Mountainbike: – Die Freude ist groß bei Michelle Stark. Bei der Europameisterschaft in München wird sie am Sonntag im Straßenrennen der Frauen für die Schweiz starten. Ein Traum wurde innerhalb kurzer Zeit für sie wahr.

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Erst vor drei Jahren beantragte die Deutsch-Schweizerin eine Lizenz beim Schweizer Radsportverband. Ein Rad stand allerdings schon viel länger in ihrer Wohnung in Hohentengen bereit. Genutzt hat es aber niemand.

Ihr Vater Marcel Hollenstein war es, der das „Velo“ irgendwann einmal unaufgefordert vorbeigebracht hatte. Der ehemalige Schweizer Elite-Radsportler hatte immer die Hoffnung, dass seine Tochter einmal den Weg zu seinem geliebten Radsport finden würde.

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Zu jener Zeit gehörte ihre ganze Leidenschaft noch den Pferden. Jede freie Minute widmete Michelle Stark dem Reiten. „Das war sehr zeitintensiv“, sagt die 24-Jährige rückblickend, und mit ein Grund, warum sie den Reitsport nicht mehr weiter betreiben wollte.

Intermezzo beim FC Hochrhein

Ein kurzes Intermezzo beim Frauenfußball des FC Hochrhein, wo ihr Bruder Mike Stark Frauen-Trainer war, war nicht erfolgreich. „Ich konnte mit dem Ball nicht so richtig etwas anfangen“, lacht sie heute. Deshalb versuchte sie es 2017 mit ihren ersten Ausfahrten auf dem Rad. „Das hat mir von Anfang an viel Spaß gemacht.“

Michelle Stark, Radsportlerin aus Hohentengen: „Ich konnte mit dem Ball nicht so richtig etwas anfangen.“
Michelle Stark, Radsportlerin aus Hohentengen: „Ich konnte mit dem Ball nicht so richtig etwas anfangen.“ | Bild: Ralf Schäuble

Die gelegentlichen Rennrad-Runden wurden immer mehr. 2019 kam der Wunsch auf, sich auch einmal bei einem Rennen zu versuchen. Die Lizenz über den VC Gippingen, wo der Vater aktiv war, war schnell gelöst.

Harzige Premiere auf dem Rad

Die Premiere im Radrennsport verlief allerdings nicht so erfolgreich. „Ich hatte keine Chance und wurde gnadenlos abgehängt“, erinnert sich Michelle Stark. Das war aber für sie kein Grund, ihr Vorhaben wieder aufzugeben. Im Gegenteil: Es war Motivation pur, dass das nicht noch einmal passiert.

Ihr Ehrgeiz war geweckt. Sie trainierte nun mehr als zehn Stunden pro Woche. Rückblickend war damit der Schritt vom Reit- zum Radsport aus Zeitgründen natürlich ein Schritt vom Regen in die Traufe. Für beide Sportarten muss viel Zeit investiert werden.

Zur Person

Mit Trainer-Legende Kurt Bürgi

Mittlerweile arbeitet die angehende Physiotherapeutin nur hoch halbtags und wird seit 2020 von der Schweizer Trainer-Legende Kurt Bürgi trainiert. Und das mit großem Erfolg: Ihre Leistungsfähigkeit hat sie in der kurzen Zeit um gut hundert Prozent gesteigert. Ihr Potenzial ist groß, obwohl sie sich schon jetzt zu einer der besten Radsportlerinnen in der Schweiz entwickelt hat.

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Diesen Prozess kann Michelle Stark selber noch gar nicht so richtig fassen. Zu Jahresbeginn hätte sie das für völlig utopisch gehalten. Aber mit guten Ergebnissen bei der Thüringen-Rundfahrt und vor allem mit Bronze bei den Schweizer Meisterschaften im Einzelzeitfahren war es fast logisch, für die EM nominiert zu werden.

Strecke in München liegt ihr

Die Strecke, die über 130 Kilometer von Landsberg am Lech nach München führt, liegt ihr. „Sie ist wellig, aber nicht extrem bergig. Das mag ich“, sagt sie und lässt Raum für unterschiedliche Szenarien. „Ich weiß noch nicht, welche Rolle ich im Schweizer Team spielen werde. Ich werde aber meine Chance nutzen, und ich will aktiv fahren.“

Was am Ende rauskommt, ist offen. Aber eines ist sicher: Es wird ein wichtiger Meilenstein und eine tolle Erfahrung für Michelle Stark und ihre Laufbahn als Sportlerin werden.