Christian Wässerle ist nicht zu beneiden. Vor gut einem Monat hat er erst den Vorsitz des SC Neptun Waldshut von Mathias Schneider übernommen und nun musste er seinen Mitgliedern die Nachricht überbringen, dass das Vereinsleben wegen Corona und den damit verbundenen Maßnahmen der Landesregierung vorerst zum Stillstand verurteilt worden ist. Das Hallenbad Waldshut, die Trainingsstätte der lokalen Schwimmerinnen und Schwimmer, ist seit 1. November für den Vereinssport gesperrt. Wässerle kann auch keinen Optimismus verbreiten: „Dieses Jahr werden wir wohl nicht mehr schwimmen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Diese Zwangs-Auszeit trifft den SC Neptun Waldshut alleine deswegen hart, weil es die zweite innerhalb weniger Jahre ist. Im September 2018 war das Hallenbad nach dreijähriger Sanierung wieder eröffnet worden. In diesen drei Jahren war die Zahl der Mitglieder von zuvor 220 auf 120 geschrumpft. „Vor allem Kinder und Jugendliche sind damals abgesprungen“, erinnert sich Wässerle. Nur die Leistungs- und Masterschwimmer seien damals zum Training nach Siggenthal und Bad Zurzach in die benachbarte Schweiz umgezogen.

Im Herbst 2018 dann das große Comeback: Die Wiedereröffnung des Waldshuter Hallenbads sorgte für große Euphorie bei den Schwimmerinnen und Schwimmern. „Wir waren sehr glücklich und fühlen uns wohl mit fünf Schwimmbahnen und einem separaten Nichtschwimmerbecken“, versichert der Vorsitzende.

Schon bald wurde eine neue Förder- und Leistungsgruppe aufgebaut. Neue Trainer wurden für die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen, die beim SC Neptun Waldshut 80 bis 90 Prozent der Mitglieder ausmachen, gewonnen. „Das ist ein cooles Trainerteam“, ist Wässerle begeistert über deren Elan und Einsatz. Im vergangenen Winter ließen die Neptun-Talente hoffnungsvolle Ansätze bei ihrem einzigen Wettkampf im Grenzacher Hallenbad erkennen.

Christian Wässerle, Vorsitzender des SC Neptun Waldshut: „Wir haben viel Aufwand bei der Umsetzung des Hygienekonzepts betrieben.“
Christian Wässerle, Vorsitzender des SC Neptun Waldshut: „Wir haben viel Aufwand bei der Umsetzung des Hygienekonzepts betrieben.“ | Bild: Claus Bingold

Dieses Jahr startete das Training im Hallenbad Mitte Oktober. Unter Corona-Auflagen, versteht sich. Und diese Auflagen wurden vom Waldshuter Schwimmclub auch gewissenhaft erfüllt. „Wir haben viel Aufwand bei der Umsetzung des Hygienekonzepts betrieben“, bestätigt der neue Vereins-Chef. Zu den Vorgaben zählte unter anderem die Maskenpflicht in den Umkleidekabinen sowie die Wahrung des Mindestabstands im unteren Bereich des Bads bis zum Becken.

Vor allem am Mittwoch, dem Haupttrainingstag, war Wachsamkeit gefragt. Zwischen 17.30 Uhr und 21 Uhr trainieren in der Regel rund 120 Personen. Da sind die Nichtschwimmer ebenso beim Training wie die Kinder und Jugendlichen sowie die Masters, also die älteren Aktiven des Vereins. Alle Gruppen trainierten getrennt voneinander.

Das könnte Sie auch interessieren

„Wir sind nur gestaffelt ins Wasser“, sagt Wässerle und lobt vor allem die Disziplin der Kinder: „Sie sind schon durch ihre Erfahrungen aus der Schule sensibilisiert für das Thema und haben ausgezeichnet mitgezogen.“ Selbst die Eltern hatten Verständnis, ihre Kinder nicht live in der Halle zu unterstützen, sondern warteten geduldig draußen. Und nach dem Training duschten die Schwimmerinnen und Schwimmer aus den verschiedenen Gruppen nacheinander, wobei jede zweite Dusche zwecks Wahrung des Mindestabstands gesperrt war.

Alles lief in ordentlichen Bahnen, bis am 1. November der erneute Lockdown kam. „Nach zwei Trainingseinheiten war wieder Schluss“, so Wässerle, der aber Verständnis für die politischen Maßnahmen zeigt, um die Corona-Fallzahlen wieder deutlich zu reduzieren.

Von September bis Pfingsten ist das Hallenbad in normalen Zeiten geöffnet. Gibt es eine Alternative zum Schwimmtraining in der Halle? Trockenübungen zu Hause? Alles nicht so einfach. Ersatzangebote hat der Waldshuter Schwimmclub derzeit keine in der Tasche. Vereinzelt wurden von den Mitgliedern WhatsApp-Gruppen gebildet. Der Badische Schwimmverband hat Online-Tipps für die Trainerinnen und Trainer bereit gestellt. Wässerle: „Wir sind jetzt zum Warten verurteilt und können nur hoffen.“

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €