2. Bundesliga: HSG Konstanz – Wilhelmshavener HV 28:29 (12:8). – Das sommerliche Wetter mag seinen Beitrag geleistet haben, doch kaum waren nach ewig langen sechs Monaten wieder Zuschauer am Schänzle zugelassen, schon wurde aus der Halle am Seerhein die gefürchtete Hölle. Bullenhitze inklusive.

Ein Konstanzer präsentierte sich beim Aufwärmen (!) besonders cool. Kapitän Tom Wolf bereitete sich in langer Hose und Sweatshirt auf sein drittletztes Heimspiel im Dress der HSG Konstanz vor. Als stünde nicht das wichtige Kellerduell gegen den Wilhelmshavener HV auf dem Programm, sondern eine winterliche Wanderung in Norwegen.

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Die negativ getesteten 250 Fans auf der Tribüne schwitzten derweil, als sie mit Sicherheitsabstand ihre blauen und gelben Fahnen schwenkten und versuchten, unter ihren Masken Luft zu bekommen.

Sie sahen eine heiße Anfangsphase, die schwer umkämpft war. Nur: Viele Tore bekamen sie nicht geboten nach der langen Abstinenz. Beide Deckungsreihen standen sicher und ließen nicht viel zu.

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Nach elf Minuten waren gerade einmal drei Treffer gefallen. Die Gastgeber führten – auch dank ihrer guten offensiven Abwehr – mit 2:1. Vorne taten sich die Konstanzer ohne ihre angeschlagenen Spielmacher dagegen schwer.

Tom Wolf und Tim Bornhauser sahen zunächst von der Bank aus, wie ihre Kollegen immer wieder an WHV-Torhüter Levin Stasch scheiterten. Oder sie fanden selbst in dem 27-Jährigen ihren Meister, wie Wolf bei einem Siebenmeter (13.).

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So ging es lange weiter – Kopf an Kopf mit starken Deckungsreihen und dementsprechend wenigen Toren. Da war es nur folgerichtig, dass die Stimmung nach einer gelungenen Abwehraktion richtig hochkochte.

Nach einem Ballverlust kämpfte sich HSG-Kreisläufer Markus Dangers neun Meter vor dem gegnerischen Tor den Ball – und traf zum 4:4. Zum Glück für die Konstanzer, deren eigener Kasten in Unterzahl verwaist war.

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Wenig später wurde sogar vorne gezaubert. Der eingewechselte Bornhauser schickte einen No-Look-Pass zu Patrick Volz, der von Linksaußen das 5:5 erzielte. Die HSG lief lange einem Ein-Tor-Rückstand hinterher, ließ sich aber nicht abhängen.

Die Abwehr weiter ein Bollwerk, drehten die Hausherren nach 20 Minuten richtig auf. Zwei Würfe ins leere Gästetor, ein Kraftakt von Joschua Braun und ein gefühlvoller Dangers-Heber nach Vorarbeit von Tom Wolf – und aus einem 6:6 wurde eine 10:6-Führung.

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Auch zwei Auszeiten des WHV binnen weniger Minuten stoppten die Mannschaft von Trainer Daniel Eblen nicht, die jeden Fehler der Norddeutschen bestrafte und einen 12:8-Vorsprung mit in die Pause nahm.

„Wir werden uns auf richtig Attacke gefasst machen. Das wird schwer zu verteidigen“, hatte Eblen vor der Partie gesagt – und in den ersten 30 Minuten ließ sein Team diese harte Arbeit zeitweise richtig leicht aussehen.

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Im zweiten Abschnitt schienen die beiden Teams all das aufholen zu wollen, was sie zu Beginn in Sachen Toren vermissen ließen. Fast jeder Wurf landete zwischen den Pfosten.

Als Routinier Fabian Schlaich erst bei Zeitspiel aus neun Metern zum 17:13 (37.) traf und im Gegenzug ein Stürmerfoul zog, hielt es die Zuschauer nicht mehr auf ihren Sitzen. Die Fans spürten, wann sie gebraucht waren.

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Auch in doppelter Unterzahl, die Konstanz überstand. Auch beim einen oder anderen strittigen Pfiff. Die Zuschauer gaben alles, die Spieler gaben alles. Immer wieder traf nun Markus Dangers vom Kreis, in Szene gesetzt von Tom Wolf oder Peter Schramm.

Die HSG Konstanz führte mit fünf Toren Vorsprung und hätte den Sack längst zumachen können, stattdessen brachten die Gastgeber den nie aufsteckenden Tabellennachbarn in der Schlussviertelstunde durch leichtfertige Fehler wieder ins Spiel. Die zuvor so sichere Abwehr offenbarte nun große Löcher und vorne flatterten die Nerven – wieder einmal.

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So bekamen die 250 Zuschauer am Schänzle einen Krimi zu sehen, in dem Konstanz knapp vorne lag. noch. Als die Führung sechs Minuten vor Schluss auf ein Tor geschrumpft war, standen sie wieder, die Fans (26:25). Dieses Mal vergebens.

Der WHV glich nach einem weiteren Konstanzer Fehlpass erstmals seit langem wieder aus. Und es sollte noch schlimmer kommen aus Sicht der HSG. Lange sah sie wie der sichere Sieger aus, doch am Ende scheiterten die Konstanzer zweimal am WHV-Keeper, während die eigenen Torhüter überhaupt nicht im Spiel waren. Am Ende feierten die Gäste beim 28:29 zwei wichtige Punkte im Abstiegskampf. In diesem hitzigen Spiel in einer Schänzle-Hölle, die ihrem Namen wieder einmal alle Ehre machte.

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HSG Konstanz: M. Wolf, Haßferter (Tor); Stotz, Schlaich (1), Czako, Jaeger (1), Hild (3), T. Wolf (2), Dangers (10), Krüger, Beckmann, Braun (3), Bornhauser, Volz (6/4), Schramm (2), Knezevic. – Z: 250.