Die HSG Konstanz (am Ball Tim Bornhauser im Spiel gegen Fürstenfeldbruck) kann im Saisonendspurt wieder vor Zuschauern in der Schänzlehalle spielen.
Die HSG Konstanz (am Ball Tim Bornhauser im Spiel gegen Fürstenfeldbruck) kann im Saisonendspurt wieder vor Zuschauern in der Schänzlehalle spielen. | Bild: Peter Pisa

Daniel Eblen, Trainer des Zweitligisten HSG Konstanz: „Ich bin zuhause viel mit der Betreuung der Kinder beschäftigt, sodass ich diese WM nicht so intensiv wie gewohnt verfolgen kann. An diesem Turnier scheiden sich die Geister. Ich glaube nicht, dass man unter den aktuellen Umständen auf Biegen und Brechen eine WM austragen muss. Man hätte auch aussetzen können, dann wäre beim nächsten Turnier die Vorfreude auf guten Handball umso größer. Da viele Spieler nicht mit dabei sind, ist der sportliche Stellenwert nicht vergleichbar mit Olympia. Auf der anderen Seite könnte dieses Turnier interessant sein, da Spieler sich ins Rampenlicht spielen können, die im Normalfall eher nicht die Chance dafür hätten. Dies trifft auch auf die deutsche Mannschaft zu. Zum Beispiel kennen wir hier in Konstanz Antonio Metzner, der in der vergangenen Saison mit Lübeck noch gegen uns in der zweiten Liga spielte, sehr gut. Wie weit die Deutschen kommen können, ist schwer zu sagen. Ab dem Viertelfinale ist alles möglich. Das Duell gegen Ungarn sollten sie als erstes ernsthaftes Spiel sehen und die Punkte für die Zwischenrunde sammeln.“

Erich Merk, Trainer des TV Ehingen.
Erich Merk, Trainer des TV Ehingen. | Bild: unbekannt

Erich Merk, Trainer des Südbadenligisten TV Ehingen: „Ich verfolge die Weltmeisterschaft sehr intensiv. Ihre Austragung ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite macht es Sinn, um für Präsenz in den Medien zu sorgen. Auf der anderen Seite sehe ich den sportlichen Stellenwert sehr grenzwertig. Einige Nationen spielen nur mit einer B-Mannschaft, zudem führt die Aufstockung auf 32 Nationen dazu, dass sehr deutliche Endergebnisse zustande kommen. Das Chaos, das durch die vielen Corona-Fälle bereits entstanden ist, war aus meiner Sicht mit Ansage. Für mich wäre es verständlich, wenn Spieler oder sogar ganze Mannschaften ihre Konsequenzen aus der aktuellen Lage ziehen und abreisen. Bei der deutschen Mannschaft erwarte ich, dass nach der Absage vieler Leistungsträger Spieler aus der zweiten Reihe mehr Verantwortung übernehmen. Das Spiel gegen Ungarn ist aus meiner Sicht eine Pflichtaufgabe, auch wenn der Einzug in die Zwischenrunde schon sicher ist. Trainer Alfred Gislason leistet gute Arbeit, sodass ich es für möglich halte, dass es im Laufe des Turniers noch das ein oder andere positive Ergebnis geben wird. Deutschland war schon immer eine Turniermannschaft.“

Jonathan Stich, Trainer des TuS Steißlingen.
Jonathan Stich, Trainer des TuS Steißlingen. | Bild: Peter Pisa

Jonathan Stich, Trainer des Oberligisten TuS Steißlingen: „Rein aus sportlichen Gründen hätte ich auf diese Weltmeisterschaft gut verzichten können. Und auch aufgrund der Belastung mancher Spieler wäre eine Absage sinnvoll gewesen. Anderseits sind Großereignisse wie dieses wichtig, um den Stellenwert des Handballs wahren zu können. Jetzt muss man natürlich hoffen, dass es nicht noch zu weiteren Spielabsagen kommt und das Turnier zu Ende gespielt werden kann. Was die deutsche Mannschaft angeht, ist eine Einschätzung enorm schwierig. Die letzten Gegner, Österreich in der EM-Qualifikation und jetzt Uruguay bei der WM, waren nicht gerade die wirklichen Gradmesser. Durch die Absagen von wichtigen Spielern muss Trainer Alfred Gislason viel improvisieren, was aber auch Spannung bedeutet. Ich finde es grundsätzlich gut, frische Gesichter im deutschen Team zu sehen. Ein Vorteil für die deutsche Mannschaft ist, dass wohl niemand von ihr einen Titel erwartet und der Druck vielleicht deshalb nicht ganz so groß ist. Gegen Ungarn erwarte ich auf alle Fälle einen Sieg vom DHB-Team. Und was dann noch herauskommt, werden wir sehen.“