Mit 14 Jahren lautet das Fortbewegungsmittel der Wahl meistens Fahrrad. Tim Luibrand genügt das jedoch nicht. Sein Zweirad muss motorisiert sein. Der Teenager aus Gottmadingen hat sich mit neuneinhalb Jahren in den Motocrosssport verliebt – und dort sein Talent entdeckt. Mit gerade einmal 14 Jahren ist er nun schon Schweizer Meister.

Fährt, seit er neuneinhalb Jahre alt ist: Tim Luibrand.
Fährt, seit er neuneinhalb Jahre alt ist: Tim Luibrand. | Bild: privat

Der frischgebackene Champion wirkt zuhause am heimischen Esstisch auf den ersten Blick etwas schüchtern und gar nicht wie ein Draufgänger. Ein typischer Teenager eben. Wenn es aber um sein Hobby geht, blüht Luibrand richtig auf.

Auf der Maschine fühlt er sich wohl – der frischgebackene Schweizer Meister.
Auf der Maschine fühlt er sich wohl – der frischgebackene Schweizer Meister. | Bild: privat

Kein Wunder, dass der junge Mann seine Eltern bereits im jungen Alter dazu überreden konnte, das Mountainbike gegen eine Motocross-Maschine einzutauschen.

Die Frage, ob es lange gedauert hätte, die Eltern vom nicht ungefährlichen Hobby zu überzeugen, bedenkt der junge Mann mit einem Kopfschütteln. „Nicht wirklich, es hieß nur, ich soll mit Verstand fahren“, erklärt er knapp die kurzen Verhandlungen.

Spektakulär, aber auch nicht ungefährlich ist der Motocross-Sport.
Spektakulär, aber auch nicht ungefährlich ist der Motocross-Sport. | Bild: privat

„Natürlich hätte ich gerne, dass er eine andere Sportart macht, wie zum Beispiel Badminton“, springt seine Mutter, Petra Luibrand, ein und lacht. Für sie ist das Hobby des Sohnemanns manchmal ein echter Drahtseilakt – beim Zeitmanagement, aber auch für die Nerven.

Petra Luibrand.
Petra Luibrand. | Bild: Halter, Maximilian

Denn statt in der Jugendkategorie zu starten, fährt Tim Luibrand in einem offenen Teilnehmerfeld – auch wenn der Name mit „Junioren Open B“ anderes vermuten lässt. Der Nachteil aus Sicht der sorgenden Mutter: In dieser Kategorie fährt der Sohn eine leistungsstärkere Maschine.

Bild: Halter, Maximilian

„Mir wäre es durchaus lieber, wenn er langsamer unterwegs wäre“, sagt die 47-Jährige und schaut ihren Sohn mit dem liebevollen Blick einer sich sorgenden Mutter an. Aber käme das für den Jugendlichen überhaupt in Frage, seine Honda CRF 250 gegen eine leistungsschwächere Maschine einzutauschen? „Ne“, sagt der 14-Jährige und schüttelt den Kopf. Diesen vorweihnachtlichen Wunsch wird er seiner Mutter schon einmal nicht erfüllen, zu sehr hat er sich an die 50 bis 60 Stundenkilometer gewöhnt, mit denen er über die Pisten brettert.

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Was sich im ersten Augenblick für den geneigten deutschen Autobahnfahrer nach wenig anhören mag, kann bei einem Sturz üble Folgen nach sich ziehen – wie Familie Luibrand erst im Jahr 2018 erleben musste. Beim Motocross-Training in Spanien stürzte der 14-Jährige. Die Diagnose: „Schulter, Oberarm sowie Elle und Speiche gebrochen“, erinnert sich Tim Luibrand an den Vorfall. Ein Schock? Ja. Ein Grund für ihn, aufzuhören? Nein.

Training, Training und noch mehr Training

Doch wieso tut sich eine Mutter so etwas an und verbietet nicht einfach das Fahren – und hätte so sorgenfreiere Wochenenden? Das käme nicht infrage, erklärt Petra Luibrand. Warum, zeigt ihr ihr Sohn – ganz ohne Worte.

Neben dem Besuch einer Ganztagsschule trainiert der Jugendliche täglich für seinen Sport: Ausdauer-, Kraft- sowie Fahrtraining stehen abwechselnd auf dem Programm. Auch auf die Ernährung achtet Tim Luibrand, um fit zu sein. Bleibt da überhaupt noch Freizeit übrig, um zum Beispiel vor der Playstation zu sitzen? „Gar nicht“, sagt der 14-Jährige. Doch für ihn ist das Aufopfern für das Hobby keine Zeitvergeudung.

Diesen Fokus respektiert seine Mutter – und sieht abseits der Sorgen auch das Positive: „So stellt er schon mal keinen Unsinn an wie andere in seinem Alter“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Zeit für Rennen

Dafür bleibt Tim Luibrand auch gar keine Zeit, denn den Sport nimmt er ernst. Während er die Sorgen seiner Mutter überlässt, konzentriert er sich voll auf den Sport. Nur trainieren war eines Tages nicht mehr genug, Rennen standen auf dem Programm. Sein Trainer – und gleichzeitig das große Vorbild des Jugendlichen – Chris Möckli, sah, dass der junge Fahrer bereit war.

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Seit einem Jahr fährt er nun kompetitiv, und das weckt den Ehrgeiz des 14-Jährigen. „Wenn ich auf der Rennstrecke bin, laufe ich sie ab, schaue mir an, welche Rille in welcher Kurve wohl die schnellste wäre“, erklärt er ausführlich. Denn im Kampf um die Meisterschaft zählt am Ende schließlich jeder Punkt, nichts soll dem Zufall überlassen werden. „Wenn man einmal nicht in die oberen Plätze kommt, kann man die Meisterschaft fast komplett abhaken“, pflichtet ihm seine Mutter bei, die ihren Sohn gemeinsam mit Vater Michael Luibrand zu den Rennen begleitet.

Beinahe wäre genau das dem Gottmadinger passiert. In einem Meisterschaftsrennen liegt der 14-Jährige auf dem zweiten Platz, hat Aussichten auf einen Sieg. In einer Kurve passierte es dann – kein Sturz, sondern Übelkeit.

Missgeschick im Helm

Der junge Motocross-Fahrer übergab sich in seinen Helm. „Ich wollte weiterfahren, aber es ging nicht – ich musste kurz anhalten und den Helm öffnen“, sagt der 14-Jährige mit einem leichten Lächeln. Ein Anflug von Peinlichkeit oder Erröten? Gar nichts. „Vielmehr hat es mich geärgert, dass ich die Plätze verloren habe“, sagt der ehrgeizige Gottmadinger. Am Ende reichte es immerhin noch für Platz sechs, nichts verloren im Kampf um die Meisterschaft.

Tim Luibrand (rechts) präsentiert mit seinem Trainer Chris Möckli stolz die Urkunde und die Trophäe der Schweizer Meisterschaft.
Tim Luibrand (rechts) präsentiert mit seinem Trainer Chris Möckli stolz die Urkunde und die Trophäe der Schweizer Meisterschaft. | Bild: privat

Diese war spätestens dann sicher, als sich sein größter Konkurrent, Nicola Höchli, kurz vor Saisonende das Bein brach. Doch das soll den Erfolg des Jugendlichen, der zu diesem Zeitpunkt mit 35 Punkten in Front lag, nicht schmälern. „Ich bin sicher, ich hätte es auch so geschafft“, sagt Tim Luibrand mit dem Selbstbewusstsein eines echten Champions.