Volleyball: – 22 Jahre ist es her, aber Thomas Elger kommt es vor, als ob es gestern gewesen wäre. Der heute 54-jährige Abteilungsleiter der Jestetter Volleyballer war damals Spieler der Mannschaft, die „nach der knappsten Entscheidung im deutschen Volleyball“ – so „titelte“ damals eine deutsche Fachzeitschrift – den Meistertitel in der Landesliga Ost in Südbaden holte und damit den Aufstieg in die Verbandsliga schaffte.

In jenem Frühjahr 1998 lagen letztlich der TV Jestetten und der TuS Böhringen punktgleich (24-8) und mit identischer Satzdifferenz (TV Jestetten 41:23; TuS Böhringen 40:22) vorn. Nur ein mehr gewonnener Satz gab den Ausschlag zugunsten des TV Jestetten. „Wir hatten nicht die besseren Spieler, aber die bessere Mannschaft. Eine eingeschworene Truppe waren wir. Das hat es auch danach nie mehr gegeben“, stellt Volleyball-Senior Elger heute fest.

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Schon die Ausgangssituation vor dem letzten Spieltag der Saison 1997/98 war spannend. Der TuS Bonndorf war punktgleich mit dem TuS Böhringen und nur im Satzverhältnis mit zwei Zählern vorn. Dann kam es zum Fernduell um den Titel. Die Böhringer spielten beim SV Litzelstetten neben den Gastgebern noch gegen den TB Bad Dürrheim – die beiden Kellerkinder der Liga. „Wir ahnten zuvor schon Schlimmes. Wir hatten die viel stärkeren Gegner“, erinnert sich Elger. Seine Mannschaft hatte zwar Heimvorteil, erwartete aber den TuS Bonndorf, der noch gegen den Abstieg kämpfte, und den Tabellendritten TS Schramberg.

„Wir wussten, dass wir höchstens zwei Sätze in unseren beiden Spielen verlieren durften, wenn sich der TuS Böhringen zeitgleich makellos hält“, hatte Elger seinen Kameraden vorgerechnet. Schon in der ersten Partie gegen den TuS Bonndorf lief nicht alles glatt. Die Jestetter mussten in den Tie Break des fünften Satzes. Beim Stand von 13:14 hatten die Bonndorfer sogar einen Matchball, doch die Jestetter wehrten diesen ab und gewannen noch mit 16:14.

Thomas Elger, TV Jestetten: „Ich war ein begehrter Mann. weil ich damals als einziger schon ein Handy hatte.“
Thomas Elger, TV Jestetten: „Ich war ein begehrter Mann. weil ich damals als einziger schon ein Handy hatte.“ | Bild: Michael Neubert

Das Zittern hatte begonnen. „Ich war ein begehrter Mann. weil ich damals als einziger schon ein Handy hatte“, schmunzelt Elger, der natürlich sofort in Litzelstetten anrief: „Die Böhringer hatten wenigstens beim 3:1 gegen die Gastgeber einen Satz abgegeben.“ Alles war somit noch offen. Die Jestetter hatten vor dem finalen Spiel gegen TS Schramberg in der Satzdifferenz noch einen Zähler Vorsprung gegenüber dem Konkurrenten. Die Ausgangslage war also klar. „Mit einem 3:1-Sieg wären wir durch gewesen, auch wenn der TuS Böhringen seine Schlusspartie gegen den TB Bad Dürrheim mit 3:0 gewonnen hätte“, so Elger.

Gegen die Schramberger flatterten den Jestettern nach gewonnenem ersten Satz die Nerven. Die Durchgänge zwei und drei holten die Schwarzwälder. „Da ging noch einmal ein Ruck durch unserer Team“, erinnert sich Elger lebhaft daran, wie seine Mannschaft noch den vierten und fünften Satz zu ihren Gunsten entschied. „Den Tie Break haben wir mit 15:13 gewonnen.“ Trotz des 3:2-Siegs war klar, dass Konkurrent TuS Böhringen mit einem 3:0-Erfolg den Titel gewonnen hätte.

Jetzt warteten alle in der Jestetter Halle auf das Ergebnis aus Litzelstetten. Um 21.50 Uhr die erlösende Nachricht: Der TuS Böhringen hatte nach 2:0-Satzführung den dritten Satz gegen den TB Bad Dürrheim abgegeben. Am Ende siegten die Böhringer zwar 3:1, aber das war zu wenig. Die Jestetter hatten bei gleicher Satzdifferenz einen Satz mehr gewonnen und waren damit Meister.

Nicht nur für Thomas Elger war dieser Meistertitel eine Sensation. Eine harzige Saison war es bis zum letzten Spieltag gewesen. Trotz Verletzungspech hatte der TV Jestetten den Titelkampf offen gehalten. Mit ein Grund war, dass sich Wolfgang Kaissl nach einer Knieoperation die Trainingsarbeit mit Reiner Brünecke teilte. „Die beiden bildeten ein harmonisches Duo“, nennt Elger einen der Gründe für den Titel-Coup.

Dann war da dieser letzte Spieltag vor Weihnachten 1997. Gegen den Konkurrenten TuS Böhringen war der TV Jestetten in heimischer Halle schon mit 0:2-Sätzen in Rückstand gelegen. Plötzlich flog eine Senftube von der Zuschauertribüne auf den Hallenboden – sehr zum Unwillen der Böhringer Spieler. Die Partie stand vor dem Abbruch. „Die Böhringer waren wütend. Das war natürlich auch eine unsportliche Aktion“, gibt Elger heute reumütig zu. Fakt war aber: Von da lief bei den Böhringern nichts mehr zusammen. Sie verloren die folgenden drei Sätze und damit die Partie gegen den TV Jestetten mit 2:3.“ Die Sache mit der Senftube hatte übrigens keine sportrechtlichen Folgen.

Nur eine Saison lang währte das „Abenteuer Verbandsliga„ für die Männer des TV Jestetten. Dann ging‘s gleich wieder runter, zwei Jahre später wieder rauf. Seit 2004 gibt es kein Männer-Volleyball mehr in Jestetten. Auch ein Jungen-Team fehlt. Thomas Elger kümmert sich als Trainer um das Mädchen-Team, das einige Erfolge wie den Gewinn des Bezirksmeister-Titels vor zwei Jahren feierte. „Die Mädchen trainiere ich jetzt schon in der vierten Generation“, darf Elger stolz sein.

Auch das Frauen-Team, das heute in der Landesliga spielt, hat er eine Saison lang trainiert. Trainer der Frauen ist seit vier Jahren Frank Vetter, einer von Elgers damaligen Teamkollegen. Dieser hatte nach seiner aktiven Laufbahn einige Trainerstationen bei Männer-Teams in höheren Schweizer Ligen angetreten. Aber so etwas Spannendes wie 1998 in seiner Jestetter Heimat hat auch er nie wieder erlebt.