Eishockey: „Es ist wunderschön, wieder hier zu sein“, gerät Alexander Weiß regelrecht ins Schwärmen. Wovon er spricht? Er spricht von seiner Rückkehr zu den Wurzeln, den Ort an dem er mit drei Jahren zum ersten Mal auf dem Eis stand. Jetzt, mit 32 Jahren, will er etwas zurückgeben und mit den Schwenninger Wild Wings die Playoffs erreichen. „Die Fans haben schon viel zu lange auf das Playoff-Viertelfinale warten müssen. Wir wollen alles dafür tun, damit es diesmal klappt.“ Die Chancen, das gesteckte Ziel zu erreichen, schätzt Weiß mit dem neu zusammen gestellten Kader als hoch ein. Er betont jedoch, dass man weiterhin hart arbeiten müsse, und Erfolg trotzdem nicht planbar sei.

Für den Familienmensch hat der Wechsel von Wolfsburg an den Neckarursprung einen großen Vorteil. Nun kann er seine Mutter in Vöhrenbach mal schnell besuchen, „ohne 800 Kilometer überbrücken zu müssen“, lacht der Stürmer. Dass er im Team eine Führungsrolle einnehmen und eine insgesamt etwas defensivere Rolle einnehmen soll als in den vergangenen Spielzeiten bei den Grizzlys, ist für ihn kein Problem: „Ich habe gewusst, worauf ich mich hier einlasse. Ich spiele so, wie es der Trainer von mir will“, sagt er, hofft aber dennoch auf Powerplayzeit.

Auch in seiner Freizeit kommt Weiß kaum zum Durchatmen. Nun kann er endlich wieder die Freunde von früher häufiger treffen, statt sie nur kurz bei Auswärtsspielen an der Helios-Arena zu sehen. Apropos Helios-Arena: Alexander Weiß gefällt, was hier in den vergangenen Jahren entstanden ist. Er ist voll des Lobes über den Umbau des Kabinentrakts und den Kraftraum. „Und doch erkennt man die Kabinen, in denen ich als kleines Kind war, heute noch“, schwelgt Weiß in Erinnerungen an früher.

Privat läuft bei dem Profi ebenfalls alles rund. In seiner Freizeit unternimmt er so viel wie möglich mit seiner Freundin. „Ich zeige ihr all die schönen Fleckchen im Schwarzwald, sie kommt ja nicht von hier. Doch im Dezember soll auch sie dauerhaft im Schwarzwald wohnen. Bis dahin steht für den Deutsch-Rap-Liebhaber erst mal harte Arbeit auf dem Programm, gilt es doch bis zum Saisonstart noch einige Defizite aus den Vorbereitungsspielen auszumerzen. Weiß: „Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Wir haben alle Strafen im Video analysiert und klar gesehen, welche wir uns nicht erlauben dürfen. Ansonsten gehen wir jetzt tiefer ins System.“ Der Angreifer ist froh, dass die harte Kraft- und Ausdauerschinderei erst mal vorüber ist.

Weil die vergangenen drei Jahre in Wolfsburg teilweise auch nicht so leicht waren, da er immer wieder mit leichteren Blessuren ausgefallen war, veranlasste Weiß, in diesem Sommer so hart zu arbeiten wie noch nie. „Die Testergebnisse waren sehr positiv. Ich hoffe, dass ich verletzungsfrei durch die Saison komme.“ Auch zu den hartnäckigen Gerüchten, dass sein Bruder Daniel Weiß ebenfalls zu den Wild Wings wechseln könnte, nimmt Alexander Stellung: „Das muss man sehen. Wir wollen noch mal zusammen spielen, und ich bin noch zwei Jahre hier. Aber jetzt spielt er in Iserlohn und muss schauen, wie es dann läuft.“

Kindheits-Erinnerungen: Alexander Weiß auf seinem Platz in der Kabine drei, wo er während seiner Nachwuchszeit in Schwenningen saß. Bild: Arnfried Mehne
Kindheits-Erinnerungen: Alexander Weiß auf seinem Platz in der Kabine drei, wo er während seiner Nachwuchszeit in Schwenningen saß. Bild: Arnfried Mehne | Bild: Arnfried Mehne

Mit 13 Jahren wechselte Alexander Weiß von Schwenningen ins Internat nach Berlin, ein Schritt, den er bis heute als den für sich richtigen erachtet: „Ich wäre vermutlich nicht da, wo ich heute bin, wenn ich den Schritt nicht gemacht hätte.“ Er ist trotz der schwierigen Anfangszeit überzeugt, dass ihn das erst zu dem starken Eishockeyspieler gemacht hat, der er heute ist. Und doch: Seine Wurzeln vergisst man nicht, die Freude wieder in der Kabine zu sein, in der er als Schüler jede Woche mehrmals saß, ist ihm deutlich anzumerken.