Fußball: Mit jungen Menschen zu arbeiten, hält jung, heißt es. Wenn man Rolf Dietrich ansieht, ist man geneigt, der Floskel Glauben zu schenken. Schlank, drahtig und topfit wirkt er, trotz der 62 Jahre, die er inzwischen auf dem Tacho hat. Ob die Arbeit in der Fördergruppe des FC 03 Radolfzell tatsächlich Dietrichs Jungbrunnen ist, sei dahingestellt. Wenn er von den jungen Fußballern redet, die er zusammen mit Dominik Krall einmal in der Woche trainiert, spürt man aber auf alle Fälle, dass dies kein x-beliebiger Nebenjob für ihn ist, sondern Herzenssache. „Es macht viel Freude, mit den Jungs zu arbeiten. Das gibt mir unglaublich viel“, sagt Dietrich.

Viel Lob für SC Freiburg

Seit zehn Jahren gibt es die Kooperation des FC 03 Radolfzell mit dem SC Freiburg, aus der schnell die Fördergruppe entsprang. Da die Schwarzwälder auf der Suche nach Talenten im nahen Umfeld nicht das gleiche Potenzial vorfinden wie Clubs aus Ballungszentren, werden die Fühler eben etwas weiter ausgestreckt. Auch bis an den Bodensee. Talente zu fördern, ihnen im besten Fall den Sprung in die Höherklassigkeit zu ermöglichen, das ist der Auftrag von Rolf Dietrich und seinem Partner Dominik Krall. „Es ist ein angenehmes Arbeiten mit dem SC“, sagt Dietrich über den Bundesliga-Club, „wir sind immer auf Augenhöhe, obwohl der FC 03 Radolfzell ein Amateurverein ist.“

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Rund 70 junge Spieler umfasst die Fördergruppe, alle zwischen zehn und dreizehn Jahren. „Das goldene Lernalter“, wie Rolf Dietrich glaubt. „Die Jungs lernen rasend schnell, das macht unglaublich viel Spaß“, meint Dominik Krall (29), der auch Sportlicher Leiter Jugend beim Club von der Mettnau ist und Dietrich seit neun Jahren unterstützt. „Das passt bei uns perfekt. Manche Ehen halten nicht so lange“, meint Krall über die Zusammenarbeit. Und auch Dietrich lobt seinen Partner: „Dominik ist ein Organisationstalent und total fit am Computer. Das entlastet mich sehr.“

Hallentraining wegen Technik

Einmal in der Woche haben die beiden einen Teil der Fördergruppe um sich. Nicht nur Nachwuchsspieler des FC 03 Radolfzell sind darunter, sondern auch viele Talente aus anderen Vereinen des Bezirk Bodensee, zu denen Krall und Dietrich „einen sehr guten Draht haben“. Eineinhalb Stunden haben sie dann Zeit, mit den Spielern zu arbeiten, Dinge zu trainieren, die im normalen Vereinstraining manchmal zu kurz kommen. „Die Technik steht bei uns im Fokus“, erklärt Krall, „deshalb sind wir auch das ganze Jahr über in der Halle. Die verzeiht keine Fehler am Ball. Außerdem sind wir da nicht vom Wetter abhängig und haben immer die gleichen Bedingungen.“

Kein Druck, sondern Spaß!

In kleinen Gruppen trainieren die Talente viele Spielformen, wird schnelles Reagieren unter Zeitdruck geübt. Dieser Druck ist aber der einzige, der auf die Spieler ausgeübt wird. „Bei uns geht es um den Kern des Fußballs – den Spaß an diesem Sport“, sagt Rolf Dietrich, „Wir müssen die Jungs motivieren, aber auch mal trösten, wenn es nicht so läuft. Druck ist in der Jugendarbeit völlig fehl am Platz“. Den machen manchmal andere. „Es gab schon Eltern, die nach ein, zwei Jahren nachgefragt haben, wo denn der Profivertrag vom Junior bleibe“, erzählt Dominik Krall. „Das ist aber überhaupt nicht unser Ziel. Wir wollen gute Spieler besser machen. Es ist für uns schon eine Bestätigung, wenn junge Spieler wie beispielsweise Marc Zimmermann sich nach der Zeit bei uns später bei den Aktiven in der Verbandsliga durchsetzen.“

Die Talente aus der Fördergruppe, die seit 2019 zum SC Freiburg gewechselt sind: (oben, von links) Julian Merk und Rouven Tarnutzer; (Mitte, von links) Berkay Yilmaz, Simon Tisch-Rottensteiner und Pascal Bleise; (unten, von links) Matthes Glück, Marek Bleise und David Schopper.
Die Talente aus der Fördergruppe, die seit 2019 zum SC Freiburg gewechselt sind: (oben, von links) Julian Merk und Rouven Tarnutzer; (Mitte, von links) Berkay Yilmaz, Simon Tisch-Rottensteiner und Pascal Bleise; (unten, von links) Matthes Glück, Marek Bleise und David Schopper. | Bild: privat

Auch auf Julian Merk, Pascal Bleise, Berkay Yilmaz, Simon Tisch-Rottensteiner und Mattes Glück, die in diesem Sommer zum SC Freiburg wechseln, sowie Marek Bleise, David Schopper und Rouven Tarnutzer, die im vergangenen Jahr den Sprung in den Breisgau geschafft haben, ist das Trainerteam stolz.

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Und ganz besonders auf einen, den es nicht an die Dreisam, sondern an die Brenz auf die Ostalb zieht: Julian Stark aus Beuren-Weildorf, der vor Kurzem beim Bundesliga-Relegationsteilnehmer 1. FC Heidenheim einen Profi-Vertrag unterschrieben hat. „Julian ist das beste Beispiel dafür, dass man im Jugendbereich einen langen Atem braucht“, erklärt Rolf Dietrich. „Er musste anfangs viele Rückschläge verkraften, auch weil er körperlich nicht so weit war wie andere. Julian hatte aber den unbedingten Willen, sich zu verbessern. Und das hat sich für ihn ausgezahlt“, sagt der 62-Jährige über seinen ehemaligen Schützling.

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Nach der Corona-Pause durch die Hallenschließungen soll es spätestens nach den Sommerferien weitergehen mit dem Fördertraining. „Wir freuen uns darauf. Das hat uns wahnsinnig gefehlt!“, sagt Rolf Dietrich und lächelt sich beim Gedanken an den Neustart die Sorgenfalten auf der Stirn weg. Scheint wohl tatsächlich sein Jungbrunnen zu sein, die Arbeit mit jungen Menschen.