Fußball: – Kabinen-Mucke ist heilig. An den Ghettoblaster darf nicht jeder ran. So mancher USB-Stick und ungezählte CDs flogen schon achtkantig durch den Duschraum: Wenn der Sound nicht passt, herrscht in der von verschwitzten Socken und Voltarensalbe geschwängerten Atmosphäre schnell dicke Luft.

Da ist es ein Glücksfall für jedes Team, wenn einer nicht nur auf dem Platz mitmischt, sondern auch im Tonstudio. Eben einer wie „Hümla“ – mit bürgerlichem Namen Lucas Jehle. Der 29-jährige Stürmer des SV Albbruck hat sich nicht nur mit Toren beim A-Kreisligisten verewigt. Er zeichnet auch für die inoffizielle Hymne der Blau-Weißen verantwortlich: „Mein Kreisliga-Rap läuft wirklich sehr oft“, schmunzelt der Physiotherapeut über seinen Hit, der durchaus Ohrwurm-Potenzial hat: „Vor allem, wenn wir gewonnen haben.“

Video: Scheibengruber, Matthias

Allerdings wird in der SVA-Kabine keineswegs nur Hümla-Sound rauf und runter gespielt: „Wir haben eine ausgewogene Playlist, auf der ist so ziemlich alles zu hören“, erzählt Jehle, der seit 17 Jahren die Farben des Clubs trägt.

Und hier sind sie stolz darauf, einen Künstler wie Lucas Jehle in ihren Reihen zu haben: „Wir versuchen mit unseren Mitteln, sein Talent zu fördern“, sagt Frank Pecoraro, der den Hümla Sound in den sozialen Netzwerken populär macht. Doch umgekehrt ist Lucas auch stolz auf seine Jungs: „Ich spiele wirklich gern in diesem Club. Deshalb versuche ich auch, beiden Hobbys gleich viel Aufmerksamkeit zu schenken.“

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Kein Wunder, überlegt er, Fußball und Hip Hop noch enger zu verknüpfen. „Zwei Lieder zum Kreisliga-Fußball habe ich schon gemacht, sie kamen super im Netz an. In anderen Texten taucht ebenfalls oft der Fußball auf. Vielleicht schaffen wir es ja mal, etwas mit der Mannschaft auf die Beine zu stellen.“ Zweifel an den Gesangsqualitäten der Mitspieler lässt er nicht aufkommen: „Die Nationalmannschaft hat ja auch gesungen – und das hört man ja heute noch manchmal an“, grinst er.

Vor wenigen Wochen schloss Hümla sein großes, zweijähriges Projekt „Golden Goals“ ab. Eine runde Sache mit Liedern aus seinem Leben. Es geht viel um Fußball, aber auch um Influenzer und Sozialkritik. Das Album lässt sich im Netz „streamen“: „Das lief super an“, freut sich Hümla über die Klicks, die „Golden Goals“ in wenigen Tagen generierte: „Aber bis ich damit Kohle verdiene, muss noch viel passieren.“

Und es ist schon viel passiert: „Musik mache ich von klein auf“, blickt Lucas Jehle zurück: „Gesungen wurde in unserer Familie immer.“ Lucas fand Gefallen an der HipHop-Szene: „Wir hatten bald eine tolle Clique, mischten damals mit einfachsten Mitteln unsere ersten Sounds.“ Im Laufe der Jahre verfeinerten sich Technik, Beats – und Texte.

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Aber was ein richtiger Rapper ist, der braucht auch einen coolen Namen. Doch wie kommt Lucas Jehle ausgerechnet auf „Hümla“? „Ich war zehn Jahre alt, da bekam ich ein Trikot von Thomas Helmer. Das trug ich immer, wenn wir auf dem Bolzplatz Röte gekickt haben“, erzählt Jehle: „Irgendwann war die Beflockung fast weg. Einer fragte, was da auf dem Shirt stand. Es war kaum zu lesen. Und so wurde aus dem verblassten Helmer – erst Hüma, dann Hümla. Beim nächsten Kick rief gleich einer: Der Hümla kommt. So hatte ich den Namen weg. Bis heute rufen mich Mitspieler so. Und Thomas Helmer habe ich in „Mood“ verewigt.“

Als Fußballer blieb Jehle der große Wurf verwehrt – auch weil er seinerzeit im Studium am Wochenende lieber zu den Kumpels nach Albbruck pendelte, als sich in Konstanz einem höherklassigen Club anzuschließen: „Aber es wäre ein Traum, mit den Jungs mal in die Bezirksliga aufsteigen. Wenn das passiert, laufe ich vom Platz und nagle im Sportheim meine Kickschuhe an die Wand.“

„Hümla“ träumt vom Live-Auftritt bei einem regionalen Festival

Als Hümla könnte er noch „entdeckt“ werden: „Vielleicht mal bei einem Live-Auftritt? Mein großer Traum ist es schon, mal bei einem Festival auf der Bühne zu stehen“, sinniert er. Texte auf die Beats seines Stuttgarter Kumpels Phil Murray zu schreiben oder dort coole Videos drehen, das sei schon eine tolle Sache. Auch die Arbeit im Tonstudio bei Markus Florian in Lauchringen habe ihm riesigen Spaß bereitet: „Aber Live auf der Bühne zu stehen, das ist für uns das Größte“, kann sich Hümla gut vorstellen, mal bei einem Festival – auch hier in der Region – zu rappen.

Lucas Jehle (29) alias „Hümla“ stammt aus Dogern, wo er beim Sportverein mit Fußball begann. Als D-Junior wechselte er zum SV Albbruck. Hier zählt der Physiotherapeut zum Stamm der „Ersten“ in der Kreisliga A. Seine Freizeit wird von Fußball und Musik geprägt. Mit seinem Bruder Jannik „Janero“ rappt Lucas Jehle für sein Leben gern. Das brandneue Hümla-Album „Golden Goals“ gibt‘s im Netz auf einschlägigen Plattformen wie YouTube, Spotify, Amazon und Apple Music.
Lucas Jehle (29) alias „Hümla“ stammt aus Dogern, wo er beim Sportverein mit Fußball begann. Als D-Junior wechselte er zum SV Albbruck. Hier zählt der Physiotherapeut zum Stamm der „Ersten“ in der Kreisliga A. Seine Freizeit wird von Fußball und Musik geprägt. Mit seinem Bruder Jannik „Janero“ rappt Lucas Jehle für sein Leben gern. Das brandneue Hümla-Album „Golden Goals“ gibt‘s im Netz auf einschlägigen Plattformen wie YouTube, Spotify, Amazon und Apple Music. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Hümla spricht im Plural, denn „Golden Goals“ hat er nicht allein gestemmt: „Jannik, mein fünf Jahre jüngerer Bruder, ist oft dabei.“ Mit „Janero“ entstanden „Traumreise“ und „Kapstadt“. Anfang 2019 waren die zwei Albbrucker gemeinsam mit Janniks Freundin drei Monate auf großer Tour. Die Eindrücke haben sie in ihren Liedern verarbeitet.

Zwei Mal taucht bei „Golden Goals“ eine weibliche Stimme auf. Jehle erinnerte sich im Rahmen des Projekts, das er vor zwei Jahren mit Murray startete, an Tamara Hoppe: „Vor fünf Jahren, nach dem ersten Kreisliga-Song, fragte sie an, ob wir mal gemeinsam produzieren. Nun bot sich die Gelegenheit.“ Jetzt veredelt die klare Stimme der Lehrerin aus Unteralpfen die Songs „Hillbillies & Rednecks“ und „Junge mit Herz“.

„Ich bin immer offen für neue Ideen“, so Lucas Jehle, der die Offenheit in seinen Texten, aber auch im Alltag lebt: „Rappen ist grenzenlos – Alter, Sprache, Herkunft der Menschen sind total egal. Die Hip Hop-Kultur hat etwas Verbindendes – deshalb liebe ich es so.“