Seit etwas mehr als drei Monaten liegt der Spielbetrieb im Südbadischen Fußballverband (SBFV) wegen der Corona-Pandemie auf Eis. Seither machen sich Fußballer, Funktionäre und Fans viele Gedanken, wann und wie es im Amateurfußball weiter geht.

Am Samstag um 11 Uhr geht es los

Das „Wann“ bleibt vorerst offen. Darüber entscheiden in erster Linie der Pandemie-Verlauf und danach die Politik. Über das „Wie“ entscheiden am Samstag ab 11 Uhr die Delegierten der Verbände in Baden-Württemberg.

In parallelen und erstmals virtuellen Verbandstagen soll der endgültige Abbruch der Saison 2019/20 beschlossen werden. Das ist zumindest der Wille der Verbandsführungen in Südbaden, Baden und Württemberg, die vor allem im Hinblick auf die gemeinsame Oberliga auf eine einheitliche Lösung drängen.

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In einem wesentlichen Punkt weicht der Antrag der Verbände allerdings vom Wunsch zahlreicher Vereine ab. In Südbaden fordern allein 28 Clubs, darunter der Bodensee-Bezirksligist Türkischer SV Singen, dass gemeinsam mit dem „Corona-Meister“, der per Quotientenregelung ermittelt wird, auch jene Vereine aufsteigen dürfen, die den so genannten Relegationsplatz belegen. In abgeschwächter Form beantragt zudem Landesligist SV 08 Laufenburg, den Sieger einer Relegationsrunde ebenfalls per Quote auszuwählen.

Hier geht's zum konkreten Antrag

Pikanterweise wären die Laufenburger der Nutznießer einer solchen Regelung und könnten dann den Durchmarsch aus der Bezirks- in die Verbandsliga „feiern“. Auch wenn dieser Antrag nicht explizit so formuliert sei, würde diese Regelung – bei Zustimmung der 232 Delegierten – auf alle südbadischen Spielklassen angewendet, betont SBFV-Pressesprecher Thorsten Kratzner.

SBFV-Pressesprecher Thorsten Kratzner.
SBFV-Pressesprecher Thorsten Kratzner. | Bild: SBFV

Mit dem Vorstand und der Geschäftsleitung brachte Kratzner den dritten außerordentlichen Verbandstag in der SBFV-Geschichte auf den Weg. Neben der Formulierung der Satzungsänderungen und Anträge stand er auch vor einer technischen Herausforderung. Schließlich sitzen die Delegierten nicht gemeinsam in einer Halle, sondern zu Hause an den Rechnern. Dort sind sie dem SBFV-Vorstand, der in einem Studio in Emmendingen sitzt, zugeschaltet. Die Tagung wird live über den Youtube-Kanal des SBFV übertragen.

Zuerst Satzungsänderungen

Zunächst stimmen die Delegierten über alle, der Corona-Situation geschuldeten, Satzungsänderungen ab, ehe es ans Eingemachte geht. Im wesentlichen sind die Anträge von Verband und Vereinen deckungsgleich, was den Wunsch nach Abbruch der Saison zum 30. Juni und Wertung per Quotient angeht.

Offen sei, so Kratzner, welchen Antrag der Sitzungsleiter zuerst vorlegt: „Vermutlich der Umfangreichste.“ Da der Antrag der 28 Clubs ein Aufstiegsrecht für Relegations-Vereine vorsieht, dürfte darüber zuerst abgestimmt werden. Findet dieses Ansinnen keine Mehrheit, steht der Antrag des SV 08 Laufenburg zu Wahl. Bei erneuter Ablehnung läuft es auf die SBFV-Variante hinaus.

„Kein Aufstiegsrecht“

Nach wie vor ist die SBFV-Spitze der Ansicht, dass sich aus einem Relegationsplatz kein „Aufstiegsrecht“ ableiten lasse, lediglich eine Chance. Dass die „Laufenburger Lösung“ beim Aufstieg des Vizemeisters KSV Hessen Kassel als Quotenbester in die Regionalliga Südwest angewendet wird, sei kein Widerspruch: „Für diese Spielklassen gibt es vertragliche Vereinbarungen, die auf unsere Spielklassen nicht übertragbar sind“, betont Thorsten Kratzner.

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Welche Konsequenz ein Ergebnis hat, das nicht mit Württemberg und Baden übereinstimmt, lässt Kratzner offen: „Wegen des Aufstiegs der Verbandsligisten in die Oberliga müssen wir dann eine Lösung finden. Dass nur der Vizemeister aus Südbaden aufsteigt, wird es nicht geben.“ Realistisch ist das Szenario durchaus: Beim WFV-Verbandstag wird nur über den gemeinsamen Beschlussvorschlag abgestimmt. Den Wunsch von 34 Vereinen, darin das Aufstiegsrecht für die Tabellenzweiten aufzunehmen, lehnte der WFV-Vorstand ab.

Lösungen im Pokal gesucht

Unabhängig von den Partnerverbänden wird über den Pokalspielbetrieb entschieden. Hier schlägt der SBFV vor, die Wettbewerbe im Rothaus-Bezirkspokal ersatzlos abzubrechen. Unter den neun noch verbliebenen Mannschaften im Bezirk Bodensee müsste man einen direkten Teilnehmer an der ersten Hauptrunde des Verbandspokals per Los ermitteln und drei Teams, die sich in der Qualifikationsrunde bewähren müssten.

Losentscheid wegen DFB-Pokal?

Sollte der SBFV-Rothauspokal nicht zu Ende gespielt werden können, werde der Teilnehmer am DFB-Pokal 2020/21 per Los bestimmt. Darauf hätten sich Verband und Halbfinalisten geeinigt: „Gemeinsam streben wir eine solidarische Lösung an, die drei verbleibenden Vereine finanziell etwas zu entschädigen“, berichtet Kratzner von guten Gesprächen zu diesem Thema.

So ist die Lage in den anderen 18 Landesverbänden im Amateurfußball

Der deutsche Amateurfußball schreibt den Föderalismus größer als die Politik. Gibt diese sich mit 16 Bundesländern und Stadtstaaten zufrieden, sind unterhalb des Deutschen Fußballbundes in den fünf Regionalverbänden (Nord, Nordost, West, Südwest und Süd) insgesamt 21 Landesverbände organisiert. Jeder Landesverband hat eine eigene Satzung, was sich derzeit in den teilweise sehr unterschiedlichen Abstimmungen zur Zukunft des Spielbetriebs verdeutlicht:

  • Badischer Fußballverband: Einvernehmlich mit den Verbänden Württemberg und Südbaden soll der Verbandstag am Samstag, 20. Juni, den Abbruch der Saison 2019/20 beschließen. Kein Abstieg; Aufstieg für Tabellenführer nach Quotientenregelung.
  • Bayerischer Fußballverband: Junioren brechen Saison 2019/20 ab, starten voraussichtlich im September in die neue Runde. Aktive und Juniorinnen setzen zum Zeitpunkt die Saison bis Sommer 2021 fort. Das Spieljahr 2020/21 entfällt.
  • Berliner Fußballverband: Verbandstag am 20. Juni soll Abbruch ohne Abstieg beschließen. Drei Wertungen stehen zur Wahl: a. Annullierung der Saison 2019/20; b. Vorrunden-Tabelle; c. Aktuelle Tabelle (Quotientenregel). In den Fällen b und c steigen Tabellenführer und Relegationsteilnehmer auf.
  • Bremer Fußballverband: Verbandstag hat am 4. Juni den Saisonabbruch ohne Abstieg beschlossen. Aufstieg für Tabellenführer. Ausnahme: In die Bremenliga steigen die ersten drei Landesligisten auf.
  • Fußballverband Brandenburg: Vorstand beschließt Abbruch ohne Abstieg. Tabellenführer steigen auf, über Härtefälle entscheidet der Verband.
  • Hamburger Fußballverband: Verbandstag am Montag, 22. Juni, soll dem von 84 Prozent der Vereine gewünschten Abbruch zustimmen. Aufstieg nach Quotientenregelung; „Abstieg nach Wunsch“ für Clubs auf Abstiegsplätzen.
  • Hessischer Fußballverband: Verbandstag soll am Samstag, 20. Juni, Abbruch ohne Abstieg beschließen. Quoten-Wertung, Aufstieg: Tabellenführer und Relegations-Teilnehmer.
  • Fußballverband Mecklenburg-Vorpommern: Vorstand entscheidet sich für Abbruch – ohne Meister, nur Staffelsieger (mit Aufstiegsrecht). Kein Abstieg.
  • Fußballverband Mittelrhein: Vereine stimmen mit 50,14:49,86 Prozent für Saison-Fortsetzung. Verband plädiert beim Verbandstag, am Sonntag, 21. Juni, für Abbruch mit Aufstieg für Tabellenführer und ohne Abstieg.
  • Fußballverband Niederrhein: Vereine sollen beim Verbandstag am Mittwoch, 24. Juni, den Abbruch (ohne Abstieg) beschließen. Aufstieg: Tabellenführer, Relegationsteilnehmer und die Herbstmeister.
  • Niedersächsischer Fußballverband: Vereine und Verband für Abbruch, Verbandstag am Samstag, 27. Juni. Aufstieg für Tabellenführer und Relegationsteilnehmer, kein Abstieg.
  • Fußballverband Rheinland: Beirat wie Vereine stimmen für Abbruch ohne Abstieg. Aufstieg für Tabellenführer und punktgleiche Zweite.
  • Saarländischer Fußballverband: Verbandstag am 9. Juni beschließt Abbruch nach Quotientenregel. Tabellenführer steigen auf, Vereine auf Abstiegsplätzen steigen ab.
  • Fußballverband Sachsen-Anhalt: Verbandstag hat am Freitag, 12. Juni, Abbruch ohne Absteiger beschlossen. Tabellenführer steigen auf; Zweitplatzierte nur, wenn sie wegen der Quote nicht auf Rang eins stehen.
  • Sächsischer Fußballverband: Präsidium beschließt Abbruch ohne Abstieg. Alle Tabellenführer (Quote) steigen auf.
  • Schleswig-Holsteinischer Fußballverband: Präsidium beschließt Abbruch ohne Abstieg. Tabellenführer und Tabellenzweiter steigen auf.
  • Südbadischer Fußballverband: Gleich lautender Antrag wie Badischer und Württembergischer Fußballverband.
  • Südwestdeutscher Fußballverband: Präsidium beschließt nach Umfrage unter den Vereinen (80 Prozent Zustimmung) den Abbruch ohne Absteiger. Aufstieg für Tabellenführer und Relegationsteilnehmer.
  • Thüringer Fußballverband: Abbruch der Saison 2019/20 im Nachwuchsfußball. Vereine zu 58 Prozent für Fortsetzung der Saison 2019/20 bei den Aktiven, möglichst ab 1. September.
  • Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen: Vereine beschließen im schriftlichen Umlaufverfahren am 8. Juni den Abbruch der Saison. Aufstieg für Tabellenführer bei Abbruch und Herbstmeister. Kein Abstieg.
  • Württembergischer Fußballverband: Gleich lautender Antrag wie Badischer und Südbadischer Fußballverband. (gru)