Wie in Zeitlupe segelt der Volleyball durch die Luft. Tim Grozer springt ab. Er holt zum Schmetterball aus. Und jubelt bereits vor dem Schlag. Da brennt nichts mehr an, weiß der 22-jährige Außenangreifer der United Volleys. Sekunden später haben die Gäste aus Frankfurt den VfB Friedrichshafen tatsächlich mit 3:2 (25:23, 25:27, 25:21, 15:25, 16:14) besiegt. Auf dem Feld feiern sie den Einzug ins DVV-Pokalendspiel gegen die Netzhoppers Königs Wusterhausen, die ebenso überraschend Herrsching mit 3:2 schlugen.

Und auf den Rängen? Nichts. Kein Gast darf sich mit den Hessen freuen, kein VfB-Fan ärgert sich über das Pokal-Aus seiner Mannschaft. Nur ein Helfer hatte Ende des dritten Durchgangs „Kämpfen!“ in die leere Arena gebrüllt. Dabei hatten sie ihre neue Heimat schön hergerichtet für die Heimspiele. Vier Stahlrohrtribünen wurden um das Parkett herum errichtet.

Bild: Feiertag, Ingo

Die ZF-Arena, fast 20 Jahre lang die Heimspielstätte des VfB, musste Ende September wegen baulicher Mängel von heute auf morgen geschlossen werden.

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Kurzfristig wurde jedoch die Zeppelin-Cat-Halle 1 als Ersatz gefunden.

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Dort leuchten im Pokal-Halbfinale gegen die United Volleys mehr Lichter an der Decke, als Menschen auf den eingestaubten roten und blauen Schalensitze die Partie verfolgen. Ein schwarzer und ein grauer Vorhang trennen die Riesenhalle, in der das Spielfeld aufgebaut ist.

Fast niemand darf während des spannenden ersten Satzes mitfiebern. Der Fanclub Bluebears ist nur mit einem überdimensionalen Transparent auf einer Tribüne vertreten.

Leere Schalensitze, der Fanclub ist nur auf dem Transparent präsent.
Leere Schalensitze, der Fanclub ist nur auf dem Transparent präsent. | Bild: Feiertag, Ingo

Keiner kann mit einstimmen, als „Mein Block, mein Block“ aus den Boxen wummert, während der Gastgeber sich im zweiten Durchgang eine komfortable 21:17-Führung erspielt, diese aber fast noch aus der Hand gibt (27:25).

Niemand macht mit, als Hallensprecher Frank Zender zu Beginn des dritten Satzes mit dem Mikrofon in der Hand zum Mitklatschen animiert, als wären die Ränge voll besetzt. Manchmal ist es vor den Aufschlägen so leise, dass man die Motoren der Bandenwerbung surren hört. Eine Geisterstimmung, wie zuvor, als die Teams sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit warmgemacht hatten.

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Der dritte Durchgang geht an die Gäste (21:25) mit den Ex-Friedrichshafenern Jakob Günthör, Daniel Malescha und Jochen Schöps, den vierten holt der VfB sich klar mit 25:15. Spätestens jetzt würden die Fans auf der Tribüne toben und ihr Team nach vorne peitschen. Sie hätten gebrüllt, wie die Spieler bei einer vermeintlichen Fehlentscheidung der Schiedsrichter beim Stand von 10:12 im Tiebreak.

Die packende Partie, sie hätte Zuschauer verdient gehabt. Auch wenn dabei vielleicht nach 2:22 Stunden Tim Grozers Jubel beim verwandelten Matchball von den Geräuschen auf der Tribüne verschluckt worden wäre. So ist alles schnell wieder ruhig. Und die Vorhänge in der neuen Halle schließen sich, bis nach der Pandemie endlich wieder Zuschauer zu den Spielen des VfB Friedrichshafen kommen dürfen.

Vorhänge trennen Tribünen und Spielfeld vom Rest der Messehalle ab.
Vorhänge trennen Tribünen und Spielfeld vom Rest der Messehalle ab. | Bild: Feiertag, Ingo