Handball, 3. Liga: HSG Konstanz – VfL Günzburg 36:22 (15:12). – Otto Eblen verzieht die Miene, stöhnt leise auf: „Das wird noch schwierig jetzt.“ Der Präsident der HSG Konstanz befürchtet zur Halbzeit, dass sich die Partie gegen den Tabellenvorletzten zu einer zähen Angelegenheit entwickelt. Die Gründe für Eblens Skepsis: Die Konstanzer Handballer waren die ersten 30 Minuten nicht in ihr in der 3. Liga gleichermaßen bekanntes wie gefürchtetes Tempospiel gekommen, Abwehr und Torhüter Leon Grabenstein hatten nicht miteinander harmoniert und zudem Kapitän und Spielmacher Tim Bornhauser in der 26. Minute die rote Karte gesehen für ein Vergehen, das gar keines war. Die 15:12-Führung erscheint dem HSG-Präses deshalb auch nicht gerade als beruhigendes Polster.

Und dann? Kommt alles anders! Ganze acht Minuten braucht das Team von Trainer Jörg Lützelberger, um aus dem vermeintlich dünnen Drei-Tore-Vorsprung eine Zehn-Tore-Führung (25:15) zu machen. Es mag ein wenig martialisch klingen, aber, ja, die HSG-Handballer überrollen den Gegner nun förmlich. Die Günzburger, eine halbe Stunde lang mit einer gut einstudierten 5:1-Deckung am Werk und weit besser als ihr Tabellenplatz, wissen nicht mehr, wie ihnen geschieht. Nach 43 Minuten steht es gar 28:15 und dass danach die restlichen 17 Minuten mit 8:7 abgespult werden, ist völlige Nebensache. Die rund 600 HSG-Fans sind da längst aus dem Häuschen. Nach dem Spiel hören sie zwar kaum, wie die Trainer der beiden Mannschaften das Geschehene bewerten, weil die Mikrofone öfter mal pfeifen und die Akustik in der Schänzlehalle nun auch nicht gerade die allerbeste ist, aber auch das ist egal. Was zählt in diesen Tagen, da in der großen Politik die Metaphern vom schönen Ampelzug und dem entgleisten Jamaikazug Hochkonjunktur haben, ist dies: Der HSG-Zug ist ein Express!

Entsprechend erfreut zollt Präsident Eblen nach Spielschluss seinen Jungs Lob: „Respekt, tolle Leistung, das hatte ich so nicht erwartet.“ Jörg Lützelberger strahlt derweil und ist „stolz darauf, dass die Spieler das gegen die 5:1-Deckung mit verhältnismäßig wenigen Fehlern gelöst haben“. Okay, mit ein bisschen Anlauf, dann aber fulminant, weshalb dem Trainer nicht zu widersprechen ist nach dem Feuerwerk in Halbzeit zwei: „Die Mannschaft hat Spaß gehabt, stabil verteidigt, ist gerannt und hat einen deutlichen Abstand zwischen der 31. und 40. Minute zwischen uns und Günzburg gelegt.“

Korrekt auch Lützelbergers Zwischenbemerkung: „Ein Faktor war die Einwechslung von Maximilian Wolf.“ Während dessen Kollege Leon Grabenstein, oft schon ganz stark in dieser Saison und auch zuletzt in Willstätt, bei den Günzburger Würfen kaum Hand oder Bein an den Ball bringt, liefert Wolf 13 Paraden, was fast zur 50-Prozent-Quote (!) reicht. Lützelbergers Erkenntnis: „Du brauchst zwei gute Torhüter – und die haben wir.“

So ist es – und gut möglich, dass es in den nächsten vier Spielen noch mehr als bisher auf Grabenstein und Wolf ankommt. Zunächst geht es zu unberechenbaren Kornwestheimern (23. Oktober), dann kommen starke Pfullinger (1. November), ehe mit den Partien bei Verfolger Fürstenfeldbruck (13. November) und gegen Balingen-Weilstetten II (19. November) die Hinrunde endet.

HSG Konstanz: Grabenstein (bis zur 18. Minute/8:8/2 Paraden), Wolf (ab 18./13 Paraden/1 Tor) – Stotz (4), Fehrenbach, Czako (8), Hild (4), Mauch (1), Herbel (2/1), Beckmann (3), Braun (6), Bornhauser (2), Timm, Schramm (1), Ingenpaß, Köder (3/3), Knezevic (1). – Zuschauer: 600.