Die Stärke des Wolfes ist das Rudel. Diesen Spruch hat Paul Thompson ausgewählt. Er hängt gut sichtbar im Kabinentrakt der Helios-Arena. Tagtäglich laufen die Spieler an dem Schriftzug vorbei. Mit solchen Slogans will Schwenningens Trainer seinen Profis die Werte der Wild Wings nahebringen. Bislang, wie es scheint, vergeblich.

Die Schwenninger Mannschaft präsentiert sich derzeit nicht als Rudel, dessen Stärke der Zusammenhalt ist, sondern als Ansammlung von Einzelkämpfern. Derart zersplittert ist das Ensemble zu schwach, um in der Deutschen Eishockey Liga zu bestehen. Nach dem blamablen 0:4 gegen Wolfsburg beklagte sich Thompson darüber, dass seine sechs Führungsspieler nicht das gezeigt hätten, was man von ihnen erwartet. Überspitzt ausgedrückt heißt das: Die Anführer im Team haben ihren Coach im Stich gelassen. Weit und breit kein Haudegen, der seine Kollegen auf dem Eis hätte mitreißen, geschweige denn führen können. Das wäre in solchen Situationen eigentlich die Aufgabe des Kapitäns. Doch Mark Fraser hat große Probleme mit sich selbst und und hebt sich nur in der Zahl an Strafminuten von den anderen ab. Der 33-Jährige scheint zumindest derzeit kaum in der Lage, seiner Rolle als Leader gerecht zu werden. Von einer Hierarchie in diesem Team kann keine Rede sein.

Um im Bild zu bleiben: Paul Thompson ist der Leitwolf, die Spieler sind das Rudel. Versagen sie ihm die Gefolgschaft, ist die Gruppe verloren und hat im Kampf ums sportliche Überleben keine Chance. Der Brite muss aus dem vogelwilden Haufen wieder eine verschworene Gemeinschaft formen. Hierzu braucht es einen starken Kapitän als verlängerten Arm auf dem Eis. Vielleicht sollte Thompson seine selbst getroffene Wahl noch mal überdenken und Fraser von dieser Last befreien. Wenn schon an der Trainerposition nicht gerüttelt wird, wäre ein neuer Käpt‘n zumindest nach außen ein Zeichen, dass man der rasanten Talfahrt nicht länger tatenlos zusehen will.