Handball, 3. Liga: HSG Konstanz – SV Kornwestheim 26:25 (12:13). – Mit völlig durchtränkter Kleidung und nassem Haar kam Jörg Lützelberger aus der Kabine Richtung Pressekonferenz. Die Flüssigkeit war deutlich am Geruch zu erkennen: die Bierdusche hatte den HSG-Coach gnadenlos erwischt. „Da sieht man, wie naiv ich als junger Trainer manchmal noch bin“, lachte er. „Ich versuche immer auf alles vorbereitet zu sein, aber das habe ich nicht kommen sehen. Ich dachte, wir stoßen an…“ Die Stimmung nach dem hart erkämpften 26:25-Sieg gegen den bisherigen Tabellenvierten war ausgelassen. Dabei boten die beiden Mannschaften vor stimmungsvoller Kulisse den begeistert mitgehenden Fans nochmal alles, was Handball zu bieten hat.

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Von der ersten Sekunde an ging es richtig zur Sache. Es war intensiv, körperbetont und sehr umkämpft. Vor allem mit der aggressiven Deckung stellte Kornwestheim die Gastgeber vor große Aufgaben, die nicht den nötigen Druck entfalten konnten, um den massiven Riegel zu knacken. Dazu kam eine ungewohnte Schwäche im Abschuss und einige technische Fehler. Nach 20 Minuten lag Kornwestheim mit 10:7 vorne.

Belebung nach der Auszeit

Eine deutliche Belebung kam nach der frühen Auszeit von Jörg Lützelberger und der Hereinnahme von Joel Mauch auf der Spielmacherpostion in die Partie. Das HSG-Eigengewächs nahm das Zepter in die Hand und fand mit seiner Geschwindigkeit die Lücken in der Abwehr des Drittliga-Meisters von 2018. So kämpfte sich Konstanz aufgrund sowohl einer gut funktionierenden 6:0-Abwehr als auch einer guten 3:2:1-Deckung in das Match und hatte in der zweiten Hälfte, als Kornwestheim erneut mit drei Toren führte, in Maximilian Wolf einen starken Rückhalt.

Nichts für schwache Nerven

Die letzten zehn Minuten waren dann nichts für schwache Nerven. Konstanz musste in doppelter Unterzahl agieren und Ex-Bundesligaprofi Peter Jungwirth verkürzte auf 23:24 aus Kornwestheimer Sicht. Längst hielt es keinen mehr in der Halle auf den Sitzen. Als dann auch noch Joel Mauch rund zweieinhalb Minuten vor dem Ende mit einer Zeitstrafe vom Feld musste, ergriffen die Salamander die Gelegenheit. Wieder Jungwirth und Marvin Flügel stellten auf 25:25. Lützelberger nahm 17 Sekunden vor dem Ende die Auszeit – bei angedrohtem passivem Spiel durch die Schiedsrichter. Nach Wiederanpfiff blieb den Gastgebern nur noch ein Pass, der kam zu Joschua Braun. Der Linkshänder hämmerte den Ball aus zehn Metern in den Giebel – 26:25. Sofort folgte das Timeout von Schurr. Sechs Sekunden für den letzten Angriff. Kornwestheim suchte und fand Toptorjäger Kazmeier. Der zog ab, aber Stotz und Michelberger verhinderten mit dem Block den Einschlag.

Anschließend spielten sich wilde Szenen in der Schänzlehalle ab. 800 Fans waren außer Rand und Band, die Spieler, die wild durch die Halle rannten und ihren Emotionen freien Lauf ließen sowieso.

HSG Konstanz: Wolf, Grabenstein, Ebert (Tor), Stotz, Czako (2/1), Michelberger (2), Hild (2), Mauch (6), Beckmann (5), Braun (4), Bornhauser (1), Timm, Wendel (2), Ingenpaß, Köder (2/1), Knezevic. – Z: 800.