Handball, 2. Bundesliga: HSG Konstanz – TuSEM Essen (Samstag, 20 Uhr, Schänzlehalle). Manche Dinge sind zu komplex, als dass es dafür die eine Erklärung geben könnte. Oder überhaupt eine. Die menschliche Psyche gehört dazu. Das Momentum und das Auftreten von Mannschaften im Sport ebenfalls.

Starke Leistung gegen Hüttenberg

Innerhalb weniger Wochen tritt die HSG Konstanz in der 2. Handball-Bundesliga völlig verändert auf. In den ersten Spielen noch chancenlos, auf der Suche nach der Form der Vorsaison – vor allem dem dort gezeigten Selbstvertrauen – sind nun plötzlich alle Knoten geplatzt. Gegen Dresden fehlte nur ein wenig mehr Glück zum doppelten Punktgewinn, der dann gegen Lübeck souverän erspielt wurde und nun in Hüttenberg, beim Vierten der letzten Saison, mit einem ebenso verdienten 28:26-Auswärtssieg bestätigt wurde.

In der Erklärung für diesen Wandel tut sich selbst Jörg Lützelberger schwer. Wichtig ist dem HSG-Coach, dass „wir den TuSEM Essen mit ganz viel Demut und einem ganz großen Wunsch zum nächsten großen Kampf erwarten. Ich kann nur meine Spieler und Fans dazu auffordern, die Erwartungshaltung weiter sehr realistisch anzusetzen und zu sehen, gegen wen wir hier tatsächlich antreten und woher wir kommen.“

„Unseren Fans wollen wir immer eine Mannschaft zeigen, die sich aufopfert, kämpft, läuft und zusammensteht.“
Jörg Lützelberger, HSG-Coach

Als Aufsteiger, der die Herausforderung 2. Bundesliga mit dem zweitjüngsten Kader der Liga und einem Umbruch im Kader anging, und dafür zunächst einiges an Geduld aufbringen musste. „Es wird so sein, dass wir in dieser Liga überhaupt nichts müssen“, so der 37-Jährige weiter.

„Aber den großen Willen, den wir an den Tag gelegt haben, werden wir auch am Samstag wieder auf die Platte bringen. Unseren Fans wollen wir immer eine Mannschaft zeigen, die sich aufopfert, kämpft, läuft und zusammensteht.“ Neue Kraft durch zurückerlangtes Selbstvertrauen also.

Konstellationen sollen gut zusammenspielen

Doch woher kommt das so plötzlich? Lützelberger führt dafür einige Punkte ins Feld. So hatte er mit seinem Trainerteam das Setup und die Rotation in der Länderspielpause noch einmal angepasst. „Wir haben geschaut, welche Konstellationen gut miteinander zusammenspielen“, erklärt er.

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Die Kreisläufer und Spieler des linken Rückraums haben sich in neuen Paaren für den Innenblock gefunden und das „gut gemacht. Trotz sehr weniger Trainingseinheiten nach dem kurzfristigen Wechsel von Peter Schramm.“

Dazu hatte er überprüft, welchen Spielern welche Aufgaben am besten liegen. Seine Erkenntnis: „Wir haben den einen oder anderen zu Saisonbeginn vielleicht in Aufgaben gebracht, die zu früh waren. Man könnte sagen, ich habe meine neue Mannschaft kennengelernt und gute Rotationen gefunden.“

Den Fortschritt gilt es nun gegen einen Traditionsverein unter Beweis zu stellen. Dreimal deutscher Meister, dreimal Pokalsieger, dreimal Europapokalsieger, dazu 14 Teilnahmen am Europapokal stehen in den Annalen. Noch 2020/21 spielte der TuSEM in der 1. Bundesliga und steht – nach insgesamt 31 Spielzeiten in Handball-Oberhaus – auf Rang neun der ewigen Tabelle.

Eine ganz interessante Geschichte

Für Kreisläufer Niklas Ingenpaß wird es zu einem Wiedersehen mit seinem Ex-Klub kommen, umgekehrt kehren mit Markus Dangers und Felix Klingler zwei Ex-Konstanzer an ihre alte Wirkungsstätte zurück, die in Essen nun zentrale Leistungsträger sind. Der Ex-Bundesligist setzt auf eine harte, kompakte 6:0-Deckung und „weiß wie Tempo geht“, so Lützelberger, der auch eine Essener Vergangenheit hat – er spielte 2008 bis zur Insolvenz für den TuSEM.

„Das wird eine ganz interessante Geschichte“, blickt der Konstanzer Coach nun auf das Hier und Jetzt, denn: „Viel Talent bei beiden Teams auf der Platte, es kann sehr schnell werden und wir müssen sehr schnell angreifen respektive zurücklaufen. Wir freuen uns, gegen den nächsten Dino des deutschen Handballs vor unseren eigenen Fans antreten zu dürfen.“