An der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga geht es so eng zu wie seit Jahren nicht. Nur vier Pünktchen trennen den FC Bayern München und RB Leipzig vor dem mit Spannung erwarteten Topduell an diesem Samstag. Ein Mann aus der Bodenseeregion fiebert dem Gipfeltreffen in der Red-Bull-Arena ganz besonders entgegen: der gebürtige Pfullendorfer Xaver Zembrod, seines Zeichens Leipziger Co-Trainer unter Julian Nagelsmann.

„Wir freuen uns und ganz Fußballdeutschland freut sich auf das Spitzenspiel“, sagt der 54-Jährige. „Am Ende werden die Tagesform und das Matchglück über Sieg und Niederlage entscheiden.“ Und höchstwahrscheinlich auch über den weiteren Verlauf des Kampfs um die Meisterschaft. Es wäre der erste große Titel für den Mann aus Südbaden, der seit etlichen Jahren schon im deutschen Profifußball tätig ist, meist abseits des Rampenlichts.

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Anfang der 1990er-Jahre verließ Xaver Zembrod den Linzgau mit 24 Jahren. In der damals drittklassigen Regionalliga spielte der Pfullendorfer für die Stuttgarter Kickers und den SV Darmstadt 98. Inzwischen ist sein Lebensmittelpunkt Heidelberg, wo auch seine Lebensgefährtin zuhause ist.

„Damals bin ich wegen meines Studiums in die Rhein-Neckar-Region gezogen und pendelte dann zu den verschiedenen Vereinen, für die ich tätig war“, sagt Zembrod, der nach seiner aktiven Spielerzeit eine beachtliche Trainerkarriere hingelegt hat – im Nachwuchs sowie in der zweiten Reihe.

Förderer des Nachwuchsfußballs

Zembrod war Stützpunktkoordinator in Nordbaden, Co-Trainer der U15-, U16- und U17-Nationalmannschaften, Auswahlcoach im Badischen Fußballverband und trainierte Jugendmannschaften der TSG 1899 Hoffenheim. Beim SC Freiburg war der Linzgauer Trainer der zweiten Mannschaft sowie sportlicher Leiter der Fußballschule.

„In der Jugendausbildung ist der Zeitaufwand größer, man lehrt nicht nur bestimmte Basistechniken auf dem Spielfeld, sondern man gibt auch Werte und Lehren für das Leben mit. Das Entscheidende in der Jugendarbeit für mich war immer, Spieler voranzubringen und niemanden hängen zu lassen“, sagt er über seine Zeit als Talentförderer, ehe ihm der nächste Schritt gelang.

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Zwischen 2014 und 2017 war Zembrod als Teil des Trainerteams von Tayfun Korkut bei Hannover 96, dem 1. FC Kaiserslautern und bei Bayer Leverkusen tätig. Der Werkself blieb Zembrod auch nach Korkuts Aus unter den Cheftrainern Heiko Herrlich und Peter Bosz erhalten. „Ich fühle mich in dieser Rolle absolut wohl“, sagt der Pfullendorfer über seinen Job als Assistent.

„Ich war mein ganzes Leben lang Cheftrainer, dennoch liebe ich die Rolle des Co-Trainers. Man kann sich voll auf die Mannschaft und das Training fokussieren. Als Cheftrainer im Profibereich sind die zusätzlichen Aufgaben nebenher noch umfangreicher, zum Beispiel den Staff delegieren und viele mediale Pflichten wahrnehmen.“

Traumjob beim Spitzenverein

Als sein Vertrag in Leverkusen nicht verlängert wurde, folgte der Linzgauer im vergangenen August, wenige Tage vor Saisonstart, Julian Nagelsmann, mit dem er bereits in der Hoffenheimer Jugend zusammengearbeitet hatte, zu RB Leipzig.

Co-Trainer bei einem Spitzenclub, für Zembrod ein Traumjob? „Ja klar, wenn man bei einem der besten Vereine in Deutschland arbeiten darf, ist das ein Privileg. Dessen bin ich mir bewusst. Man muss aber immer wieder sein eigenes Tun überprüfen, um dem gerecht zu werden“, sagt er.

Xaver Zembrod
Xaver Zembrod | Bild: Roger Petzsche via www.imago-images.de

Auf seinen Chef Nagelsmann angesprochen, gerät der 54-Jährige ins Schwärmen. „Julian ist ein sensationeller Trainer, der brutal viel Vertrauen in sein Trainerteam hat. Er geht gut mit Menschen um, hat Lebensfreude und verliert nie den Spaß“, sagt er.

Nagelsmann sei aber auch ehrgeizig und wisse, worauf es ankommt. „Ich denke, er ist kein Trainertalent mehr, sondern jetzt schon ein brutal guter Trainer“, sagt Zembrod, „und wird einer der besten der Welt, wenn er es nicht schon ist.“

In zwei Wettbewerben gut im Rennen

Die Nummer eins in Deutschland könnten die Leipziger in diesem Jahr werden. Selten war ein Titel für den jungen Verein greifbarer. „Wir sind in beiden Wettbewerben noch dabei und wollen das so lange wie möglich bleiben. Wir verfolgen unsere Ziele ehrgeizig und arbeiten jeden Tag hart und mit der nötigen Gelassenheit daran“, sagt der Co-Trainer des Bundesligazweiten.

Im Halbfinale des DFB-Pokals treffen die Rasenballsportler Ende April auf den Sieger des Duells zwischen Regensburg und Bremen, in der Liga spürt der Rekordmeister aus München den Atem des Verfolgers auch nach zwei Dritteln der Saison noch. In der Vergangenheit war zu diesem Zeitpunkt des Jahres das Meisterrennen nicht selten schon entschieden.

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„Es ist einfach interessant, wenn man nach 26 Spieltagen in Schlagdistanz ist. Das ist ein Zeugnis dafür, dass man 26 Spiele lang gut gearbeitet und es verdient hat“, sagt Zembrod ganz diplomatisch. Eine Kampfansage will er sich nicht entlocken lassen an die personell geschwächten Münchener, bei denen der Weltfußballer und Torschütze vom Dienst, Robert Lewandowski, verletzt fehlen wird.

„Wir haben auch unsere Ausfälle und Abstellungen, dennoch werden wir eine schlagkräftige Mannschaft auf den Platz stellen und Bayern München natürlich auch“, sagt er nur.

Abgeschottet von der Außenwelt

Die Profis bekommen in der Corona-Blase ohnehin wenig mit von der Stimmung rund um das Spitzenspiel. In anderen Jahren wäre solch eine Partie Gesprächsthema Nummer eins. Beim Bäcker, in der Kneipe oder dem Supermarkt.

Doch im April 2021? „Sind wir völlig abgeschottet von der Außenwelt. Ich darf gar nicht einkaufen gehen. Wir reden intern über das Spiel, haben aber darüber hinaus keine externen Kontaktpunkte“, sagt Xaver Zembrod.

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Bei einem nicht ganz ernst gemeinten Blick in die Zukunft muss der 54-Jährige dann doch schmunzeln. Angenommen, Julian Nagelsmann wird im Sommer Nachfolger von Joachim Löw als Bundestrainer: Wird er dann dessen Assistent bei der Nationalelf oder Chef in Leipzig?

„Dann“, sagt Zembrod und lacht, „dann gehe ich in den Ruhestand.“ Wer weiß, vielleicht verabschiedet sich dann ein Pfullendorfer als Deutscher Meister in die frühe Rente.