft. Der allzeit optimistische Ukoh kämpfte sich aber zurück: „Solche Rückschläge gehören zum Sport und zum Leben dazu. Das Jurastudium, das ich zu dieser Zeit begann, hat mir enormen Halt gegeben. Dadurch habe ich nie meine Identität als Fußballer verloren. Ich blieb geduldig und habe hart gearbeitet. Auch an schlechten Tagen gab es keinen Zweifel daran, dass ich wieder auf das Spielfeld zurückkehre“, schildert der 28-Jährige.

Weil der Mittelfeldspieler, der sich in diesem Sommer dem FC 08 Villingen in der Oberliga anschloss, bereits durch die tiefsten Täler ging, weiß er die schönen Momente, wie diese im DFB-Pokal, umso mehr wertzuschätzen. „Ich bin enorm dankbar dafür, wieder auf dem Platz zu stehen. Dadurch weiß ich, dass sich die ganze harte Arbeit gelohnt hat.“ Bei den Nullachtern fühlt sich der als Königstransfer gefeierte Rechtsfuß pudelwohl. „Die Mannschaft und der gesamte Verein haben mich toll empfangen. Ich wollte unbedingt eine Herausforderung im Ausland, bei der ich Spielpraxis sammeln kann, um wieder auf mein altes Niveau zu kommen. Da war das Angebot aus Villingen perfekt.“

Der Treffer im DFB-Pokal gegen Düsseldorf bleibt Ukoh noch lange in Erinnerung. „Das war einer der schönsten Momente meiner Karriere. Ich habe mir die Wiederholung einige Male angeschaut“, schmunzelt der studierte Jurist. Dass ihm dieses Erlebnis ermöglicht wurde, hält er keinesfalls für selbstverständlich. „Ich bin dankbar dafür, dass der FC 08 Villingen mir diese Bühne gegeben hat. Schließlich war ich nicht dabei, als der Verein in der Vorsaison den Verbandspokal gewann und sich dadurch für den DFB-Pokal qualifizierte.“

Schnell etablierte sich der Spieler mit der Nummer 17 als feste Säule im Team von FC 08-Trainer Jago Maric und kam auf vier Startelf-Einsätze in den ersten fünf Spielen. Um sein geschundenes Knie nicht zu sehr zu strapazieren, muss Ukoh regelmäßige Pausen einlegen. Zwar schätzt er das Niveau der zweiten Schweizer Liga Challenge League, in der er lange spielt, noch etwas höher ein, unterfordert fühlt sich der ehemalige Nationalspieler in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse aber keineswegs. „Ich muss 100 Prozent geben, damit es reicht. Beim VfB Stuttgart II spielen Profis und mit Jan Kliment ebenfalls ein ehemaliger Nationalspieler, der sich nach einer langen Verletzung zurückkämpft. Die Oberliga ist nicht zu unterschätzen.“

Dass der Ligastart der Nullachter mit fünf Punkten aus fünf Spielen alles andere als rund lief, kommt für Ukoh nicht überraschend. „Wir haben viele Neuzugänge, die sich erst finden müssen. Das passiert nur durch Training und Partien. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir auf einem guten Weg sind. Die vergangenen drei Pflichtspiele sind wir ungeschlagen geblieben“, betont Steven Ukoh.

Mit seiner guten Technik, seiner ausgeprägten Spielintelligenz, aber auch mit gefährlichen Standardsituationen will der Schweizer dem FC 08 Villingen weiterhelfen. Dass die ruhenden Bälle zu seinen größten Waffen zählen, bewies Steven Ukoh bereits auf ganz großer Bühne im DFB-Pokal. Fünf Schritte Anlauf, satter Innenspannschuss in den rechten Winkel, grenzenloser Jubel.