Andreas Joas

Es geht erneut um Big Points, wenn der HC Empor Rostock am Freitag um 20 Uhr in der Schänzlehalle zu Gast bei der HSG Konstanz sein wird. Beide Teams befinden sich gerade in guter Form, Rostock konnte nach einem Trainerwechsel zuletzt mit zwei Heimsiegen Boden gutmachen.

Freuen sich auf jedes Spiel

Trotz Niederlage beim ungeschlagenen Ligaprimus hat sich die HSG Konstanz in Balingen toll verkauft und an die in den letzten Wochen gezeigten guten Vorstellungen angeknüpft. Jörg Lützelberger fasst das mit einem Lächeln so ganz kurz zusammen: „Wir waren ganz gut, Balingen ein bisschen besser.“ Die Mannschaft sprüht geradezu vor Tatendrang, das wird in jeder Trainingseinheit deutlich. Die jungen Talente im zweitjüngsten Kader in der 2. Bundesliga suchen immer wieder das Gespräch mit den Trainern und „wir freuen uns auf jedes Training und jedes Spiel, das wir zusammen haben.“

HSG Trainer Jörg Lützelberger beim Spiel gegen den VfL Potsdam.
HSG Trainer Jörg Lützelberger beim Spiel gegen den VfL Potsdam. | Bild: Peter Pisa

Man spüre, dass jeder unglaublich gerne spiele, verrät der HSG-Coach. „Jeder möchte besser werden und vorankommen, individuelle Analysen und nochmal ein Video. Alle wollen auf die nächste Stufe.“ Für den 37-Jährigen eine Aufgabe und ein Prozess, der ihm viel Spaß bereitet.

Duell auf Augenhöhe?

Das sind die Themen, mit denen sich der ehemalige Bundesligaprofi beschäftigt. Die Tabelle biete zum aktuellen Zeitpunkt hingegen keinen Mehrwert für ihn. Selbst den Schluss, dass es am Freitag ein Duell auf Augenhöhe gegen Rostock geben könnte, sieht er so nicht. Jedenfalls nicht als „selbstverständlich. Wir freuen uns, wenn uns das gelingt, ich nehme das für uns aber nicht einfach als gegeben gegen so etwas wie die Mannschaft der Stunde.“

Schließlich überzeugte der Traditionsverein von der Ostsee, der mit fast 1000 Kilometer die längste Distanz im deutschen Profihandball zurücklegen muss, zuletzt mit zwei Heimsiegen gegen starke Teams wie Bietigheim und Großwallstadt. Neuer Trainer ist nach der Entlassung von Till Wiechers inzwischen der 32-jährige Tristan Staat. Unter dem neuen Übungsleiter setzt Rostock bislang nicht mehr so viel auf den siebten Feldspieler wie zuvor.

Rekordpokalsieger kommt nach Konstanz

Dabei blickt der Handball in Rostock auf eine große Tradition zurück. Mit zehn Meistertiteln und sieben Pokalsiegen ist Empor mit seinen Vorgängervereinen der erfolgreichste Club der DDR, Rekordpokalsieger und gemeinsam mit dem SC Magdeburg auch Rekordmeister der DDR. Mit 17 nationalen Titeln gehören die Rostocker auf nationaler Ebene zu den erfolgreichsten Clubs. 1982 wurden gar der Vereins-Europameistertitel und der Europapokal der Pokalsieger gewonnen.

Die HSG Konstanz nach dem 13. Spieltag bei der Spielgemeinschaft HBW Balingen-Weilstetten und einem Endstand von 36:30.
Die HSG Konstanz nach dem 13. Spieltag bei der Spielgemeinschaft HBW Balingen-Weilstetten und einem Endstand von 36:30. | Bild: Thomas Schips

Im Kampf um den Aufstieg in die 2. Bundesliga hatte sich die HSG Konstanz in den entscheidenden Relegationsduellen der Saison 2018/19 nach einem 31:31 an der Ostsee mit einem 33:29-Sieg nach 24:12-Führung durchgesetzt. Aktuell sind die Hansestädter wieder deutlich im Aufwind und „haben ihre Qualitäten gezeigt“, so Lützelberger. „Sie haben eine starke Abwehr und einen guten Tempogegenstoß.

Zuletzt haben sie ihre Gegner am Kreis schwindelig gespielt.“ Dafür stehen Tristan Staat drei unterschiedliche Spielertypen zur Verfügung, im Rückraum verfügt er über im Eins-gegen-eins sehr starke Akteure, die den Ball schnell machen und sich die richtigen Würfe nehmen, hat der Trainer der HSG beobachtet.

„Müssen den Kampf aufnehmen“

Es läuft gerade bei Rostock, deshalb „müssen wir den Kampf annehmen, um ihnen in diesem Lauf ein Bein stellen zu können“, meint der EHF-Mastercoach. Der fordert dafür einen disziplinierten Auftritt von der ersten Sekunde an und hellwach zu sein. „Wir wollen dagegenhalten, unser Spiel auf die Platte bringen. Wenn es dann am Ende ein offener Schlagabtausch wird, ist das eine gute Sache für uns.“ Lützelberger: „Wir wollen unseren Fans zeigen, dass wir unser ganzes Herz auf der Platte lassen und fighten.“ Umso wichtiger gegen eine Mannschaft, die man nie abschreiben dürfe.

Wie so oft sind die „mentalen Dinge“ ein großer Erfolgsfaktor. „An guten Tagen helfen sie, vielleicht auch mal ein Topteam zu bezwingen, an weniger guten, doch etwas zu holen“, so der Wahl-Lindauer. Ein Mix aus Ruhe, Überzeugung und Mut soll die HSG mit der Unterstützung der Fans so am liebsten zu zwei Big Points verhelfen.