Corona

Natürlich steht das Jahr 2020 auch bei der HSG Konstanz im Zeichen der Corona-Pandemie. Das erste Heimspiel, das in der Saison 2019/20 nicht mehr ausgetragen werden kann, ist der Kracher gegen den Hamburger SV, Champions-League-Sieger von 2013 mit seinem Trainer, dem Weltmeister Torsten Jansen. Auch der Superball fällt erstmals aus.

So bleibt der Auswärtserfolg beim EHV Aue am 6. März für lange Zeit das letzte Spiel des Zweitligisten vom Bodensee. Statt in der Halle um Punkte zu kämpfen, helfen die HSG-Spieler im Frühjahr Bedürftigen beim Einkaufen und halten sich während der Kurzarbeit zuhause individuell fit.

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Nach drei Monaten Stillstand wird Ende Juni endlich wieder am Schänzle trainiert.

„Das war eine unsichere Zeit, in der keiner wusste: Was passiert morgen?“, sagt HSG-Trainer Daniel Eblen im Rückblick, der sich damals freut, endlich wieder mit der Mannschaft arbeiten zu können.

Geisterspiele

„Was nicht passieren darf, sind Geisterspiele, um die Saison irgendwie zu Ende zu führen. Das hätte extrem negative Auswirkungen auf alle Vereine.“ Das sagt HSG-Präsident Otto Eblen Ende März in einem Interview.

Die vergangene Runde wird zwar abgebrochen, sie kommen dann im Herbst in der neuen Saison aber doch, die Geisterspiele. Und die Konstanzer kämpfen tapfer gegen die negativen Auswirkungen an.

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Das erste Testspiel mit Publikum sehen 207 Zuschauer in der Schänzlehalle – zwar ohne Masken, aber mit großem Abstand, so wie es das Hygienekonzept damals vorsieht. Auch die ersten vier Ligaspiele verfolgen einige Fans in den Hallen, ehe seit der Niederlage gegen Lübbecke am 13. November wieder vor leeren Rängen gespielt werden muss.

„Wir sind eine Mannschaft, die von der Emotionalität lebt, weil wir nicht die große Erfahrung oder Einzelkönner haben“, sagt Trainer Daniel Eblen. „Wenn keine Zuschauer in der Halle sind, muss alles aus der Mannschaft selber kommen. Man hat früher vielleicht gar nicht wahrgenommen, wie viel der Einfluss von den Rängen ausmacht.“

Abstiegskampf

Das Ziel der HSG Konstanz ist stets der Verbleib in der 2. Bundesliga. Nach dem Saisonabbruch im Sommer nimmt die Mannschaft von Trainer Eblen diese Hürde am Grünen Tisch.

In dieser Spielzeit folgen nach einem holprigen Start zwei überaus wichtige Heimsiege zum Abschluss des Jahres 2020. Die Konstanzer entwickeln sich dabei zu Spezialisten für spannende Schlussminuten. Zweimal verlieren sie in letzter Sekunde, gegen Hüttenberg erzielen sie quasi mit dem Abpfiff den Ausgleich, gegen Großwallstadt und Emsdetten holen sie im Endspurt Siege.

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„Ich bin jemand, der nicht frühzeitig auf die Tabelle guckt. Wir schauen vielmehr auf die Entwicklung der Mannschaft“, sagt Daniel Eblen.

„Im Angriff tun wir uns immer noch schwer, in der Abwehr haben wir uns gut gemacht. Wir hatten zwei richtig schlechte Spiele, gegen Lübbecke und Dormagen, danach hat uns ein bisschen der Mut nach vorne gefehlt. Dem Gleichgewicht laufen wir noch hinterher.“

Personal

Und täglich grüßt das Murmeltier. Die HSG setzt als Ausbildungsverein auf junge, ausbaufähige Spieler. Und wenn die sich am Schänzle unter der Ägide des dienstältesten Trainers der beiden höchsten deutschen Ligen weiterentwickelt haben, gehen sie meist den nächsten Schritt, wie es heißt.

In schöner Regelmäßigkeit verlassen Leistungsträger den Kader – in diesem Jahr unter anderem der Top-Torschütze Paul Kaletsch sowie Kreisläufer Fabian Wiederstein. Fast immer schaffen Trainer Eblen und Sportchef Andre Melchert es jedoch, adäquaten Ersatz zu bekommen.

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Von Pfadi Winterthur kommen zwei gestandene Spieler: die ziemlich besten Freunde Markus Dangers (Kreis) und Peter Schramm (Rückraum). Außerdem überzeugen in der Hinserie die Youngster Patrick Volz (Linksaußen) und Zugang David Knezevic (linker Rückraum).

„Dass wir es trotz der vielen Ausfälle im Kader so hinbekommen haben, lag im Dezember auch den jungen Spielern“, sagt der Trainer, „neben Patrick und David konnte auch Felix Jaeger wichtige Akzente setzen.“

Traurige Abschiede

Die HSG Konstanz trauert im Jahr 2020 um zwei ehemalige Wegbegleiter. Im Oktober stirbt Adolf Frombach im 80. Lebensjahr. Der gebürtige Rumäne hat die HSG Konstanz als Trainer 2001 erstmals in die 2. Bundesliga geführt.

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Nur einen Monat später müssen die Konstanzer Handballer erneut Abschied nehmen. Der ehemalige Spieler und Trainer sowie Gründungsmitglied der HSG, Hans-Peter (Pit) Fischer, stirbt im Alter von 77 Jahren.

Erfolge

Trotz aller Sorgen und Trauer bleibt das Jahr 2020 das sportlich erfolgreichste in der Vereinsgeschichte der HSG Konstanz.

Neben dem Zweitliga-Klassenerhalt der ersten Mannschaft schafft die Reserve den Aufstieg in die 3. Liga, und die A-Jugend qualifiziert sich erneut für die Nachwuchs-Bundesliga. Gefeiert wird eben ganz Corona-konform vor dem Bildschirm statt zusammen in der Kabine.

Endlich wieder in der Halle: Trainer Daniel Eblen (links) und der Sportliche Leiter Andre Melchert nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020.
Endlich wieder in der Halle: Trainer Daniel Eblen (links) und der Sportliche Leiter Andre Melchert nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020. | Bild: Peter Pisa

Absagen

Zwar wird nach dem Abbruch der vergangenen Saison wieder gespielt, doch oft ist selbst wenige Stunden vor dem Start noch unklar, ob überhaupt angepfiffen werden kann.

Das Spiel in Bietigheim wird Anfang November wegen drei positiver Corona-Tests im Team der Gastgeber abgesagt, auch am zweiten Termin wird nicht gespielt. Dieses Mal wegen eines (später als falsch erkannten) Positivtests in Reihen der Konstanzer. Ende November fällt das Heimspiel gegen Aue aus.

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Besonders deprimierend ist die Fahrt am 1. Weihnachtstag nach Hamm. Die Konstanzer kommen nach sieben Stunden Busfahrt in Westfalen an – und müssen keine 24 Stunden später wegen eines Corona-Verdachtsfalls unverrichteter Dinge wieder heimreisen.

„Klar sind die Ausfälle ärgerlich, aber wir können trotzdem froh sein, durchgekommen zu sein – ohne einen positiven Fall“, sagt Daniel Eblen, der den fehlenden Rhythmus trotzdem spürt: „Nach jedem Spiel, das wir gewonnen haben, ist das nächste ausgefallen. Deshalb haben wir uns vielleicht ein bisschen schwergetan, ins Laufen zu kommen.“

Zukunftsblick

Die Liga-Tabelle gleicht in der WM-Pause im Januar einem Zerrbild. Während Bietigheim erst elf Spiele ausgetragen hat, stehen bei anderen Teams schon 15 Partien in der Bilanz.

Die HSG Konstanz belegt zwar Rang 17 – hat aber nur so viele Minuspunkte wie der Tabellensiebte Dessau-Rosslau. Das macht Hoffnung auf ein erneutes Happy End. Wahrscheinlich macht es die HSG Konstanz aber wieder spannend bis zum Schluss.