Typisch HSG Konstanz. Auf und ab, begeisternde Tore, Fehlpässe zum Kopfschütteln, erst vorne, dann klar zurück, wieder klar vorne und wieder zurück. Und am Ende unentschieden durch einen Siebenmeter in der Schlusssekunde. Am Ende sind Freitagabend nicht nur die Spieler, sondern auch 1400 Zuschauer in der Schänzlehalle wieder einmal geschlaucht.

Schnelle Auszeit von Lützelberger

Die ersten sechs Minuten läuft das Spiel aus Sicht der Einheimischen normal. Zweimal Fynn Beckmann, je einmal Joel Mauch und Lukas Köder, 4:3 für die HSG.

Doch dann gibt es siebeneinhalb Minuten kein weiteres Konstanzer Tor und die Gäste von der Ostsee führen plötzlich mit 8:4. Zeit für eine Auszeit, sagt sich HSG-Trainer Jörg Lützelberger.

Rostock bleibt cool

Seine Anweisungen fruchten zunächst, Tor von Mauch, Tor von Michel Stotz, nur noch 6:8. Doch Ruhe kehrt nicht ein in den Reihen der ganz in Gelb gekleideten Handballer vom Bodensee, im Gegenteil, Rostock bleibt cool und baut den Vorsprung aus. 7:11, 9:13, 10:15, es sieht nicht gut aus für die HSG Konstanz. Die Deckung steht nicht gut und im Angriff landet Wurf um Wurf an Pfosten oder Latte.

Erst in den letzten sechs Minuten vor der Pause kommen die Gastgeber ins Rollen. Torhüter Leon Grabenstein bucht seine fünfte Parade, Lukas Köder, Geburtstagskind Luis Plymford Foege, der jetzt 21 ist, Samuel Wendel und Sebastian Hutecek sorgen dafür, dass zur Halbzeit eine Konstanzer 18:17-Führung von der Anzeigetafel leuchtet.

Das freilich sorgt für Diskussionen. Schon Minuten zuvor hatten die Gäste moniert, dass ein falscher Spielstand angezeigt würde. Die Schiedsrichter, die schon einmal beim Schiedsgericht vorstellig geworden waren, fragen vor dem Gang der Kabine noch einmal nach, aber es bleibt beim 18:17.

Guter Start der HSG Konstanz

Die HSG startet gut in den zweiten Abschnitt, legt schnell auf 20:17 nach. Aber die Sache mit der Ruhe – sie stellt sich nicht ein in den Konstanzer Reihen. Nach 40 Minuten heißt es wieder unentschieden 22:22, kurz darauf sogar 23:2 für Empor Rostock. Doch dann folgt die beste Phase des Lützelberger-Teams. Dreimal Wendel, zweimal Köder und einmal David Knezevic besorgen den 29:26-Vorsprung für die Konstanzer. Die Vorentscheidung?

Mitnichten! Die zähen Meck-Pomm-Handballer geben nicht auf, angetrieben vom überragenden Sveinn Svensson, dem unscheinbaren, fast gedrungenen kleinen Mann mit der Nummer 4 auf dem Rücken, über dessen Körpergröße nicht einmal das HSG-Magazin Auskunft geben kann (k.A., keine Angabe, steht dort), pirscht sich Rostock nicht nur wieder heran, sondern geht dank eines 4:0-Laufs sogar mit 30:29 in Führung. Maßgeblichen Anteil daran hat auch der 1,96 Meter lange Torhüter Robert Wetzel, der erst den glücklosen Leon Mehler ablöst und dann richtig heiß läuft. Zweieinhalb Minuten vor Schluss steht es 30:32, das Schicksal der Konstanzer scheint besiegelt.

Es ist die Atmosphäre, die aus einem „a“ ein „ö“ macht

Scheint, ist es aber nicht. Wie so oft in der Schänzlehalle, in der mal wieder alle Zuschauer stehen. Es ist die Atmosphäre, die aus einem „a“ ein „ö“ macht: Schänzlehölle statt Schänzlehalle.

Dramatischer geht‘s kaum. Samuel Wendel verkürzt mit einem sensationellen Wurf auf 31:32 (58:30). Michel Stotz kassiert eine Zwei-Minuten-Strafe, die sogar Jörg Lützelberger auf die Palme bringt (58:55).

Köder bleibt Sieger beim letzten Wurf!

Doch dann pariert Torhüter Leon Grabenstein den finalen Wurf der Rostocker grandios. Der letzte Angriff der HSG läuft, Niederlage oder wenigstens ein Punkt. Jonas Thümmler steigt 14 Sekunden vor Ende zu hart ein, kassiert ebenfalls eine Zeitstrafe. Die HSG lässt natürlich das Tor verwaist, greift mit sechs gegen fünf Feldspieler an, David Knezevic startet einen beherzten Eins-gegen-Eins-Durchbruch und erhält zurecht den Siebenmeter zugesprochen.

Als Lukas Köder den Ball in die Hand nimmt, sind noch zwei Sekunden übrig. Köder oder Wetzel, Unentschieden oder Sieg Rostock, Himmel oder Hölle für die Konstanzer. Dann kommt der Wurf und der Sieger des Duells heißt: Lukas Köder. 32:32, der Rest ist gelber Freudentaumel.

HSG Konstanz: Grabenstein (7 Paraden), Ebert (3) – Stotz (1), Czako, Foege (5), Michelberger (3), Thomann (1), Mauch (2), Beckmann (2), Wendel (6), Ingenpaß, Köder (8/3), Knezevic (2), Hutecek (2).