Radsport: Eine beeindruckende Familienleistung des Schweizer Ehepaares Looser prägte den Hegau-Bike-Marathon 2022, der am gestrigen Sonntag mit Start und Ziel am Singener Rathaus stattfand. Zunächst kam Vera Looser nur wenige Sekunden vor der Neuseeländerin Samara Sheppard ins Ziel, und als es an den Zielsprint der Elite-Männer ging hatte Veras Gemahl Konny die Nase vorn. Allerdings hatte die diesjährige Auflage des Hegau-Bike-Marathon weder was das Zuschauerinteresse noch was die aktive Teilnahme angeht das Niveau der Vor-Corona-Jahre. Lediglich knapp 600 Aktive machten sich auf die vier Strecken zwischen 31 km (mit 650 Höhenmetern) und 98 km (2800 Hm).

Der Zuschauerrückgang kann leicht erklärt werden: Früher war der Bike-Marathon im Frühjahr, jetzt waren die Temperaturen doch sehr sommerlich und es fehlten auch die Zuschauermagnete wie Sabine Spitz oder Lokalmatador Tim Böhme, die früher doch viele an die Strecke oder in der Start-/Zielbereich lockten. Die Veranstalter rätseln aber wegen der Zurückhaltung der Aktiven. So waren bei den Elite-Damen lediglich fünf Konkurrentinnen am Start. Bei den Jüngsten, dem U19-Nachwuchs, waren immerhin 30 Radtalente auf der Strecke.

Die zeitgleich stattfindenden deut-schen Radmeisterschaften oder die Trainingsplanung mit Blick auf die Saisonhöhepunkte mögen Gründe sein für die kleinen Teilnehmerfelder bei den Assen, denn immerhin gab es insgesamt über 8000 Euro Preisgeld und wertvolle Punkte für die Weltrangliste in Singen zu gewinnen. So hat eben die Familie Looser ei-nen guten Teil des Preisgeld für sich verbuchen können und Konny Looser, der erst im Ziel erfuhr, dass auch seine Frau ihr Rennen gewonnen hatte, konnte beruhigt feststellen: „Dann muss ich heute zum Glück nicht abspülen!“ Anscheinend gibt es da eine sehr spezielle familieninterne Abmachung.

„Es war sehr heiß heute und nach der ersten Runde waren wir dann zu zweit. Gegen Ende hat Samara an jeder Steigung versucht, mich abzuhängen. Doch ich habe gebissen, um dranzubleiben, denn ich wusste, auf dem letzten Kilometer kommen viele Kurven und technisch bin ich stärker. Daher habe ich dann am letzten Hügel attackiert und dann Vollgas in jeder Kurve bis ins Ziel gegeben!“, beschrieb die Siegern ihre Erfolgstaktik.

Größer war die Leistungsdichte bei den Elite-Männern. Und mit 33 Star-tern war auch das Feld größer. Gegen Ende der ersten Runde hatte sich eine größere Gruppe abgesetzt, in der sich auch der spätere Sieger Konny Looser befand. „Die erste Runde war Taktieren. Ich habe gesehen, dass Simon Schneller von den PS her heute absolut der Schnellste war. Aber ich wusste meine Chance zu nutzen, denn ich kann gut klemmen, aber das Grundtempo kann ich nicht so halten wie der Simon heute, denn ich hatte nicht die allerbesten Beine!“, so der Sieger aus der Schweiz. Nun, für den Sieg im Elite-Rennen und zum Gleichziehen in der Familienwertung haben die Beine ganz offensichtlich gereicht.

Beim Hegau-Bike-Marathon treffen sich aber nicht nur Spitzenfahrer und -fahrerinnen aus der Weltspitze, er hat sich über 20 Jahr zum größten Breiten- und Spitzensportevent entwickelt, auch wenn die Teilnehmerzahlen bei der 19. Auflage zurückgingen. Schnellster von den 77 Finishern über die 80km-Distanz im „Jedermann-Rennen“ wurde Thomas Schwabenthan in 3:15:13 Stunden. Bei den Frauen war Julia Stecher aus Friedrichshafen mit 4:26:17 am schnellsten. Über diese Distanz kamen vier Fahrerinnen ins Ziel.