„Ich will Fußball-Kommentator werden“ – diesen Wunsch hatte ein kleiner Junge in Überlingen Ende der 1980er Jahre. Heute ist dieser Junge 44 Jahre alt, lebt bei Zürich in der Schweiz und kann seine Einsätze als Fernseh-Kommentator in der Champions League kaum noch zählen.

Die Rede ist von Stephan Schäuble. Der Überlinger hat seinen Wunsch konsequent verfolgt. Vielleicht war es sogar Kult-Kommentator Werner Hansch, der den Weg für den kleinen Jungen ebnete.

Als Werner Hansch in Überlingen anrief

„Ich habe als Jugendlicher Werner Hansch mal einen Brief geschrieben“, erzählt Schäuble. „Ich fand ihn damals wirklich genial, weil er Sachen sagte, die nicht normal waren.“ Er erinnert sich vor allem an den Ausdruck „ein geiles Tor“. Kurze Zeit später klingelte in Überlingen das Telefon.

„Meine Mutter gab mir den Hörer und sagte, Werner Hansch sei dran“, erzählt der 44-Jährige. „Ich dachte, sie macht Witze.“ Machte sie aber nicht. Stephan Schäuble fragte nach Tipps, und der Star-Kommentator von damals sagte, er solle so schnell wie möglich schreiben und auf jeden Fall studieren.

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Der Überlinger schrieb tatsächlich kurz darauf für den SÜDKURIER Texte und begann nach dem Abitur ein Studium in Frankfurt. „Ich habe Werner Hansch viele Jahre später mal getroffen und mich für die Tipps bedankt“, sagt Schäuble und fügt schmunzelnd hinzu: „Auch wenn er sich an das Telefonat natürlich nicht mehr erinnern konnte.“

Der passionierte Fußballer aus Überlingen, der sich schon früh zum Trainer ausbilden ließ, machte seinen Weg. Schon 1998 hatte er seinen Traum realisiert: Er war als Student bei Radio FFH und kommentierte das Spiel FSV Mainz gegen Stuttgarter Kickers.

Stephan Schäuble (rechts) interviewt Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool.
Stephan Schäuble (rechts) interviewt Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool. | Bild: Screenshot

Mit dabei war ein gewisser Jürgen Klopp als Spieler. Dass aus diesem Fußballer einmal „The Normal One“ werden würde, konnte keiner ahnen. Genauso wenig, dass sich die Wege von Klopp und Schäuble noch sehr viele Male kreuzen sollten.

Wenige Jahre später absolvierte der Überlinger die Trainerprüfung für den A-Schein. In dieser Zeit trainierte er die U17 von Eintracht Frankfurt. Dort gab es einen Spieler mit dem Namen Marc Klopp. Es war der Sohn von Jürgen Klopp, der immer wieder zu Spielen kam und seinem Sohn zuschaute.

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Nach seinem Volontariat bei einem hessischen Regionalsender startete Schäuble seine Karriere im Fernsehen. Zunächst ging er als News-Redakteur zu RTL und dann als Chefreporter und Ausbilder zu Sat1. 2011 wurde er dann als Fußball-Reporter und Kommentator von Sky abgeworben.

„Ich zog nach Dortmund und war mehr als sechs Jahre zuständig für den BVB“, erzählt der 44-Jährige, der auf diesem Weg wieder auf den Kult-Trainer traf. „Ich war damals fast bei jedem Training vor Ort und habe Kloppo recht gut kennengelernt.“ Es war die Hochzeit von Borussia Dortmund.

„Der Höhepunkt war das Champions-League-Finale 2013 gegen Bayern München im Wembley-Stadion in London“, erinnert er sich. „Ich war für Sky sogar auf der Party nach dem Spiel.“ Das sei ein „Once in a lifetime“-Erlebnis gewesen, wie es Schäuble formuliert.

Stephan Schäuble als Sky-Reporter in einem Stadion kurz vor dem Start eines Fußballspiels.
Stephan Schäuble als Sky-Reporter in einem Stadion kurz vor dem Start eines Fußballspiels. | Bild: privat

Heute lebt der 44-Jährige mit seiner Frau bei Zürich und kommentiert nicht mehr so intensiv. Für den Sender Blue, der die Übertragungsrechte der Champions League in der Schweiz hat, kommentiert er aber nach wie vor.

Dabei hat er einen ganz speziellen Anspruch: „Ich versuche, dem Zuschauer Dinge aus Trainersicht zu erklären“, sagt er. „Es gibt in meiner Branche viele Marktschreier, keine Frage. Mir sind Taktik und Analysen wichtiger, damit man Fußball besser versteht.“

Akribische Vorbereitung auf jedes Spiel

Ein Spiel kann aber nur dann gut kommentiert werden, wenn man sich auch intensiv vorbereitet. „Das dauert bei mir in der Regel einen ganzen Tag“, erklärt er. „Es geht darum, viel über die Spieler zu erfahren und vor allem auch Videos zu schauen.“

Bevor es losgeht, schreibt sich Stephan Schäuble jeden Spieler und dessen Fakten auf einen separaten Zettel. Diese werden in Form des Spielsystems auf den Tisch gelegt. So kann er beim Kommentieren sofort auf die Infos zugreifen.

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Das Kommentieren ist seine Leidenschaft, das Traineramt seine Passion, und nun hat er sich seit vergangenem Jahr noch ein drittes Standbein geschaffen: Den Podcast „Im Kopf des Trainers“. Dabei interviewt er namhafte Proficoaches.

„Ich möchte damit vor allem Amateurtrainern eine Plattform bieten, auf der sie Tipps von Profis bekommen“, erklärt er. Dabei nutzt er seine Kontakte und spricht mit namhaften Trainern wie Peter Neururer, Oliver Reck, Andreas Hinkel, Sandro Schwarz und Achim Beierlorzer.

Stephan Schäuble im Studio bei einer seiner Aufnahmen zu seinem Podcast „Im Kopf des Trainers“.
Stephan Schäuble im Studio bei einer seiner Aufnahmen zu seinem Podcast „Im Kopf des Trainers“. | Bild: Michael Schäuble

Auch wenn der 44-Jährige, der im Frühjahr Vater einer Tochter wird, nicht mehr so viel kommentiert, langweilig wird es ihm nicht.

Er hat viele Ziele: Mit seinem Frauenfußball-Team möchte er die Nationalliga B erreichen, mit seinem Podcast vielen Trainern helfen und als TV-Kommentator in der Schweiz wieder regelmäßig bei Champions-League-Spielen zum Einsatz kommen.