Immer wieder samstags setzte sich Eva Karrer bis ins hohe Alter in Allensbach aufs Fahrrad und strampelte den Berg hinauf. Ihr Ziel: die Riesenberghalle, wo die Handballerinnen oder Handballer des örtlichen Sportvereins ein Heimspiel austrugen.

Viele Jahre lang kontrollierte sie die Eintrittskarten der Zuschauer, zuletzt verfolgte sie die Spiele auf der Tribüne, ganz rechts hinten, neben Manfred Lüttin. Das Unentschieden gegen Kappelwindeck/Steinbach war die letzte Partie, die sie sah. Am 22. April starb Eva Karrer im Alter von 88 Jahren.

Handball war ihr Leben

„Mit ihr geht ein Urgestein des Allensbacher Handballs“, sagt SVA-Abteilungsleiter Christian Heinstadt über die zierliche Frau mit den grauen Locken und fügt hinzu: „Handball war ihr Leben.“ Selten traf dieser Satz mehr zu.

Eva Karrer war 1947 eine der Mitgründerinnen der Handballabteilung im SV Allensbach und spielte selbst aktiv bis 1954 im Großfeld, bis 1979 weiter im Kleinfeld. 1971 und 1976 gelang der Aufstieg in die Oberliga. Noch während ihrer aktiven Zeit trainierte Eva Karrer ab 1972 mehr als 15 Jahre lang Jugendmannschaften, zuletzt die kleinsten Handballanfänger. Eine ganze Reihe der früheren Minis schafften es später bis in die erste Mannschaft.

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1984 gründete „die Eva“ die AD-Mannschaft (alte Damen), die sie bis 1990 trainierte. An den Veranstaltungen der AD nahm sie regelmäßig teil. Stets setzte sie sich für die Belange des Vereins ein – sei es beim Stricken von Socken oder als Helferin bei Veranstaltungen und Turnieren.

So heimatverbunden Eva Karrer auch war, die Handballwelt endete für die südbadische Auswahlspielerin nicht an der Gemeindegrenze. Zur Würdigung ihrer Leistung wurde sie 1977 zum Ehrenmitglied des SV Allensbach ernannt. 1998 erhielt sie die goldene Ehrennadel des Südbadischen Handballverbandes.

Immer hilfsbereit hinter den Kulissen

„Handball in Allensbach wäre ohne dieses Engagement und diese Leidenschaft nicht denkbar“, sagt Christian Heinstadt. Das weiß auch der langjährige Mister Frauenhandball Manfred Lüttin. „Sie war vor mehr als 40 Jahren mein erster Kontakt zum SV Allensbach, oder besser zum Frauenhandball in Allensbach.“

Während Lüttin die Mannschaft zunächst als Trainer und dann als Manager bis in die 2. Bundesliga führte und dort über viele Jahre etablierte, half Eva Karrer hinter den Kulissen, wo immer es etwas zu anzupacken gab. „Sie war nie griesgrämig, immer liebenswert und hilfsbereit. Beim Skoda-Cup hat Eva die Tische mit Blümchen dekoriert, und wenn der Kuchen ausverkauft war, ist sie heimgeradelt und hat Nachschub geholt. Sie hatte immer zwei oder drei in Reserve“, sagt Lüttin.

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Wenige Wochen vor ihrem Tod haben die beiden noch telefoniert. „Am 3. April war sie bei ihrem 88. Geburtstag zuversichtlich, dass es später im Jahr ein großes Fest geben wird“, sagt Lüttin über Eva Karrer, die alle nur „Handballmutter“ genannt hätten.

Seite an Seite beäugten die einstigen Macher in den vergangenen Jahren das Werk ihrer Erben von der Tribüne aus, immer samstags, ganz rechts hinten. „Ich kann mich an kein Heimspiel erinnern, wo sie nicht da war. Sie wird mir fehlen“, sagt Manfred Lüttin. „Eva war die gute Seele des Allensbacher Handballs – bis zum Schluss.“

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