Basketball, ProA: (mst) Nach fast vier Monaten Sommerpause steckt Alen Velcic mit den wiha Panthers wieder mitten im Trainingsbetrieb. Untätig war der Trainer der Schwenninger Basketballer in dieser Zeit aber keineswegs: Der 48-Jährige konstruierte einen neuen Kader, der in der ProA für Überraschungen sorgen könnte.

Bereits Anfang April, als die wiha Panthers mit dem Sieg im Playoff-Viertelfinale der ProB über die Gießen 46ers Rackelos den Halbfinal-Einzug klarmachten und damit auch den Grundstein für den Aufstieg legten, war für Velcic klar: In den darauffolgenden Monaten wird der Trainer und Kaderplaner in Personalunion eine ProA-taugliche Mannschaft auf die Beine stellen müssen. „Mir war sofort bewusst, dass wir ein noch talentierteres und breiter besetztes Team als vergangene Saison benötigen“, so Velcic, dem eine arbeitsreiche „Offseason“ bevorstand.

Ende Juli, also keine vier Monate nach Saisonende, standen fünf Vertragsverlängerungen und acht Neuverpflichtungen fest. Die Schwenninger hatten nun einen 13 Mann starken Kader, den der Konstrukteur für stark genug hält, um den Klassenerhalt zu schaffen und sogar ein Wörtchen im Playoff-Rennen der ProA mitreden zu können.

Die neue Schwenninger Mannschaft unterteilt sich nun in acht Deutsche, vier US-Amerikaner und einen Bulgaren. Osteuropäische Profis, für die Trainer Velcic ein Faible hat und in den vergangenen Jahren stets in seinen Mannschaften vertreten waren, sucht man bis auf das bulgarische Panthers-Urgestein Sergey Tsvetkov vergebens. „Ursprünglich habe ich erst auf dem Balkan gestöbert, bevor ich mich nach Amerikanern umgesehen habe. Für die ProA geeignete Osteuropäer rufen allerdings Gehaltsforderungen auf, die nur für Bundesligisten machbar sind. Daher habe ich diese Richtung schnell verlassen und mich eher nach Amerika orientiert“, erklärt Velcic.

Der Trainer konnte sich im weiteren Verlauf sowohl auf seine jahrelange Erfahrung im Basketball-Geschäft als auch auf sein globales Netzwerk verlassen. „Mich kontaktierten hunderte Spieleragenten und boten mir ihre Spieler an. 70 Prozent davon war allerdings zum Vergessen. Wenn mir ein Spieler auf den ersten Blick zusagt, recherchiere ich genauer und schaue mir Videos von diesem Spieler an. Dann brauche ich höchstens fünf Minuten, um zu sehen, ob er etwas kann oder nicht.“

Die Kriterien, die Velcic dabei zugrunde legt, sind Spielintelligenz, eine mannschaftsdienliche Einstellung, taktisches Verständnis, Athletik sowie die Wurftechnik. Kann ein Spieler in diesen Punkten überzeugen, macht sich der Panthers-Coach in persönlichen Gesprächen ein eigenes Bild des Kandidaten. „Dann rede ich mit dem Spieler über Basketball, Familie und das Leben im Allgemeinen. Wenn er mich charakterlich überzeugt hat, schaue ich mir ein ganzes Spiel an und unterbreite dem Agenten ein Angebot“, erklärt Velcic. Sean Lloyd beispielsweise, Velcics erster Neuzugang des Sommers, tauchte über eine Mail seines Agenten auf dem Radar des Trainers auf.

Gleich achtmal durchlief Velcic den Transfer-Prozess in der Sommerpause, hatte bereits Ende Juni den Großteil aller Verpflichtungen eingetütet – und war damit im Vergleich zur Konkurrenz in der ProA sehr schnell. Velcic: „Ich bin zufrieden, dass ich mein Wunschteam relativ zeitnah zusammengestellt habe. Manche werden sagen, dass ich noch hätte warten sollen, bis noch bessere Spieler auf dem Markt waren. Leute, die mich kennen, sagen aber, dass ich ein Fuchs bin und meine Kontakte habe spielen lassen.“ Ob der Fuchs auch tatsächlich bei jedem seiner Fänge einen Volltreffer gelandet hat, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.