Zwischen Ultra- und Berglauf sowie Trail-Lauf gibt es einen gewaltigen Unterschied. Diesen bekam Ultra- und Bergläufer Benedikt Hoffmann bei der Golden-Trail-Weltmeisterschaft auf den Azoren zu spüren.

Innerhalb von vier Tagen standen vier Etappen auf dem Programm. Dabei mussten 102,3 knallharte Kilometer, 5605 Höhenmeter aufwärts und etwas weniger Höhenmeter abwärts bewältigt werden. Mit einem gewöhnlichen Lauf auf der Straße oder auf Feldwegen hatte das Rennen nichts zu tun.

Der Stockacher Benedikt Hoffmann auf der ersten Etappe der Golden Trail Championship auf den Azoren.
Der Stockacher Benedikt Hoffmann auf der ersten Etappe der Golden Trail Championship auf den Azoren. | Bild: Jordi Saragossa

Die Golden Trail Championship war zudem außerordentlich gut besetzt. „Ich habe noch nie so viele Weltklasse-Läufer in einem Rennen gesehen“, attestiert Benedikt Hoffmann. „Das hatte sicher auch etwas mit Corona zu tun.“

Hierbei wurde extrem auf die Sicherheit geachtet. Am Start wurde Fieber gemessen, und die Läufer mussten mit Mundschutz loslaufen. Mit dem Amerikaner Jim Walmsley war der amtierende Berglauf-Weltmeister dabei. Francesco Puppi aus Italien, der Berglauf-Vize-Weltmeister, gehörte ebenfalls zu den Favoriten. Am Ende lag allerdings der Pole Bart Przedwojewski ganz vorne, vor Walmsley und dem Franzosen Frederic Tranchand.

Die Strecke führte über Vulkangestein, durch Urwälder, über Wiesen mit unglaublich vielen Löchern und vor allem durch jede Menge Matsch. „Es hatte eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit und es regnete immer wieder, sodass die Strecke komplett aufgeweicht war“, erklärte Benedikt Hoffmann nach dem Rennen.

„Zudem windete es dermaßen, dass die letzte Etappe, die auf den Krater eines Vulkans führte, sogar verkürzt werden musste.“ Der 35-jährige Stockacher brachte es dann auf den Punkt: „Es war manchmal wie ein Survival-Lauf“

Der Stockacher Benedikt Hoffmann auf der zweiten Etappe der Golden Trail Championship auf den Azoren.
Der Stockacher Benedikt Hoffmann auf der zweiten Etappe der Golden Trail Championship auf den Azoren. | Bild: Philipp Reiter

Dennoch kämpfte sich der hauptberufliche Lehrer durch das Gelände. „Bergaufwärts lief es ganz gut“, sagt er. „Und wenn es dann mal so war, dass man gut laufen konnte, ging es eigentlich auch.“

Allerdings hatte er vor allem mit dem knöcheltiefen Matsch, aber auch mit den nicht ganz ungefährlichen Bergab-Passagen so seine Probleme. „Wenn man ganz vorne mitlaufen hätte wollen, hätte man bergab Kopf und Kragen riskieren müssen“, sagte er.

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Trotzdem schlug sich Benedikt Hoffmann mehr als wacker in dem knapp 180 Läufer umfassenden Teilnehmerfeld der Männer. Zum Auftakt gab es einen 25. Platz, aber auf der zweiten Etappe musste der Stocker enorm kämpfen. Nach dem 32. Platz ging es ihm nicht ganz so gut.

„Das war ganz und gar nicht mein Terrain“, sagte er. „Es war unglaublich viel Matsch und bergab kam ich überhaupt nicht zurecht.“ Außerdem sei er etwas zu schnell angegangen und musste am Ende Tribut zollen.

Doch der 35-Jährige bewies seine Hartnäckigkeit und zeigte eine „Jetzt-erst-Recht“-Reaktion. Am Folgetag ließ er es etwas ruhiger angehen und rollte das Feld von hinten auf. Dieses Konzept ging mit Platz 21 voll auf. Am Abschlusstag, der wegen des starken Windes verkürzt werden musste, wiederholte er mit Rang 22 seine gute Leistung und kletterte im Gesamtklassement noch bis auf Platz 23 nach vorne.

„Die Golden Trail Championship auf den Azoren war für mich ein riesiges Abenteuer“, resümierte Benedikt Hoffmann. „Es war für mich technisch das wohl härteste Rennen, das ich jemals mitgelaufen bin.“

Der Stockacher Benedikt Hoffmann auf der vierten Etappe der Golden Trail Championship auf den Azoren.
Der Stockacher Benedikt Hoffmann auf der vierten Etappe der Golden Trail Championship auf den Azoren. | Bild: Philipp Reiter

Vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit und der tiefe Matsch machten dem Stockacher zu schaffen. „Es gibt einige Abschnitte, die man einfach nicht mehr laufen konnte“, erklärt er. „Da musste man sich irgendwie durchwühlen.“

Für die 102,3 Kilometer benötigte Benedikt Hoffmann an den vier Tagen 10:24:25 Stunden.

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