Eishockey: Nach dem 4:1-Sieg gegen Iserlohn zog Schwenningens Trainer Paul Thompson am Freitagabend ein persönliches Zwischenfazit und stellte vor allem einen positiven Aspekt heraus: „Wir haben nach 15 Spielen 14 Punkte auf dem Konto und damit doppelt so viele wie zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Saison“, rechnete der Brite vor. Zwei Tage später kam in Düsseldorf noch ein weiterer Zähler hinzu. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Wild Wings immer noch Tabellenletzter sind – wie zum gleichen Zeitpunkt in der Spielzeit 18/19. Entsprechend nüchtern fällt die Zwischenbilanz zur Deutschlandcup-Pause aus. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass es in den kommenden Wochen schnell wieder aufwärts gehen kann.

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Anspruch und Wirklichkeit: Die Wild Wings hatten im Sommer den Etat um einen erklecklichen Betrag erhöht und namhafte Spieler eingekauft. Nach einer katastrophalen Vorsaison wollten sie unbedingt wieder die Playoff-Runde erreichen. Vor allem in der heimischen Helios-Arena sollten die Gegner die kanadische Härte der Schwenninger Profis zu spüren bekommen.

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Die Bilanz nach dem ersten Saisondrittel zeigt jedoch ein anderes Bild: Nur drei von neun Heimspielen wurden gewonnen. Bisheriger Tiefpunkt war der blamable Auftritt des gesamten Teams am 27. Oktober beim 0:4 gegen Wolfsburg. Auswärts sieht die Bilanz noch düsterer aus. In den bisherigen sechs Partien auf fremdem Eis setzte es fünf Niederlagen.

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Special Teams: Am 27. September sorgten die Schwenninger gegen Krefeld für Furore. Nach dem 5:2-Heimsieg hatten sie bei eigener Überzahl eine Erfolgsquote, die ihresgleichen sucht. Aus 22 Powerplay-Situationen machten sie zehn Tore, eine Quote von sagenhaften 45,5 Prozent. Aktuell hat der SERC mit einer Überzahlquote von 24,4 Prozent immer noch ein starkes Powerplay, nur Düsseldorf (25,0) und Straubing (24,6) sind besser. So gut das Überzahlspiel ist, so schwach ist das Unterzahlspiel der Wild Wings. Im Penalty-killing hat Schwenningen mit 74,6 Prozent die drittschlechteste Erfolgsquote. Nur Augsburg (71,6) und Mannheim (71,4) sind schwächer. Die Wild Wings agierten mit einem Mann weniger auf dem Eis bislang oft zu passiv.

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Defensive: Mit 56 Gegentoren kassierten die Wild Wings neben Augsburg die meisten Gegentore. Die Abwehr blieb bislang weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück und offenbarte schon bei der 4:10-Pleite zum Saisonauftakt gegen Ingolstadt eklatante Schwächen. Kapitän Mark Fraser, der immerhin 224 NHL-Spiele auf dem Buckel hat, wirkte zeitweise überfordert. Auch Torhüter Dustin Strahlmeier vermochte seinen Vorderleuten nicht die nötige Sicherheit zu geben.

Offensive: Auf den Angriff war dagegen Verlass. In acht von 16 Begegungen erzielten die Wild Wings mindestens drei Tore. 42 Treffer stehen in den 16 Partien zu Buche. Dabei ist Jamie MacQueen für die Schwenninger aktuell das, was Robert Lewandowski für den FC Bayern München darstellt: eine sportliche Lebensversicherung. Der Stürmer, der von den Eisbären Berlin nach Schwenningen kam, trifft nach Belieben und ist mit elf Saisontoren zusammen mit Jeremy Williams (Straubing Tigers) der beste Schütze in der Deutschen Eishockey Liga.

Scorerwertung: Jamie MacQueen ist nicht nur Toptorjäger, sondern auch Topscorer der Wild Wings. Der Kanadier verbucht schon 18 Punkte (elf Tore/sieben Beihilfen) auf seinem Konto. Besser in der DEL sind nur noch Chad Costello (Krefeld Pinguine) mit 21 Punkten (neun Treffer/zwölf Assists), Michael Connolly von den Straubing Tigers mit ebenfalls 21 Zählern (vier Tore/17 Vorlagen) sowie der Düsseldorfer Reid Gardiner mit 19 Punkten (fünf Treffer/14 Vorlagen). Auf Platz zwei und drei der klubinternen Schwenninger Scorerliste rangieren Pat Cannone mit 15 Punkten (vier Tore/elf Assists) und Troy Bourke mit 14 Zählern (fünf Treffer/neun Beihilfen).

Topspieler: So treffsicher MacQueen auch sein mag – Schwenningens Trainer Paul Thompson kürte am vergangenen Wochenende einen anderen zum besten Spieler im Team der Wild Wings: Troy Bourke. Und das völlig zu Recht. Schwenningens Eishockey-Experte Matthias Hoppe, der für den SÜDKURIER nach jedem Heimspiel seine Schwenninger Top Fünf präsentiert, ist ebenfalls begeistert von den läuferischen und technischen Fähigkeiten des 25-jährigen Kanadiers.

Fairplay-Tabelle: In dieser Rangliste rangieren die Neckarstädter im Mittelfeld. 10,3 Strafminuten kassierten sie im Schnitt pro Partie, was ihnen Rang sechs einbringt. Das aktuell fairste Team sind die Nürnberg Ice Tigers mit 9,6 Strafminuten. Die „bösen Buben“ sind dagegen die Profis von Tabellenführer EHC Red Bull München mit 15,2 Strafminuten pro Begegnung.

Mit diesem Banner forderten die SERC-Fans ihre Mannschaft beim Spiel gegen Iserlohn auf, endlich die Schwenninger Tugenden aufs Eis zu bringen.
Mit diesem Banner forderten die SERC-Fans ihre Mannschaft beim Spiel gegen Iserlohn auf, endlich die Schwenninger Tugenden aufs Eis zu bringen. | Bild: Roger Müller

Zuschauer: Die Schwenninger Fans bleiben ihrer Mannschaft ungeachtet ihrer Kritik an den gezeigten Leistungen weiter treu. Trotz des enttäuschenden Tabellenplatzes kamen im Schnitt 3774 Zuschauern zu den neun Heimspielen. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 3302 Fans, die im Durchschnitt bis zur Deutschland-Cup-Pause in die Helios-Arena pilgerten.

Ausblick: Nach den vier Punkten am vergangenen Wochenende kann Trainer Paul Thompson zumindest in den nächsten Wochen in Ruhe weiterarbeiten. Dafür sorgte auch Jürgen Rumrich mit seiner Ankündigung, am Ende der Saison seinen Job als Sportmanager bei den Wild Wings aufzugeben. Der 51-Jährige war in den vergangenen Monaten zur Zielscheibe vieler Fans geworden, die den gebürtigen Miesbacher für die sportlichen Misserfolge verantwortlich machten. Diesen Angriffen wurde mit Rumrichs Abschied die Grundlage entzogen. Welches Potenzial in der Mannschaft steckt, bewiesen die Wild Wings beim glanzvollen 6:1-Heimsieg am 20. Oktober gegen den deutschen Meister Adler Mannheim. Was noch fehlt, ist die Konstanz, um eine gute Leistung dauerhaft 60 Minuten aufs Eis zu bringen. Der Rückstand auf Platz zehn beträgt fünf Punkte, wobei die Wild Wings noch ein Nachholspiel vom sechsten Spieltag bei den Eisbären Berlin in der Hinterhand haben. Die Partie wird allerdings erst am 3. März ausgetragen. Insbesondere das vergangene Wochenende gibt Anlass zur Hoffnung, dass das aktuelle DEL-Schlusslicht doch noch in den Kampf um die Playoff-Plätze eingreifen kann. Die Wild Wings haben sich in der Defensive stabilisiert, und Torhüter Strahlmeier erwies sich zuletzt wieder als gewohnt sicherer Rückhalt.