Handball, 3. Liga: Er ist die Nummer. 33. Der Mann mit dem Zopf. Der knallharte Abwehrchef. Der wurfgewaltige Rückraumakteur. Mit 30 Jahren der Alterspräsident. Der Freundliche von nebenan. Das alles, aber vor allem: Er ist Peter Schramm.

Seit Juni 2020 ist der gebürtige Pfullendorfer bei der HSG Konstanz. Damals nannte Schramm, gekommen vom Schweizer A-Nationalligisten Pfadi Winterthur, den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga als Saisonziel.

Dass dieses nicht erreicht wurde, hat die Konstanzer gewurmt, allen voran auch Schramm, der eine durchwachsene Zeit erlebte. Gleich eine Rote Karte im ersten Spiel, im Saisonverlauf mehrere Verletzungen – es hätte besser laufen können.

Die 2. Liga unterschätzt

Der 30-Jährige gesteht, dass er „das Abenteuer 2. Bundesliga“ unterschätzt habe. „Vor allem die langen Fahrten zu den Auswärtsspielen, das Schlafen im Bus – das war echt hart“, sagt Schramm in der Rückschau. Auf der einen Seite extreme Sportbelastung, auf der anderen zu wenig Regeneration, dazu noch der 70-Prozent-Job im Kantonsspital Winterthur, wo er als Aktivitätsassistent „die Schnittstelle zwischen Physiotherapie und Pflege“ ist, wie er selbst erklärt. „Verletzungen passieren nicht einfach so“, sagt Schramm. Im Fitnessstudio wollte er seinem Körper Gutes tun, bis zu viermal die Woche, „das war vielleicht zu viel“.

Aber längst geht der Blick nach vorne. Am Ende der Drittligasaison will die HSG ein Wörtchen um den Aufstieg mitreden. Der Start war vielversprechend, hoher Sieg in Söflingen, hoher Sieg gegen Oppenweiler/Backnang, das junge Team hat einen starken Eindruck hinterlassen. Und mit ihm auch Peter Schramm, der mit 30 Jahren der älteste Akteur in den Reihen der Blaugelben ist, sich mit dem scherzhaften Titel „Alterspräsident“ aber nicht anfreunden will. „Mit 30 Jahren alt? Das ist schon hart“, sagt Schramm und lacht.

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Dass er eine Vorbildfunktion hat, ist ihm freilich bewusst. „Einige schauen auf mich, weil ich in meiner Karriere schon viel gemacht habe“, weiß Schramm, also will er vorangehen. Gegen Oppenweiler ist ihm das herausragend gelungen – bärenstark in Abwehr und Angriff, sieben Tore und mehrere tolle Assists. Ein Sonderlob von Trainer Jörg Lützelberger gab‘s aber auch dafür, dass er das vom Coach geforderte „Eigenmanagement der Spieler“ perfekt umsetzte.

Volle Pulle auf dem Feld

Obwohl Schramm in der Anfangsphase nach Belieben traf, machte er freiwillig Platz für David Knezevic. Volle Pulle agieren, Erholungszeit nehmen, wieder volle Pulle auf dem Feld – Schramm findet es super, dass Lützelberger die Spieler in dieser Hinsicht fordert, denn: „Nicht immer merkt ein Trainer, wie anstrengend es ist.“ Der erfahrene Schramm hat dabei ein gutes Gefühl, „weil ich David vertraue, er ist ein junger, guter Spieler, der Einsatzzeiten braucht“. Knezevic erzielte vier Tore.

Rosige Perspektiven für die HSG Konstanz. Und für Schramm auch abseits des Handballparketts. „Am 12. Oktober ist Termin“, blickt der Mann voraus, dann werden Peter Schramm und seine Ehefrau Livia erstmals Eltern. Und am 29. Oktober wird Schramm dann 31. Da raten wir zu einem Blick ins HSG-Magazin vom ersten Heimspiel! Dort steht hinter „33 Peter Schramm“ das Geburtsdatum 04.06.1999. Also doch auch ein Jungspund...