Eine ruhige Kugel schieben, das kommt für Sascha Gonschorek und Chris Dambacher in diesen Tagen nicht infrage. Im Gegenteil, beide haben sich viel vorgenommen für die nächsten Wochen, wollen trainieren, die Fitness steigern und am liebsten die Uhr vorstellen, bis zu jenem Tag, auf den sie so lange hingearbeitet haben. Mit dem SKC Unterharmersbach hat das Duo vor wenigen Tagen den Aufstieg in die 1. Bundesliga der Kegler geschafft, beim Finalturnier in Bamberg setzte sich das Team aus Offenburg gegen den SKC Nibelungen Lorsch aus Hessen und den SK Markranstädt aus Sachsen durch. „Das war schon ein Highlight, wir hatten 70 Fans mit dabei, die Stimmung war großartig“, erklärt der Konstanzer Gonschorek, der neben seinem Engagement für Unterharmersbach noch 2. Vorsitzender bei seinem Heimatverein „Alle Neune“ ist. Chris Dambacher kommt vom SKC Mühlhausen, für den der verheiratete Familienvater immer noch als Jugendwart und -trainer aktiv ist. „Für uns wird jetzt schon ein Traum wahr“, sagt der 41-Jährige mit Blick auf den Herbst, wenn der Saisonstart im deutschen Kegel-Oberhaus ansteht. „Wir sind seit 25 Jahren die erste Mannschaft aus Südbaden, die in der Bundesliga spielen wird“, versichert Goschorek.

Vorfreude nach dem Aufstiegscoup. Das Team des SKC Unterharmersbach.
Vorfreude nach dem Aufstiegscoup. Das Team des SKC Unterharmersbach. | Bild: Privat

Dort wird der SKC Unterharmersbach unter anderem auf dei Bundesliga-Kegler aus Friedrichshafen treffen, aber auch auf den Serienmeister aus Zerbst bei Magdeburg, der in der Szene als unschlagbar gilt. „Das ist Real Madrid und der FC Barcelona zusammen“, versucht Dambacher mit einem Vergleich zum Fußball die Dominanz der Ostdeutschen zu beschreiben. 140 000 Euro beträgt angeblich der Etat des Serienmeisters, die Unterharmersbacher Hobby-Kegler müssen mit 5000 Euro auskommen. Punkte für den Klassenerhalt müssen daher wohl gegen die anderen Teams gesammelt werden. „Wir werden uns alle deutlich steigern müssen“, so Dambacher. Kegeln sei natürlich nicht mit Fußball oder anderen Sportarten zu vergleichen, aber auf diesem Niveau eben doch ein Hochleistungssport und kein Feierabendplausch mit Thekenrunde. „Wenn bei uns ein Spieler während der Partie Alkohol konsumiert, auch wenn er selbst schon gespielt hat, wird er disqualifiziert“, erklärt Gonschorek, 31 Jahre alt, verlobt und Vater dreier Kinder. Joggingeinheiten und Stabilisierungsübungen gehören zum Fitnessprogramm dazu, der gute Teamgeist ist zusätzlicher Ansporn.

So sehen Sieger aus! Der SKC Unterharmersbach.
So sehen Sieger aus! Der SKC Unterharmersbach. | Bild: Privat

In Unterharmersbach hat Axel Schondelmaier eine Mannschaft aus Franzosen und Deutschen aufgestellt, aus Bankern, Malern, Angestellten bei der Kläranlage und der Müllabfuhr. Sechs Spieler pro Mannschaft, zehn Mann im Kader, Punkte heißen „Holz“. Der Spitzenspieler war bereits viele Jahre in der Bundesliga aktiv, ehe er zu seinem Heimatclub zurückkehrte. Seither läuft es beim SKC Unterharmersbach, auch wegen der Unterstützung aus der Hegau-Bodensee-Region. Gonschorek schloss sich dem Team vor vier Jahren an, Dambacher folgte zwei Jahre später. Trainiert wird meistens auf der neuen Kegel-Anlage im ehemaligen Südstern-Vereinsheim in Singen, an den Wochenenden geht es nach Unterharmersbach oder eben nun ab September quer durch die ganze Republik.