Eishockey: Vorteil oder Handicap? Die Wild Wings bestreiten am Wochenende lediglich ein Spiel. Am Freitagabend (19.30 Uhr) erwarten die Schwenninger die Krefeld Pinguine. Der Saisonstart für die Rheinländer verlief sehr erfolgreich. Die Neckarstädter können hingegen mit vier Zählern aus vier Spielen nicht zufrieden sein und haben noch reichlich Luft nach oben.

Schwenningens Trainer Paul Thompson betrachtet es als Pluspunkt, dass seine Mannschaft nur ein Mal gefordert ist und von allen Reisestrapazen verschont bleibt. „Normalerweise bereiten wir uns im Training zu 60 Prozent auf das erste und zu 40 Prozent auf das zweite Wochenendspiel vor. Nun können wir uns voll auf die Partie gegen Krefeld konzentrieren.“ Wild Wings-Stürmer Alexander Weiß dagegen hat auch einen Haken an dem zur Hälfte reduzierten Programm entdeckt. „Nur ein Spiel zu haben, ist für einen Spieler eher nervig. Gerade am Anfang einer Saison ist es wichtig, in den Rhythmus zu kommen.“

Die größten Stärken des Gegners sieht Thompson im Angriff. „Krefeld hat einen brandgefährlichen Sturm.“ Vor allem auf Chad Costello und Daniel Pietta gelte es höllisch aufzupassen. Auch Krefelds Effektivität im Überzahlspiel ist beeindruckend. „30 Prozent sind ein sehr guter Wert. Da müssen wir diszipliniert auftreten, um Strafen zu vermeiden“, fordert Thompson. Was die Zahl der erzielten Tore betrifft, müssen sich die Neckarstädter keineswegs verstecken. Auch sie haben aktuell 14 Treffer auf ihrem Konto und mit 38,9 Prozent eine noch bessere Powerplay-Quote als die Pinguine.

20 Gegentreffer zeigen allerdings deutlich, woran die Schwenninger noch arbeiten müssen: an einer stabilen Abwehr. Kein Wunder, dass die Defensive einer der Trainingsschwerpunkte in dieser Woche war. Thompson: „Zuletzt haben wir gegen Augsburg 28 Schüsse auf unser Tor zugelassen. Das muss besser werden.“ Auch das Penaltyschießen stand ganz oben auf der Agenda. Bei der 3:4-Niederlage gegen Augsburg scheiterten gleich vier Spieler der Wild Wings im Duell Schütze gegen Torhüter. Thompson: „Wir haben Penaltyschießen trainiert. Ich habe eine Liste von Spielern, die dafür infrage kommen. Nun kommt es auf das richtige Gefühl an, wer von den Jungs bereit ist und auch schießen will.“

Bereit für mehr Eiszeit als zuletzt dürfte auch Kyle Sonnenburg sein. Der Abwehrspieler, der vor neun Tagen an den Neckarursprung zurückkehrte, hatte bei seinem ersten Einsatz gegen Augsburg lediglich elf Minuten Eiszeit. Thompson: „Er muss so schnell wie möglich in den Spielmodus kommen, um die anderen Verteidiger zu entlasten. Dafür hat Sonnenburg im Training Extraschichten eingelegt.“ Zwischen den Pfosten steht Dustin Strahlmeier. Julian Kornelli und Daniel Pfaffengut sind überzählig und deshalb bei den Ravensburg Towerstars im Einsatz.

Schwenningens Neuzugang Alexander Weiß sieht seine Mannschaft nach den beiden Auftakt-Wochenenden auf dem richtigen Weg. „Das erste Spiel gegen Ingolstadt war eine Katastrophe. Gegen Wolfsburg wurde es schon besser. Nach dem Sieg in Iserlohn hätten wir auch gegen Augsburg mehr verdient gehabt als nur einen Punkt. Im Spiel nach vorne schießen wir immer Tore. Nun müssen wir die Defensive noch in den Griff kriegen. Der Trend ist positiv, aber wir können noch besser spielen. Dafür brauchen wir noch etwas Zeit. 15 Neuzugänge innerhalb von sechs Wochen zu integrieren, ist nicht einfach.“

Am Samstag sind die Spieler der Wild Wings noch mal gefordert. Allerdings dürfte dieser Nachmittag eher vergnüglich sein, denn die komplette Mannschaft ist bei „Kids on Ice“ im Einsatz. Rund 100 Kinder werden von 14 Uhr an in der Helios-Arena erstmals mit Eishockey in Berührung kommen und können sich bei den Profis Tipps holen. Weiß: „Als kleines Kind habe ich immer davon geträumt, mit DEL-Profis auf dem Eis zu stehen.“ Nun wird er selbst den Kleinen diesen Traum erfüllen.

Paul Thompson ist nicht nur beim Spiel gegen Krefeld und bei „Kids on Ice“ gefordert, sondern auch als Ehemann. Seine Frau Samantha ist von Donnerstagabend bis Sonntag zu Besuch in Bad Dürrheim. Für den Briten kein Grund, nervös zu werden. „Das Appartement ist geputzt und der Kühlschrank voll mit Essen“, grinst der 51-Jährige. Nun fehlt nur noch ein Heimsieg, um die Harmonie perfekt zu machen.