Fußball-DFB-Pokal: FV Ravensburg – FC Augsburg (Freitag, 20.45 Uhr, Geberit-Arena, Pfullendorf). – Zum ersten Mal in der 123-jährigen Vereinsgeschichte nimmt der FVR am DFB-Pokal teil. Das vom DFB vorgegebene Papier mit Richtlinien und Bestimmungen umfasst 75 Seiten. Beim FV Ravensburg haben sich Peter Mörth, Michael Kimpfler und Inge Hartmann in den vergangenen Wochen um kleinste Details gekümmert, damit morgen alles reibungslos verläuft.Ein Überblick.

Zuschauer: Zwischen 4000 und 5000 Karten sind verkauft, genau Zahlen sind aber gar nie möglich, weil bei den Vorverkaufsstellen ständig weitere Karten erworben werden. Zirka 1000 Augsburger Fans werden erwartet. Diese betreten das Stadion durch einen separaten Eingang. Das Pfullendorfer Freibad schließt am Freitag bereits um 14 Uhr, damit alle Fans problemlos zum Stadion gelangen. Es gibt noch genügend Karten an der Abendkasse. Das Stadion öffnet seine Tore bereits um 17 Uhr, den Fans wird empfohlen, frühzeitig anzureisen für den Fußweg vom Parkplatz zum Stadion.

Helfer: 45 eigene Ordner, 50 Personen an Getränkeständen, acht Parkplatzeinweiser, zehn Koordinatoren des Events, ein Security-Dienst – der FV Ravensburg hat am Freitag zahlreiche Helfer. Der besondere Dank von Michael Kimpfler geht an den TSB Ravensburg, die TSB Ravensburg Rams, den SV Mochenwangen und den TC Wolfegg, die im großen Stil unterstützen. Betreuer Uli Hehle bringt aus dem Allgäu eine größere Personengruppe mit, auch mehrere gewerbliche Betriebe helfen dem Oberligisten. 15 Balljungen werden für kurze Spielunterbrechungen sorgen. Elf Einlaufkinder stellt der FVR, elf kommen von DFB-Pokal-Sponsor VW, dazu ein Kind, das den Ball aufs Spielfeld trägt.

Einnahmen: Zehn Prozent aus Kartenverkauf und Bandenwerbung gehen an den WFV, die Einnahmen werden anschließend zwischen beiden Vereinen geteilt. Alles ist genau aufgeschlüsselt. Dem FV stehen nach Aussage Kimpflers rund 140.000 Euro an TV-Prämien zu. Die Ravensburger haben aber viele Kosten für Sicherheitsdienst, Stadionmiete usw. Diese Kosten werden erst abgezogen, wenn die gesamten Einnahmen durch beide Vereine geteilt wurden. „Unabhängig von der Prämie ist das Spiel ein Risiko. Einige Bundesligavereine wie Bayern, Dortmund oder Freiburg wollen nichts von den Amateurvereinen. Da sollte es eine andere Regelung geben“, sagt Peter Mörth. „Wir brauchen 5000 Zuschauer, um die Kosten zu decken. Wir müssen die Augsburger Anreisekosten und ein Essen für sie bezahlen.“

Fernsehübertragung: Der Pay-TV-Sender Sky Deutschland überträgt alle DFB-Pokalspiele live. Hierfür werden zwei große Podeste auf der Tribüne aufgebaut. Ein Notstromaggregat, um einen Ausfall zu vermeiden, kostet den FVR 3500 Euro. Bereits am Freitag waren Mitarbeiter von Sky in Ravensburg und haben sich vor dem Training einen ersten Einblick in Verein und Mannschaft gesichert.

Spieler: Im Gegensatz zur Oberliga (vier Auswechslungen möglich) dürfen im DFB-Pokal nur drei Wechsel vorgenommen werden. Die Anzahl der Spieler, die auf dem Spielberichtsbogen stehen und damit eingesetzt werden können, ist auf 18 begrenzt.

Spielball: Der FV Ravensburg hat den Spielball von Adidas für Freitag vorgegeben. Der FC Augsburg hatte von den Oberschwaben 20 Bälle angefordert, um sich darauf einstimmen zu können. „Das war eine freundliche Anfrage, die ich aber abgelehnt habe“, sagt Peter Mörth. Stattdessen bat er den Gegner, sich selbst um die teuren Spielgeräte zu kümmern und gab die genaue Bezeichnung des Balles an.

Dopingkontrolle: Nach dem Spiel steht für ausgeloste Spieler die Dopingkontrolle auf dem Programm. Das ehemalige Regionalliga-Stadion des SCP ist hierfür ausgestattet. „Allein das hätte uns in Ravensburg vor Probleme gestellt“, sagt Kimpfler. Insgesamt sei es in vielen Belangen „ein riesiger Vorteil“ gewesen, dass er jahrelang beim SCP tätig war. „Wir haben Unterstützung von der Feuerwehr, der Stadt, einer Sicherheitsfirma. Ich kenne viele Leute dort.“

Werbung: Vereins-Werbungen sind beim DFB-Pokal nicht zulässig. Vier Tage lang wird vom DFB jede Werbung in der Geberit-Arena „neutralisiert“, also abgeklebt, um das Stadion DFB-Pokal-tauglich zu machen. Während der Übertragung werden nur die sechs DFB-Pokal-Sponsoren zu sehen sein.

Trikots: Ravensburg wird ganz in blau, Augsburg komplett in weiß auflaufen. Den einen Ärmel ziert ein VW-Logo, den anderen das brandneue Emblem des DFB-Pokals. Nur bei den Trikots darf der Verein auf der Brust seine übliche Werbung tragen – was der FV Ravensburg jedoch nicht tut. Die Firma Reischmann verzichtet als regionale Marke darauf. Stattdessen konnten die Verantwortlichen die Firma Maserati Gohm aus Böblingen/Singen gewinnen. „Wir hoffen, dass wir genauso Gas geben wie Maserati“, sagt Kimpfler lachend zum Vergleich mit dem Rennwagen. Grundsätzlich bestünde für die Ravensburger also die Möglichkeit, das Trikot zu tauschen. Fest einplanen können Steffen Wohlfarth und seine Kameraden den obligatorischen Tausch nicht. Denn: „Wenn wir in die zweite Runde kommen, brauchen wir die Trikots noch einmal“, so Kimpfler. Peter Mörth verbietet den Tausch der Trikots ohnehin, da diese mit anderer Werbung durchaus noch verwendet werden können. „Einige Spieler haben sich deshalb ein zweites Trikot gekauft, um es an Freunde oder Verwandte zu verschenken“, so der 2. Vorsitzende.

Zum ersten Mal dabei

Für den FV Ravensburg ist es die erste Teilnahme am DFB-Pokal, dem zweitwichtigsten Wettbewerb im deutschen Fußball. Der verletzte Emil Noll (zehn Einsätze), Kapitän Steffen Wohlfarth (drei) sowie Harun Toprak (eins), der erstmals nach einem Jahr Verletzungspause wieder im Kader stehen könnte, haben schon DFB-Pokal-Partien absolviert. Zumindest daran geschnuppert hat Daniel Hörtkorn in seiner Zeit beim SC Pfullendorf. In der Saison 2010/2011 saß er im Erstrundenduell gegen Hertha BSC Berlin (0:2) aber 90 Minuten auf der Bank.

Drei Vereine aus dem Bezirk Bodensee haben bislang am DFB-Pokal teilgenommen, zum Teil mit einigem Erfolg. Die SpVgg Lindau schaffte es in der Saison 1975/1976 ebenso in die zweite Runde wie 1980/1981 der VfB Friedrichshafen, der dem späteren Sieger Eintracht Frankfurt unterlag. Gleich drei Teilnahmen hat der FC Wangen vorzuweisen. 1985/1986 erreichten die Allgäuer die zweite Runde (Niederlage in Sandhausen), in den Spielzeiten 1989/1990 und 1990/1991 war in der ersten Runde Schluss. (phd)