Vor der Partie TV Konstanz gegen SC Bankholzen-Moos II in der Kreisliga B Staffel 3 sind verdächtige Szenen zu beobachten. Sekt für den Unparteiischen, etwa eine Bestechung? Natürlich nicht!

Schiedsrichter Egon Metzler bekommt von Ciro Lungo, Kapitän des TV Konstanz, zur Feier des 3000. Spiels als Unparteiischer ein prickelndes Getränk überreicht.
Schiedsrichter Egon Metzler bekommt von Ciro Lungo, Kapitän des TV Konstanz, zur Feier des 3000. Spiels als Unparteiischer ein prickelndes Getränk überreicht. | Bild: Peter Pisa

Vielmehr geht es bei der Getränkeübergabe um die sportliche Anerkennung von Schiedsrichter Egon Metzler. Die Kreisliga-Partie ist sein 3000. Spiel als Unparteiischer.

Schiedsrichter Egon Metzler bei seinem 3.000ten Spiel.
Schiedsrichter Egon Metzler bei seinem 3.000ten Spiel. | Bild: Peter Pisa

Knapp achteinhalb Jahre am Stück

3000 Spiele – würde Metzler ab sofort jeden Tag eines pfeifen, wäre er weitere knapp achteinhalb Jahre am Stück gefordert. In der Realität erstrecken sich die Partien aber auf mehrere Jahrzehnte – angefangen hat es im März 1971. Metzler, damals noch selber Kicker beim SV Homberg/Limpach, Vorgängerverein des SV Deggenhausertal, beginnt seine Karriere als Unparteiischer auf den Sportplätzen der Region.

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Der Ton wurde rauer

Josef Mutter, Vorstand von Hombeg-Limpach, schickt den damals 15-jährigen Metzler zum Schiedsrichterlehrgang. „Es war eine gute Entscheidung“, konstatiert er 2020 – ganze 49 Jahre später. Der dienstälteste aktive Schiedsrichter im Bezirk ist Metzler mittlerweile, viele Jahrzehnte erlebte er auf dem Fußballfeld – meist im Bezirk Bodensee.

Schiedsrichter Egon Metzler bei seinem 3.000ten Spiel.
Schiedsrichter Egon Metzler bei seinem 3.000ten Spiel. | Bild: Peter Pisa

„Männer, bleibt‘s ruhig“

In seinem 3000. Spiel prasseln im Verlauf der Partie Beschwerden auf ihn ein. „Schiri“, schallt es mehrmals vonseiten der Gäste nach hartem Einsteigen von beiden Seiten. „Männer, bleibt‘s ruhig, es ist nur Fußball“, beschwichtigt Metzler die Kicker. Immer wieder holt Metzler bestimmt, aber ruhig die Fußballer ab, entschärft die Situation.

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Die erste Gelbe Karte verteilt der 64-Jährige in einer stellenweise hitzigen Partie erst in der zweiten Halbzeit. Vielleicht ein Fehler, wie er nach der Partie überlegt. Ein wichtiges Attribut in seinen Augen, und auch ein wichtiger Tipp für junge Kollegen – Fehler zugeben, auch gegenüber den Spielern. „Das akzeptieren die Spieler dann auch“, sagt Metzler.

Keine ruhige Sekunde beim Halbzeitpfiff – Schiedsrichrer Metzler (Mitte)
Keine ruhige Sekunde beim Halbzeitpfiff – Schiedsrichrer Metzler (Mitte) | Bild: Peter Pisa

Probleme verbal zu lösen, dass sei für den Schiedsrichter auf dem Platz wichtig, erklärt Metzler. Und dafür habe er auch die beste Schule bekommen: „Der Bezirk Bodensee ist hervorragend organisiert und der SBFV in der Ausbildung der Schiedsrichter meiner Meinung nach deutschlandweit führend“, lobt der 64-Jährige. Ein Grund, warum er jungen Menschen das Schiedsrichterdasein ans Herz legt, besonders auch Kickern. „Es hilft sehr, wenn man beide Seiten gesehen hat“, weiß Metzler. Er selbst kickte bis zu seinem 38. Lebensjahr. Immer als Vorbild? Nicht immer, weiß Karl-Heinz Arnold, Funktionär beim Fußballbezirk Bodensee und selbst ehemaliger Schiedsrichter.

Verständnis für harte Spielweise

Schließlich musste Arnold selbst Metzler mit einer Roten Karte vom Platz schicken. „1985 in Bermatingen, als er noch bei dem SV Homberg/Limpach spielte“, sagt Arnold. Metzler erinnert sich daran mit einem Schmunzeln. „Ich wurde ein paar mal vom Platz gestellt, ich war ein harter Spieler“, gibt der Unparteiische zu. „Vielleicht habe ich deswegen mit harten Spielern ein wenig Nachsehen.“

Karten nicht voreilig verteilen

Dass Metzler nicht eilig die Karten zückt, merkt man auch in seinem Jubiläumsspiel. Schlussphase in Konstanz, der TV führt mit 3:1. Ein weiteres Foul an einem Stürmer der Gastgeber, ein Zuschauer fordert Gelb-Rot. Davon lässt sich der erfahrene Schiedsrichter aber nicht beeindrucken, die Karten bleiben stecken. Gelassen pfeift er die Partie zu Ende. 4:2 lautet der Endstand, es ist ein weiteres Erfolgserlebnis für den TV Konstanz.

Und wie lange möchte Metzler noch weitermachen? „Die Momente, in denen ich mir diese Frage stelle, gibt es ab und zu“, gesteht er. „Vor allem, wenn ich auf ganz junge, impulsive Mannschaften treffe. Man merkt, dass zwischen den Generationen Welten liegen“, erklärt der Schiedsrichter.

Für Egon Metzler ist das Schiedsrichterdasein mehr als nur ein Hobby.
Für Egon Metzler ist das Schiedsrichterdasein mehr als nur ein Hobby. | Bild: Peter Pisa

Nachdenklich steht er am Spielfeldrand in Konstanz. Die nach dem Schlusspfiff ausgelassen feiernden Sieger sind schon samt Soundanlage in der Kabine verschwunden, nur ein paar einzelne Kicker unterhalten sich noch. „Andererseits bin ich auf dem Sportplatz groß geworden“, sagt er knapp, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, bevor er sich auf den einstündigen Heimweg nach Horgenzell aufmacht, die Schampusflasche im Gepäck. Die 3000. Partie mag zwar vorbei sein, die letzte war es allerdings noch nicht.

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