Frauenfußball: – Klein – aber oho. Und zwar so was von „oho“, dass in der Sommerpause öfters das Telefon im Hause Sardu klingelte: „Ja, es gab interessante Angebote“, gibt Nina Sardu zu. Aber die 22-Jährige hat alle Anfragen abgeblockt: „Ich stehe beim FC Hochrhein im Wort – und das halte ich.“

Solche Kunde lässt Trainer Tobias Schneider, der morgen mit der Mannschaft in die neue Saison startet und im SBFV-Pokal auf Ligarivale SC Hofstetten trifft, erst mal durchatmen. Schließlich muss er künftig schon auf Tiziana Di Feo verzichten. „Tizi legt leider eine Pause ein“, deutet Nina Sardu an, dass sie von der Entscheidung ihrer kongenialen Mittelfeldpartnerin nicht begeistert ist: „Wir haben super harmoniert.“

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Das Zusammenspiel mit „Vorarbeiterin“ Di Feo, die auf acht Saisontore kam, war mit dafür entscheidend, dass sich Nina Sardu mit 25 Treffern den Titel der Torschützenkönigin in der Verbandsliga sicherte: „Ohne die Zuspiele meiner Teamkolleginnen, hätte das nicht geklappt“, gibt sich Sardu, die damit knapp die Hälfte der 54 Tore ihrer Mannschaft erzielt hat, überaus bescheiden und zwinkert verschmitzt mit den Augen: „Ich glaube, die Gegenspielerinnen hatten mich erst einmal nicht auf der Rechnung.“

Schließlich hatte sich das Saison-Ergebnis des Duos „Sardu/Di Feo“ im Jahr zuvor gerade umgekehrt gestaltet. Seinerzeit hatte Tiziana Di Feo mit stolzen 27 Toren die beste Ausbeute aller Verbandsliga-Spielerinnen eingefahren und galt als Schrecken aller Abwehrspielerinnen. In jener Saison glänzte Sardu, die zwölf Tore erzielt hatte, als Assist-Geberin: „Im vergangenen Spieljahr hatte ich eine etwas offensivere Rolle zugewiesen bekommen“, begründet Nina Sardu ihre nunmehr fast verdoppelte Ausbeute.

Video: Scheibengruber, Matthias

Dass der FC Hochrhein nach den Plätzen sechs, fünf und zwei in seinem vierten Verbandsliga-Jahr nach dem Titel greift, scheint auf den ersten Blick logisch, doch Nina Sardu bremst die Euphorie: „Abwarten. Die ersten drei Plätze sollten aber schon unser Ziel sein.“ Unter Druck will sich die Mannschaft nicht setzen lassen: „In erster Linie wollen wir weiterhin Spaß am Fußball haben.“

Dass es nicht schon in diesem Jahr zum Sprung in die Oberliga gereicht hat, haben die Fußballerinnen aus dem Bohnenviertel abgehakt: „Wir haben uns mit Meister FC Freiburg-St. Georgen zwei richtig gute Spiele geliefert“, blickt Nina Sardu auf die Duelle der Spitzen-Teams zurück: „Beim 3:3 zu Hause lagen wir drei Mal im Rückstand und kamen immer wieder zurück.“ Auch das Rückspiel endete unentschieden, so dass der FC Hochrhein am Ende mit einem Punkt weniger den Kürzeren zog: „Wir hatten eigentlich mehr Mühe mit den hinteren Mannschaften der Liga.“

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Ihre drei Tore zum 3:3 beim späteren Meister sagen viel über die Fußballerin Nina Sardu. Wegen ihrer eher zierlichen Figur wird die 22-Jährige vielfach unterschätzt. „Ich habe zehn Jahre lang bei den Jungs gespielt. Da lernst du, dich im Fußball durchzusetzen“, schmunzelt Nina Sardu. Mit Sondergenehmigung durfte sie sogar noch bei den B-Junioren mitspielen, wurde oft von den gegnerischen Jungs belächelt – allerdings nicht bis Spielende: „Da kam von mir auch mal der Ellbogen, wenn es eng wurde“, so Sardu: „Ich habe Antwort immer auf dem Platz gegeben.“

Nina Sardu (22) lebt in Wutöschingen und arbeitet als medizinische Fachangestellte in einer Arztpraxis in Tiengen. Mit Fußball begann sie als Sechsjährige im Nachwuchs der Spvgg. Wutöschingen und blieb zehn Jahre bei ihrem Heimatverein. Mit 16 wechselte Nina Sardu zum FC Neunkirch/CH in die Nationalliga A. Seit Sommer 2016 trägt die Mittelfeldspielerin das Trikot des Verbandsligisten FC Hochrhein Hohentengen-Stetten. (gru)
Nina Sardu (22) lebt in Wutöschingen und arbeitet als medizinische Fachangestellte in einer Arztpraxis in Tiengen. Mit Fußball begann sie als Sechsjährige im Nachwuchs der Spvgg. Wutöschingen und blieb zehn Jahre bei ihrem Heimatverein. Mit 16 wechselte Nina Sardu zum FC Neunkirch/CH in die Nationalliga A. Seit Sommer 2016 trägt die Mittelfeldspielerin das Trikot des Verbandsligisten FC Hochrhein Hohentengen-Stetten. (gru) | Bild: Scheibengruber, Matthias

Es war also seinerzeit eine gute Idee ihres Zwillingsbruder Nico, die Schwester mit zum Fußball zu nehmen: „Es gab damals für uns auch nichts anderes. Nach der Schule ging es jeden Nachmittag auf den Bolzplatz“, erinnert sich Nina Sardu und verweist auf die familiäre Vorbelastung: „Papa und Opa haben ja auch gekickt.“

Kein Wunder unterstützt die Familie seit je her den Werdegang der talentierten Tochter. Nahezu immer – auch auswärts – stehen Mutter, Vater und der Bruder am Spielfeldrand, wenn Nina Sardu spielt. Und umgekehrt lässt sie sich auch kein Spiel entgehen, in dem Nico bei der Spvgg. Wut-öschingen auf dem Platz steht.

Die Anfänge: Nina Sardu (Mitte, Nr. 20) lauscht beim Fördertraining im Sommer 2009 in Brennet aufmerksam der damaligen SBFV-Stützpunkttrainerin Ute Leuschner.
Die Anfänge: Nina Sardu (Mitte, Nr. 20) lauscht beim Fördertraining im Sommer 2009 in Brennet aufmerksam der damaligen SBFV-Stützpunkttrainerin Ute Leuschner. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Die Kunde der sportlichen Qualität, die da im Wutachtal heran reifte, blieb seinerzeit auch dem SC Freiburg nicht lang verborgen. War es beim Stützpunkttraining, damals bei Ute Leuschner in Brennet, bei Spielen mit der Spvgg. Wutöschingen oder der südbadischen U15-Auswahl – die Talentspäher des Bundesligisten hatten Nina Sardu bald im Visier: „Ich bekam das Zweitspielrecht beim SC Freiburg. Das war natürlich eine coole Sache für mich.“

Allerdings nutzte sie seinerzeit die Möglichkeit zum Wechsel nicht: „Heute würde ich vielleicht eine andere Entscheidung treffen“, sinniert Nina Sardu: „Damals konnte ich mir einfach nicht vorstellen, nach Freiburg ins Fußballinternat zu wechseln, oder mehrmals pro Woche die weite Strecke zum Training zu fahren. Außerdem war mir die Schule wichtiger.“ Also blieb sie zu Hause, trainierte mit den Jungs und kam letztlich nur zu zwei, drei Spielen in der U17-Bundesliga.

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Erst mit 16 Jahren wagte sie den Schritt in den höherklassigen Fußball, als aus der Schweiz ein Angebot des FC Neunkirch auf den Tisch flatterte. Beim Meister und Cupsieger der Saison 2016/17 standen Nina Sardu alle Türen offen: „Es war optimal für mich. In einer knappen Viertelstunde war ich dort.“ Nun machte ihr eine schwere Knieverletzung einen dicken Strich durch die Rechnung: „Ich war ein Dreivierteljahr außer Gefecht.“ Als sie Ausbildung und Training nicht mehr unter einen Hut bekam, beschloss Nina Sardu, 2016 zum FC Hochrhein zu wechseln: „Der FC Neunkirch hätte mich gern behalten, aber die Ausbildung war mir wichtiger. Außerdem wollte ich einfach wieder regelmäßig spielen.“

Beim FC Hochrhein traf Nina Sardu unter anderem wieder auf Vanessa Moser, ihre Mitspielerin aus dem Wutöschinger Nachwuchs. Die Integration in die Elf von Mike Stark war kein Problem: „Wir sind ein prima Team und haben viel Spaß zusammen.“ Mittlerweile ist die Wutöschingerin sogar Kapitänin ihres Teams: „Das Amt und die Verantwortung haben weiter zu meiner Entwicklung beigetragen“, reflektiert sie.