Seit gut einem Jahr lebt der Konstanzer Kampfsportler Valentin Kocher-Benzing in Thailand. Dort geht der 27-Jährige unbeirrt von allen Rückschlägen und Widrigkeiten seinen Weg Richtung Profi-Thaiboxen. Eine Reality-Fernsehshow soll dabei helfen.

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Die kleine Wellblechhütte mitten im Dschungel, die sein erster Wohnort nach seiner Ankunft in Thailand im März 2020 war, hat Valentin Kocher-Benzing schnell hinter sich gelassen. Sesshaft ist er seitdem noch nicht geworden.

Er ist immer dort, wo ihn das Leben hin verschlägt – mal auf der beliebten Urlaubsinsel Phuket, mal in der Hauptstadt Bangkok. Sein Antrieb ist dabei aber immer der gleiche: Sich als Profi im Land der Thaiboxer weiter zu etablieren.

Corona hat dieses Unterfangen nicht einfacher gemacht. In dem Jahr seit seiner Abreise aus Deutschland bestritt Kocher-Benzing gerade einmal zwei Boxkämpfe. Einen verlor er unglücklich, den anderen gewann er.

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Der vielleicht größte Volltreffer steht ihm allerdings erst noch bevor: Der Deutsche wurde bei der „Underdog Fight Series“, einer Art Reality-Show von Thaiboxern, aufgenommen, die in diesem Monat beginnt. Mindestens vier Wochen lang wird der Konstanzer sechs Tage die Woche von Kameras begleitet, kann dabei sich und seinen Trainingsalltag zeigen und kämpft dabei in einem hochklassig besetzten Turnier um den Underdog-Titel.

Es winken nicht nur 20 000 Dollar Preisgeld, sondern auch eine große Bühne, auf der er sich für Sponsoren empfehlen möchte. Ausgestrahlt wird das Ganze nämlich weltweit bei Amazon Prime. „Ich habe mich riesig gefreut, als meine Bewerbung angenommen wurde. Es ist eine super Chance, meine Geschichte und meine Entwicklung zu zeigen“, erzählt der 27-Jährige.

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Der Titel der Show – Underdog – ist nicht zufällig gewählt. „Dort bekommen Leute eine Chance, die noch nicht den ganz großen Durchbruch hatten, eine besondere Lebensgeschichte erzählen oder mal ganz am Boden waren. Leute mit einem großen Herz“, erklärt Kocher-Benzing.

Schicksalsschläge und Einsamkeit

Damit kann er sich voll identifizieren. Seine Geschichte ist geprägt von Herausforderungen aller Art. „Es ist ein einsamer Weg, den ich gehe. Es ist kein einfacher Job. Wenn ich alleine trainiere, kommt schon manchmal Einsamkeit hoch. Es ist kein einfaches Leben“, erklärt der Konstanzer. „Zudem habe ich oft unglaubliche Schmerzen. Das viele Training ohne klares Ziel ist auch mental nicht immer einfach.“

Dazu kommt, dass vor wenigen Tagen sein Trainer Sangtiennoi verstarb. „Er war wie ein Vater für mich, er hat viel für mich getan. Wir hatten viele Pläne.“ Kocher-Benzing hatte geplant, zur Vorbereitung auf die „Underdog“-Serie zu seinem Trainer nach Pathum Thani bei Bangkok zu reisen. „Das Ticket war schon gebucht“, erzählt er voller Trauer. Nun hat er vorerst weiterhin auf der Insel Ko Samui trainiert, ehe die Dreharbeiten für die TV-Show in Bangkok begannen.

Das letzte Bild von Valentin Kocher-Benzing gemeinsam mit seinem verstorbenen Trainer Sangt Sangtiennoi.
Das letzte Bild von Valentin Kocher-Benzing gemeinsam mit seinem verstorbenen Trainer Sangt Sangtiennoi. | Bild: privat

Für gewöhnlich bleiben ausländische Kämpfer nur ein paar Wochen bis Monate in Thailand, ehe sie genug gesehen haben und wieder nach Hause reisen. Valentin Kocher-Benzing ist hartnäckiger. Seinen Traum kann er nur fernab der Heimat verwirklichen. „Ich möchte mich im Profi-Bereich etablieren und Titel gewinnen, damit ich irgendwann wieder nach Deutschland kommen und internationale Kämpfe bestreiten kann“, sagt er. Dass es ihn aber auch aus persönlichen Gründen nach Hause zieht, verheimlicht er nicht. „Ich will nach Deutschland zurück. Ich vermisse meine Familie und Freunde.“

Eine Rückkehr ist aber zunächst nicht geplant. Zuerst steht die Fernsehshow an. Dort will der Konstanzer den nächsten großen Schritt seiner Karriere machen und zeigen, dass er das Zeug zum Profi-Thaiboxer hat.

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