2. Bundesliga: HSG Konstanz – TV Hüttenberg 22:22 (10:13). – Wenige Sekunden sind noch zu spielen in der Partie zwischen der HSG Konstanz und dem TV Hüttenberg. Es steht 21:22 und eigentlich ist klar, was jetzt gleich passiert. Der Ball kommt zu Tom Wolf, Kapitän der Gastgeber, und Mann des Abends. Er macht zwei Schritte und erzielt mit einem wuchtigen Wurf ins linke untere Eck den Treffer zum Ausgleich.

Was folgt, ist der Abpfiff – und schon verschwindet Wolf mit dick bandagierter linker Hand und im Trikot von Joschua Braun in einer gelb-blauen Jubeltraube. Es ist die Pointe eines nicht wirklich hochklassigen, aber hochspannenden Abstiegsduells. Des Spiels von Tom, dem Konstanzer Leit-Wolf.

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Der Reihe nach. Die Gastgeber kommen gut in die Partie. Sie spielen ruhig und ohne große Fehler. „Es war wichtig, dass wir nach den Spielen gegen Lübbecke und Dormagen nicht wieder einem frühen Rückstand hinterherrennen“, sagt Wolf, der im Rückraum den Takt angibt.

4:3 steht es, zwei Siebenmeter hat der 26-Jährige verwandelt, Torhüter Michael Haßferter hat gerade nach einer starken Parade mit einem messerscharfen Pass ein wunderschönes Gegenstoßtor von Samuel Wendel vorbereitet, als das Spiel eine aus HSG-Sicht bittere Wende erfährt.

Jubel nach dem Abpfiff.
Jubel nach dem Abpfiff. | Bild: Peter Pisa

Tom Wolf blockt einen Wurf der Gäste und merkt, dass etwas nicht stimmt. „Es wurde warm an meiner linken Hand und hat dann wie verrückt geblutet“, erinnert er sich an die Szene in der 8. Minute, „mir wurden der Ring- und Mittelfinger auseinandergezogen.“

Wolf läuft kurz zur Bank und dann weiter in die Kabine. „Dann kam auch gleich der Doc dazu“, sagt Wolf, der in den Katakomben mit sechs Stichen genäht und dick bandagiert wird.

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Mit dem Kapitän verschwindet plötzlich auch der Spielfluss der Gastgeber. Ein mageres Törchen erzielt die HSG Konstanz in der folgenden Viertelstunde noch. Sie verfällt in alte Muster, macht zu viele hektische Fehler im Angriff. Der Rhythmus ist weg.

„Wir sind einfach nicht stabil genug im Moment und bringen im Spiel nicht das zusammen, was wir uns im Training erarbeiten“, sagt Trainer Daniel Eblen, „wir haben Phasen, da spielen wir richtig gut. Dann kommt wieder Verunsicherung in die Köpfe. Wir haben zu wenig Leute, die unser Spiel stabil durchbringen, und Tom gehört dazu.“

Schock nach der Verletzung des Kapitäns

Vielleicht sind Wolfs Mitspieler in der Phase auch ein wenig geschockt. Eine Blutlache auf dem Parkett, der wichtigste Spieler rennt mit dem Arzt vom Feld, keiner weiß, was los ist. „Es sah zwar dramatischer aus, als es war, aber das kann schon sein“, sagt Tom Wolf.

Als er eine Viertelstunde später aus der Kabine kommt, liegt seine Mannschaft mit 6:12 (23.) zurück. Der Plan ist, den besten Torschützen erst nach der Pause wieder aufs Feld zu schicken, doch „als ich gesehen habe, dass wir mit sechs Toren hintenliegen, ist sofort das Adrenalin reingeschossen“, sagt Wolf. In einer Auszeit peitscht er das Team an – und kommt tatsächlich zurück. Mit ihrem Anführer verkürzen die Konstanzer bis zur Pause auf 10:13.

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Wolf wird in der Halbzeit nochmals behandelt und spielt bis Mitte der zweiten Hälfte – hauptsächlich in der Offensive. „In der Abwehr ging es gar nicht mehr, da war zu viel Körperkontakt“, sagt Wolf, „nach einer Viertelstunde war Schluss, da hat es wieder voll aus dem Verband rausgeblutet.“ Es steht 17:21 (45.) – und alles sieht nach einem Auswärtssieg der Hessen aus.

Zu viele Fehler machen die Gastgeber, die in der Schlussphase aber auch ohne Tom Wolf und trotz etlicher vergebener Möglichkeiten eine bravouröse Aufholjagd starten. Elf Minuten bleibt die aggressive Konstanzer Abwehr mit dem starken Torwart Haßferter ohne Gegentreffer, ehe der 21:21-Ausgleich gelingt.

Starker Rückhalt: HSG-Torhüter Michael Haßferter.
Starker Rückhalt: HSG-Torhüter Michael Haßferter. | Bild: Peter Pisa

Einmal gehen die Gäste noch in Führung, Tom Wolf sitzt längst im fremden Dress auf der Bank. „Mein Trikot war voller Blut und ich wollte nur noch mal kommen, falls es einen Siebenmeter gibt“, erklärt der Kapitän, „es hat eigentlich keinen Sinn mehr ergeben. Mit der Hand hätte ich nicht mehr spielen können.“

In einer Auszeit entscheiden sich die Konstanzer dann aber doch dafür, ihren besten Mann noch einmal zu bringen. Für diese eine Aktion. Diesen einen Wurf zum 22:22-Endstand.

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„Wir haben uns sehr über den Punkt gefreut. Nach dem 6:12 können wir mit dem sehr wichtigen Zähler leben“, sagt Wolf, der noch nicht weiß, ob er bis zum kommenden Spiel am Samstag in Fürstenfeldbruck wieder fit sein wird. Trainer Daniel Eblen jedenfalls wäre froh über seinen Anführer.

„Es gehört eine Menge Selbstvertrauen dazu, sich den letzten Wurf zu nehmen“, sagt er und lobt seinen Kapitän: „Tom ist zu einem echten Leader geworden, sowohl emotional als auch taktisch.“ Zum Leit-Wolf der HSG Konstanz.

HSG Konstanz: M. Wolf, Haßferter, Ebert (Tor); Stotz, Czako, Fehrenbach (1), T. Wolf (5/3), Dangers (8/1), Krüger, Maier-Hasselmann (2), Beckmann (1), Jud (2), Wendel (2), Volz, Schramm (1), Knezevic.