„Die Saison im Amateurfußball soll nun also fortgesetzt werden – freilich aber nur dann, wenn die epidemiologische Lage dies erlaubt. Damit ist der sofortige Saisonabbruch jedenfalls einstweilen vom Tisch. Ob dieser vermeintliche Kompromiss aufgeht, scheint angesichts der nach wie vor hohen Infektionszahlen und der neuerlichen Unwägbarkeiten, die mit Mutationen und Varianten des Virus verbunden sind, allerdings zweifelhaft.

Es bleibt somit vorerst dabei, dass es abzuwarten gilt: Wie entwickeln sich die Fallzahlen, wenn die Grundschulen und Kitas öffnen? Resultieren hieraus insbesondere höhere Ansteckungszahlen bei Kindern und Jugendlichen?

Das könnte Sie auch interessieren

Dieser Schwebezustand ist schwerlich zu ertragen – aber vor dem Hintergrund der dynamischen Virusentwicklung wohl die effektivste Lösungsoption. Aber ist dem wirklich so? Der Südbadische Fußballverband (SBFV) hätte die Saison 2020/21 mit sofortiger Wirkung beenden können.

Sämtliche Ergebnisse würden dann annulliert und die Ligen im Herbst 2021 in derselben Zusammensetzung neu gestartet. Der große Vorteil einer solchen Entscheidung: Sie hätte den Vereinen frühzeitig Planungssicherheit gegeben. Der Fokus könnte sich auf eine sportlich faire Runde 2021/22 richten.

Wo bleibt die sportliche Fairness?

Stattdessen lautet das Credo, dass jedenfalls die Hinrunde in den jeweiligen Ligen mit elf oder mehr Mannschaften beendet werden solle. Nach Maßgabe der Hinrundentabelle entscheide sich dann, welche Teams auf- und absteigen (möglicherweise nach etwaigen Relegationsspielen).

Und die sportliche Fairness? Diese bleibt – jedenfalls teilweise – auf der Strecke. Denn Schwankungen innerhalb einer Spielzeit sind durchaus normal: Einer Mannschaft, die in der Hinrunde souverän die Tabelle angeführt hat, kann gegen Ende der Saison die Luft ausgehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Ein prominentes Beispiel ist etwa der Hamburger SV, der in den vergangenen beiden Jahren kurz vor der Zielgeraden den sicher geglaubten Aufstieg noch aus der Hand gegeben hat. Die Hinrundentabelle kann also stets nur ein vorläufiges Bild zeichnen.

Nun lässt sich diese These deutlich leichter vertreten, wenn das eigene Team zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht an der Spitze, sondern am unteren Ende der Tabelle steht. Doch dies ist eine Frage des subjektiven Blickwinkels. Und wenn uns die Corona-Pandemie eines gelehrt hat, dann doch wohl, dass persönliche Befindlichkeiten zugunsten des Allgemeinwohls zurückzutreten haben.

Was passiert bei Spielausfällen?

Und auch jenseits dieser tabellarischen Erwägungen um die sportliche Fairness weckt eine Saisonfortsetzung Bedenken. In einen vorgegebenen Rahmen (bis zum 30. Juni) muss eine bestimmte Anzahl an Spielen gepresst werden. Dass dabei alles reibungslos und nach Plan verläuft, ist kaum zu erwarten.

Was passiert, wenn mehrere Spieler eines Teams in Quarantäne müssen? Lassen sich ausgefallene Begegnungen überhaupt noch nachholen? Während ein Nachholspiel an einem Mittwochabend in den bezirklichen Ligen ohne Weiteres möglich ist, ergibt sich in den überbezirklichen Spielklassen ein anderes Bild. Eine Anreise vom Bodensee nach Kuppenheim oder Offenburg dürfte sich unter Woche schwierig oder gar unmöglich gestalten – und zwar sowohl im Aktiven- als auch im Jugendbereich.

Das könnte Sie auch interessieren

Und schließlich hinterlässt auch der Blick auf mögliche Verletzungen durchaus Sorgenfalten. Der Ball ruht seit knapp vier Monaten. Diese Pause ist mit einer schwerwiegenden Verletzung vergleichbar, die ein behutsames Aufbautraining verlangt. Eine zu schnelle Rückkehr in die fußballerische Normalität steht diesem Ansinnen jedoch diametral entgegen. Dies gilt deshalb in besonderem Maß, weil die verbleibenden Spiele der „Restsaison“ in vielen Fällen entscheidend für den sportlichen Erfolg sind.

Bleiben nur noch sieben Spiele, um dem Abstieg zu entgehen oder den Aufstiegsplatz zu erreichen, dürfte sich etwa der angeschlagene Topstürmer gleich mehrfach überlegen, ob er diese zum Wohl der eigenen Gesundheit aussetzt. Dies ist zwar keine coronabedingte Besonderheit, sondern gilt im Saisonendspurt zumeist; aber nach der langen fußballfreien Zeit birgt diese Situation eben besondere Risiken.

Ein flexibler Plan böte sich an

Nun ist dies nach allem kein Plädoyer dafür, den Amateurfußball auf unbestimmte Zeit gänzlich auszusetzen. Vielmehr böte es sich an, einen flexiblen Plan zu entwickeln, der jenseits der tabellarischen und terminlichen Zwänge anzusiedeln ist.

Sobald es die Infektionszahlen zulassen, könnte ein Training in Kleingruppen (mit ausreichendem Abstand und ohne Kabinennutzung) starten. Diese Option hat sich bereits im vergangenen Sommer als erster Schritt aus der sportlichen Zwangspause erwiesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Bei weiterer positiver Entwicklung der epidemiologischen Lage käme dann die Rückkehr in ein geordnetes Mannschaftstraining in Betracht. Im besten Fall bliebe zu Beginn des Sommers noch etwas Zeit für regionale Freundschafts- oder Testspiele. Denn es zeitigt doch einen gewaltigen Unterschied, ob eine Partie im Nachbarort stattfindet (den man womöglich mit dem Fahrrad erreichen kann), oder aber am anderen Ende Südbadens.

Im letzteren Fall ist eine Anreise aus zwei Gründen bedenklich: Erfolgt sie mittels eines Mannschaftsbusses, sitzen zahlreiche Personen über längere Zeit auf engem Raum zusammen. Entscheidet man sich stattdessen dafür, mit mehreren Privat-Pkw anzureisen, mag dies zwar aus einem pandemischen Blickwinkel sinnvoll erscheinen. Aus einer ökologischen Warte, die seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres zusehends in Vergessenheit zu geraten scheint, erwachsen indes neuerliche Bedenken.

Eines freilich bleibt

Der Charme eines Freundschaftsspiels, in dem es um nichts geht, unterscheidet sich zweifelsohne von einem wichtigen Pflichtspiel. Aber diese Einbuße dürfte wohl hinzunehmen sein. Der Amateurfußball zwischen Skylla und Charybdis? Mitnichten!“

Samuel Strauß, Konstanz.