Fußball-Kreisliga B-4: – Ob sie es schon geahnt haben, damals in der Winterpause 2016/17 beim SV Waldhaus? Als Michael Hägele sein Amt als Trainer zur Verfügung gestellt hatte und dringend ein neuer Übungsleiter für die gerade erst abgestiegene Mannschaft her musste? Fündig wurde der Vorstand um Markus Birkenberger nämlich in den eigenen Reihen – und traf mit der Verpflichtung von Thomas Schäfer voll ins Schwarze.

Zur richtigen Zeit war Thomas Schäfer der richtige Mann für das neu formierte junge Team: „Ich hatte damals die B-Junioren trainiert und trat so kurzfristig meine erste Aktivstelle an“, blickt der 48-Jährige zurück auf dreieinhalb Jahre bei seinem Heimatverein. Was damals wie ein Schnellschuss schien, entpuppte sich spätestens im Herbst 2019 als Volltreffer.

Jetzt oder nie: Der Aufstieg kam für den SV Waldhaus zur rechten Zeit.
Jetzt oder nie: Der Aufstieg kam für den SV Waldhaus zur rechten Zeit. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Denn am 17. November, dem letzten Vorrundenspieltag, mussten die Grün-Weißen beim Spitzenreiter SV Berau antreten. Mit breiter Brust und einer großen Fan-Gemeinde reiste der SV Waldhaus an – und gewann mit 3:1. „Erst mit diesem Sieg haben wir die Tabellenführung übernommen“, betont Thomas Schäuble und fügt verschmitzt hinzu: „Und haben sie nicht wieder abgegeben.“

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Wie denn auch? Denn nach dem Spitzenspiel, dem Rückrunden-Auftakt mit einem 3:0 gegen den SV Dillendorf und dem 1:1 im Nachholspiel gegen den SV Eggingen, war die Saison auch schon vorbei. Das ahnte in jenen November-Tagen zwar noch niemand, wurde aber spätestens im März zur Gewissheit, als die weltweite Corona-Pandemie den Spielbetrieb jäh beendete.

Endlich wieder Derby: Vor Jahresfrist kamen Samuel Kaier und Stefan Zanotti (Zweiter von rechts) mit dem SV Nöggenschwiel noch als Gast zum Waldhaus-Cup und gingen als Sieger wieder nach Hause. Nach dem Aufstieg des SV Waldhaus freuen sich Turnierchef Andreas Bächle (links) und Vorsitzender Markus Birkenberger (rechts) aufs anstehende Derby in der Kreisliga A.
Endlich wieder Derby: Vor Jahresfrist kamen Samuel Kaier und Stefan Zanotti (Zweiter von rechts) mit dem SV Nöggenschwiel noch als Gast zum Waldhaus-Cup und gingen als Sieger wieder nach Hause. Nach dem Aufstieg des SV Waldhaus freuen sich Turnierchef Andreas Bächle (links) und Vorsitzender Markus Birkenberger (rechts) aufs anstehende Derby in der Kreisliga A. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Dabei hatte die Saison, der sich der Club nach zwei dritten Plätzen das Erreichen der Relegation zum Ziel gesetzt hatte, mühsam begonnen. Zum Auftakt gegen den SV Dillendorf gelang erst in der Nachspielzeit das 4:3 für die Waldhauser. In der Folge berappelte sich das Team, leistete sich zu Hause jeweils ein 1:1 gegen die „Zweite“ des FC Tiengen 08 und gegen den SV Eggingen, der in Luis Schanz den besten Torjäger mit 21 Treffern erzielte. Nur ein Tor weniger hatte Waldhaus-Stürmer Yannik Schäfer nach den 14 Spielen auf dem Konto.

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Dass die Saison vor dem 15. Spiel, dem Derby gegen den FC RW Weilheim II, vorzeitig zu Ende war, ist für Thomas Schäfer nicht mehr als ein Wermutstropfen: „Natürlich wären auch wie gern Meister auf dem Sportplatz geworden. Aber es sollte eben nicht sein.“ Einen Makel auf dem Titel sieht er nicht: „Die halbe Saison war gespielt, wir blieben unbesiegt und hatten zwei Punkte Vorsprung auf den SV Berau. Ich denke, die Mannschaft hat sich das verdient.“

Die Zeit war reif: Trainer Thomas Schäfer hat in den vergangenen Jahren akribisch und erfolgreich am Umbruch beim Aufsteiger SV Waldhaus gearbeitet.
Die Zeit war reif: Trainer Thomas Schäfer hat in den vergangenen Jahren akribisch und erfolgreich am Umbruch beim Aufsteiger SV Waldhaus gearbeitet. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Seinen Anteil am Erfolg will Schäfer, der den SV Waldhaus nicht nur von der Pike auf kennt, sondern schon als Kind das Trikot des Clubs getragen hat, nicht in den Vordergrund stellen: „Dieser Aufstieg ist das Produkt eines gelungenen Umbruchs und basiert vor allem auf der guten Nachwuchsarbeit unseres Vereins.“ Als langjähriger Jugendtrainer hat er also schon zeitig am Erfolgsteam gefeilt. Abgesehen von ein paar Routiniers, die die Streben der Elf bilden, ist das Gros des Kaders noch gar nicht so lang der Jugend entwachsen: „Da sind richtige Raketen dabei, die in der Jugend etliche Titel eingefahren haben.“

So lag es an Thomas Schäfer, die „jungen Wilden vom Gupfen“ zu einer stabilen Mannschaft zu formen: „Kicken können sie alle, aber wenn gestandene Gegner kamen, fehlte manchmal noch das Robuste“, sieht Schäfer die drei Jahre in der Kreisliga B als gute Basis für weitere Erfolge in der Kreisliga A – eine Liga, in der der SV Waldhaus über Jahre zum Inventar zählte: „Wir haben das Zeug dazu, oben zu bleiben – aber es wird nicht leicht werden.“

Meister-Corso: Die Fußballer des SV Waldhaus beschränkten sich wegen der Corona-Pandemie beim Feiern auf ein Autokorso.
Meister-Corso: Die Fußballer des SV Waldhaus beschränkten sich wegen der Corona-Pandemie beim Feiern auf ein Autokorso. | Bild: Andreas Bächle

Zur Seite steht ihm bei der Aufgabe, das junge Team anzuleiten, ein erfahrener Trainer aus Rickenbach: „Oliver Baumgartner kam vor einem Jahr eher zufällig zu uns“, sah Schäfer die Bedenken, einen derart erprobten Fußballer als Co-Trainer zu bekommen, schnell verwischt: „Oliver möchte nicht mehr in der ersten Reihe stehen. Einmal wöchentlich ist er auf dem Platz, was bei 18 bis 20 Mann im Training wichtig ist. Wir haben uns vom ersten Augenblick sehr gut verstanden – auch auf privater Ebene.“

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Thomas Schäfer ist um die Zukunft nach dem Aufstieg nicht bange: „Der Sprung nach oben kommt zum richtigen Zeitpunkt. Hätten wir es wieder nicht geschafft, wäre vielleicht mancher Spieler abgesprungen, um höherklassig zu spielen.“ Das ist nun nicht mehr nötig, mit einer Mannschaft, die nahezu komplett grün-weiße Wurzeln hat, soll eine neue Ära beim SV Waldhaus beginnen.

Meister-Corso: Die Fußballer des SV Waldhaus beschränkten sich wegen der Corona-Pandemie beim Feiern auf ein Autokorso.
Meister-Corso: Die Fußballer des SV Waldhaus beschränkten sich wegen der Corona-Pandemie beim Feiern auf ein Autokorso. | Bild: Andreas Bächle

Und Thomas Schäfer einen nicht laut ausgesprochenen Wunsch erfüllen: „Wir sind ein intakter Verein, wie wohl die wenigsten in der Region. Ich hoffe, dass wir nicht wieder 30 Jahre warten müssen, um einen Meistertitel feiern zu dürfen.“ Auch wenn zwischendurch immer wieder einmal Aufstiege gelungen waren, Meister wurde der SV Waldhaus zuletzt im Sommer 1990 – als der Sprung in die Bezirksliga gelungen war.