Handball, 3. Liga: HSG Konstanz – VfL Günzburg (Freitag, 20.30 Uhr, Schänzlehalle). – Oft genug wird Aron Czako im sportlichen Wettkampf in seinem Leben schon gegen seinen Vater Gabor das Nachsehen gehabt haben. Von der D- bis zur B-Jugend war Gabor, der früher das Trikot der ungarischen Nationalmannschaft trug, sogar Trainer seines Sohnes. Ein strenger aber fairer Trainer, so sagt Aron. Am Freitag kommt es nun zum ersten offiziellen Wettkampf zwischen den beiden. Auf der Tribüne werden dann auch Bruder Adam, der bei der zweiten Mannschaft der HSG aktiv ist, und Arons Mutter sowie vielleicht sogar sein Opa aus Ungarn mit dabei sein.

Seit Tagen gibt es in der handballverrückten Familie Czako kaum ein anderes Thema mehr als das direkte Aufeinandertreffen. Die Vorfreude ist auf allen Seiten riesengroß. Seit Tagen tauschen Gabor und Aron Czako sich aus – und pokern mächtig. Allzu viele Infos möchte man dem „Gegner“ schließlich nicht überlassen. Es zählt nur der Sieg. „Die Sprüche werden nach dem Spiel kommen, davor gibt es den gegenseitigen Respekt“, erklärt Günzburgs Coach Gabor Czako. Jörg Lützelberger hat dennoch versucht, ein paar Tipps zu holen, lächelt und sagt: „Das sind die schönen Geschichten im Sport. Wettkampf gibt es auch in der Familie und am Samstag werden alle gemeinsam beim Essen sitzen und der Gewinner etwas sticheln. Es ist doch schön, wenn man sich sportlich fair gegenseitig messen kann.“

Jetzt besteht die Chance für Aron, zurückzuschlagen und einen der wenigen Siege gegen seinen Vater zu feiern. „Das wird besonders für mich“, sagt Aron, „ich bin mega gespannt. Es wird eine gesunde Rivalität herrschen. Nach dem Spiel sind wir wieder Freunde.“ Vor zehn Jahren hätte in der Familie Czako keiner an solch ein Duell gedacht. In Arons Worten ist viel Dankbarkeit zu hören, wenn er über Vater Gabor spricht. „Mein Vater war immer mein größter Unterstützer, in den besten und schwersten Zeiten. Es wird eine besondere Situation. Ich mache mir aber auch keine allzu großen Gedanken. Wir werden alles reinhauen mit unseren Fans im Rücken.“

Wem dort die Familie Czako die Daumen drückt? Gabor Czako vermutet: „Den Mutterinstinkt kann ich nicht toppen. Meine beiden Söhne wuchsen mit den Herausforderungen. Sie glauben immer an sich, wurden und werden stärker und bekamen immer die Unterstützung vom Verein. Darauf können sie stolz sein, und ich bin als Vater der HSG sehr dankbar dafür.“ Nun kommt er mit dem Traditionsclub VfL Günzburg, der in den 1980er Jahren in der 1. Bundesliga seine größten Erfolge feierte und am Europapokal der Pokalsieger teilnehmen durfte, ans Schänzle. Lützelberger: „Ich schätze Gabor und seine Arbeit sehr. Man sieht klar die Handschrift des Trainers.“ Mit einer neuen Aufgabe für die HSG wird er mit einer 5:1-Deckung aufwarten, und wie die Konstanzer das schnelle Tempo und Umschaltspiel nach vorne suchen.

Mit vielen jungen Talenten, die sich in der A-Jugend-Bundesliga beweisen durften, kämpfte sich Günzburg ab 2015 aus der Bezirskoberliga zurück in die 3. Liga. Nun wird es spannend zu sehen sein, was passiert, wenn ein Gegner das extreme Tempo der HSG mitgehen will. „Ein schnelles Spiel“ erwartet Lützelberger und möchte in der Tempofrage Dominanz erreichen, denn, so sagt er: „Wer das Tempo kontrolliert, kontrolliert das Spiel.“ Hart erwartet er es – und spannend, da viel Potenzial und Talent im Günzburger Aufgebot stecke. „Es wird eine neue Art der Herausforderung“, lautet seine Bilanz. 21 Fehlwürfe wie in Willstätt darf sich die HSG dabei sicher nicht noch einmal leisten. Sonst ist die Chance groß, dass der Vater Czako ein weiteres Mal gegen seinen Sohn die Nase vorne hat.