Die Hoffnung der HSG Konstanz, sie ruhte auf einem Finale mit einem Punktgewinn gegen Rimpar bei einer gleichzeitigen Niederlage des TV Emsdetten in Schwartau. Die eigene Pflicht haben die Konstanzer mit dem 33:30 mehr als erfüllt, doch da die viertbeste Mannschaft der Heimtabelle aus Schwartau am letzten Spieltag gegen die zweitschlechteste Auswärtsmannschaft aus Emsdetten mit 27:32 unterging, steht fest: Der südlichste Verein der 2. Handball-Bundesliga hat den Kampf gegen den Abstieg am letzten Spieltag verloren und steigt nach zwei Jahren im Unterhaus wieder ab – vorbehaltlich eventueller Rückzüge oder Insolvenzen der Konkurrenz.

Noch kürzer war die Halbwertszeit der HSG-Reserve, die im vergangenen Sommer in die 3. Liga aufgestiegen war, diese jetzt aber nach einer verkürzten Corona-Saison nach nur vier Spielen für die erste Mannschaft zurück in Richtung Oberliga verlassen muss.

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Wurde im Sommer 2020 noch die erfolgreichste Saison der HSG-Geschichte gefeiert, herrscht nun Trauer bei den Handballfans am Schänzle. Aber sind wir mal ehrlich: Der Strohhalm, an den sich die Konstanzer bis zuletzt geklammert hatten, war in den vergangenen Wochen immer dünner geworden. Gründe dafür gibt es einige.

Da war das nicht enden wollende Verletzungspech; eine Corona-Quarantäne zur Unzeit; die auf nicht gerade feine sportliche Art und Weise angesetzte Nachholpartie beim TV Emsdetten einen Tag nach dem Ende der Quarantäne; das Fehlen eines erfahrenen Anführers auf dem Feld, der dem jungen Team in brenzligen Situationen die Hektik genommen hätte.

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Trotz und wegen dieser Widrigkeiten hat die Mannschaft von Trainer Daniel Eblen den Klassenverbleib selbst verspielt, zum Teil fast schon leichtfertig. Von acht möglichen Punkten gegen die Mitabsteiger TuS Fürstenfeldbruck und Wilhelmshavener HV holten die Konstanzer exakt – null.

In den Heimspielen dominierte die HSG diese beiden Gegner, die stehend k.o. waren, und kassierte dann doch in der Schlussphase zweimal die entscheidenden Treffer. Hätte das Eblen-Team diese beiden deutlichen Führungen über die Zeit gebracht, hätte die HSG am Samstag vor Fans die große Klassenerhaltsparty feiern können.

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So steht am Ende der Saison 2020/21 ein unnötiger Abstieg – der bei aller Enttäuschung aber die Leistung der HSG Konstanz in einer beispiellos langen und harten Runde nicht schmälern soll. Man darf nicht vergessen: Der Kampf um den Zweitligaverbleib ist und bleibt jedes Mal aufs Neue eine Sisyphos-Aufgabe.

Das Konzept der HSG ist der „Konstanzer Weg“: In jedem Sommer kommen junge Talente, die ganz im Süden der Republik Studium und Spitzensport miteinander verbinden können – und wenn die Rohdiamanten von Trainer Daniel Eblen den nächsten Schliff verpasst bekommen und auf sich aufmerksam gemacht haben, verabschieden sie sich in schöner Regelmäßigkeit in Richtung der solventeren Handballstandorte.

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Konstantin Poltrum, Paul Kaletsch, Gregor Thomann, Fabian Wiederstein oder ganz aktuell Tom Wolf und Markus Dangers – die Liste der Spieler, die am Bodensee aktiv waren, bevor sie in höherklassige Ligen wechselten, ist lang.

Sie alle profitieren von der guten Ausbildung am Schänzle. Mehr Erfolg mit teuren, abgezockten Profis können und wollen sich die Konstanzer mit ihrem Budget nicht leisten.

Der nächste Anlauf zum Wiederaufstieg

Dessen sind sie sich aber bewusst bei der Handballspielgemeinschaft. Die Abstiege sind mit einkalkuliert auf dem „Konstanzer Weg“, auch wenn mancher im Umfeld die 2. Bundesliga als gegeben zu sehen scheint. Nun sind die Gegner im nächsten Jahr eben nicht mehr die mit Nationalspielern gespickten HSV Hamburg, VfL Gummersbach oder TV Großwallstadt, sondern der TSB Heilbronn-Horkheim oder HaSpo Bayreuth.

Gegen diese Vereine strengen Trainer Eblen und sein – neu formiertes – Team sich dann aufs Neue an, um den Stein wieder einmal hochzuschieben in die 2. Bundesliga. In der Hoffnung, dass er nicht runterrollt – möglichst lange zumindest. Dass die Fans hinter ihrer HSG Konstanz stehen, bewiesen sie nicht zuletzt am Samstag, als sie die tapfer kämpfenden und traurigen Absteiger minutenlang feierten.