Handball, 2. Liga: EHV Aue – HSG Konstanz 27:27 (14:14). - Im ersten Moment war der Jubel noch groß aufseiten der Konstanzer. Wieder hatten sie klasse gekämpft, wieder einen sehr wichtigen Punkt gewonnen. Doch je länger der Abpfiff zurücklag, desto mehr trübte sich alles ein. Ein medizinischer Notfall in den letzten Minuten der Partie auf der Tribüne wurde im Laufe des Abends als Todesfall vom EHV Aue in tiefer Trauer bestätigt. In diesem Moment tritt das sportliche Geschehen in den Hintergrund.

So interessierte auch keinen mehr, ob der Punkt nun ein gewonnener oder verlorenerer war. Die HSG hatte lange mit vier Toren die Nase vorne und mehrmals die Chance auf fünf wegzuziehen – scheiterte aber völlig frei nach einem Durchbruch und völlig frei von außen am eingewechselten EHV-Keeper Erik Töpfer.

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Zehn Paraden, 62,5 Prozent Fangquote verbuchte der Schlussmann für sich und war eine der großen Ursachen für die Wende in einem Spiel, das lange Zeit die Gäste dominiert hatten, die erneut ohne Kapitän und Toptorjäger Tom Wolf, Fabian Schlaich, Moritz Ebert und Fabian Maier-Hasselmann angetreten waren.

„Es war noch extremer als zuletzt. Es haben alle toll gekämpft und wir haben jeden gebraucht. Jeder hat reingeworfen, was er hatte“, sagte HSG-Coach Daniel Eblen, als er noch nichts von den Vorfällen auf der Tribüne ahnte. Wenngleich die ersten acht Minuten den Gastgebern gehörten, die durch Adrian Kammlodt mit 4:2 in Führung gingen, war Konstanz mit dem 4:4 von Markus Dangers zurück.

Frühes Aus für Peter Schramm

Nach der frühen Roten Karte für Peter Schramm (8.) mussten sich die Gelb-Blauen erst einmal schütteln. Inzwischen hatte Aue wieder mit zwei Treffern vorgelegt (10:8). In einem heißen Schlagabtausch ging es nun hin und her. Maximilian Wolf war dann auf Konstanzer Seite mit seinen Paraden einer der Wendepunkte.

Remis zur Pause

Doch erst wurde er beim Siebenmeter im Gesicht getroffen und musste mit blutender Nase vom Feld, dann humpelte der erneut stark aufspielende Felix Jaeger vom Feld und musste die letzten Minuten der ersten Halbzeit von der Bank ansehen. Dennoch ging seine Mannschaft in Führung und erzielte in Person von Matthias Hild mit der Pausensirene das 14:14-Remis.

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Mit einer aggressiven, sehr beweglichen und offensiven Abwehr machte es die HSG dem EHV Aue nach dem Seitenwechsel extrem schwer, zu Abschlüssen zu kommen. Zusätzlich konnte Wolf im Tor mit 32 Prozent abgewehrten Würfen den nötigen Rückhalt geben, sodass die HSG, obwohl sie vor und nach dem 19:23 (44.) etwas leichtfertig mit ihren Möglichkeiten umging, noch fünf Minuten vor Schluss mit 26:24 führte.

Chancen nicht genutzt

„Wir haben es nicht hingekriegt auf fünf wegzuziehen, das hätte vielleicht beim Gegner einen Knacks gegeben“, meinte Eblen und nannte es „die Konstanzer Krankheit, dass wir die ganz klaren Chancen nicht nutzen. Wir haben etwas in der Attacke gezögert.“ Aue kämpfte auf der anderen Seite leidenschaftlich gegen die drohende Niederlage an und war beim 27:26 nahe am Erfolg. 56 Sekunden vor Schluss angelte sich Markus Dangers am Kreis jedoch einen Abpraller und traf zum Ausgleich.

Gedanken sind in Aue

Was folgte, war aufopferungsvolle Abwehrarbeit und dadurch kein Wurf des EHV Aue mehr auf das HSG-Tor, obwohl die Gäste die letzten 24 Sekunden in Unterzahl überstehen mussten. „Wir sind rund 3.400 Kilometer gefahren, haben dreimal bis zur letzten Sekunde gezittert und alles gegeben“, so der 46-Jährige. „Die Jungs haben dreimal einen riesen Aufwand betrieben, das war sehr intensiv.“ Das nächste Spiel findet wieder daheim statt. Am 7. Mai kommt Lübeck nach Konstanz. Die Gedanken sind aktuell aber alle in Aue.