Eishockey: Im der vergangenen Saison war sie Dauergast, und auch in dieser Spielzeit scheint sie sich wohlzufühlen in der Helios-Arena. Die Rede ist von der roten Laterne, die über den Schwenninger Wild Wings leuchtet. Nach der 0:5-Niederlage in Straubing verloren die Neckarstädter auch das Heimspiel gegen die Nürnberg Ice Tigers und bleiben Schlusslicht der Tabelle. Die Wildschwäne mussten sogar noch froh sein, dass das Spiel nicht noch deutlicher ausging, denn nach der 1:0-Führung verloren sie zehn Minuten völlig den Faden. Entsprechend sauer war Trainer Paul Thompson nach der Partie: „Das war teilweise frustrierend. Nach dem 1:1-Ausgleich sind wir von unserem System abgewichen und waren etwa zehn Minuten lang im Panikmodus. Das darf nicht passieren.“ Statt die bis dato glückliche Führung zu nutzen, um das Spiel zu beruhigen, kassierten die Schwenninger bereits zum vierten Mal direkt nach einem erzielten Treffer ein Gegentor – viel zu oft für den 51-jährigen Coach. Nürnberg nutzte die Konfusion der Gastgeber und drehte die Partie zum 1:3 vor der ersten Drittelpause.

Ein kleines Highlight lieferte Schwenningens Kapitän Mark Fraser mit seinem ersten Faustkampf der Saison. Sein Nürnberger Kontrahent Will Acton war chancenlos: „Ich wollte die Mannschaft damit aufwecken, das hat auch funktioniert“, will Fraser diese Qualitäten auch weiterhin einbringen. Doch allein mit den Fäusten gewinnt man in der DEL kein Spiel. Nach den beiden Anschlusstoren von Pat Cannone kehrte im letzten Abschnitt der alte Schlendrian zurück: Schwenningen stand viel zu weit weg von den Gegenspielern, von einer richtigen Aufholjagd war nur wenig zu sehen. Im Gegensatz zu der Partie in Straubing hatte man sich zwar noch nicht komplett aufgegeben, doch die Franken waren clever genug, um die drei Punkte mitzunehmen. „Im dritten Drittel haben wir wirklich gut gespielt, den Puck oft tief gespielt und Schwenningen so von unserem Drittel ferngehalten“, lobte Gästetrainer Kurt Kleinendorst seine Mannschaft.

Für Fraser war es dagegen ein Rätsel, warum die Mannschaft nach dem zwar erfolglosen, aber dennoch starken Auftritt gegen München zwei Partien verlor, in denen die Mannschaft nie zu ihrem Spiel fand. Ungeachtet der aktuellen Misere vertraut der Kapitän immer noch auf das Potenzial, das in der Mannschaft steckt: „Wir haben ja auch gute Spiele gezeigt, müssen aber als Gruppe noch weiter zusammenwachsen. Dafür gebe es in der nächsten Zeit einige Team-Events, auch mit den Familien. Mit der Aussage: „Wenn wir außerhalb des Eises zu einer kleinen Familie zusammenwachsen, wird uns das auch auf dem Eis helfen“, ließ Fraser aber auch durchblicken, dass die Stimmung innerhalb der Mannschaft insgesamt nicht mehr so positiv ist, wie man nach der guten Vorbereitung hätte vermuten können.

Trainer Thompson steht vor einer Herkulesaufgabe. Der Brite muss sowohl im taktischen als auch im zwischenmenschlichen Bereich hart arbeiten, damit seine Mannschaft am Wochenende in Bremerhaven und gegen die Düsseldorfer EG die Niederlagenserie von drei Spielen am Stück beenden und die rote Laterne wieder abgeben kann. Eines steht fest: Auch wenn viele der Zuschauer nach dem 3:5 gegen Nürnberg artig applaudierten, spricht die Minuskulisse von 2713 Besuchern eine klare Sprache. Das Schwenninger Publikum will ihre Mannschaft nicht nur spielen, sondern auch siegen sehen. Bleibt der Erfolg aus, bleiben die Zuschauer zuhause. Noch so eine Saison am Tabellenende dürfte für die sportliche Leitung, die Mannschaft, die Sponsoren und die Fans zu einer Zerreißprobe werden.

Vielleicht könnte ein neuer Verteidiger helfen. Dem Vernehmen nach überlegen die Wild Wings, einen weiteren Ausländer zu verpflichten, um den Konkurrenzkampf im Team anzuheizen. Am Montag war die Mannschaft übrigens in Stuttgart auf dem Wasen. Vielleicht schweißt der Besuch im Fürstenberg-Zelt die Mannschaft noch zu einer Einheit zusammen.