Segeln: Viel Aufmerksamkeit wird am Wochenende in der deutschen Segel-Szene der Überlinger Osthafen auf sich ziehen. Dort nämlich startet die Saison der Segel-Bundesliga. Eigentlich wäre Überlingen der zweite Spielort gewesen, aber wegen Verschiebungen aufgrund Corona startet am Bodensee nun die Saison. Zu Gast ist die deutsche Elite in den J70-Booten. Gastgeber sind der Bodensee Yacht-Club Überlingen (BYCÜ) sowie der Segel- und Motorboot-Club Überlingen (SMCÜ). Beide werden zum einen versuchen, hervorragende Gastgeber zu sein, aber auch den Heimvorteil in ihrem Revier zu nutzen.

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Vor allem der SMCÜ dürfte als amtierender Champions-League-Sieger zu den Siegesanwärtern gehören. Der Steuermann Steffen Heßberger beschwichtigt allerdings: „Unsere Vorbereitung war alles andere als optimal“, sagt er. „Wir müssten wegen Corona unser Trainingslager auf dem Gardasee absagen und auch sonst waren wir noch nicht so viel zusammen auf dem Boot.“ Man werde von Wettfahrt zu Wettfahrt schauen und um jeden Platz kämpfen, verspricht der Steuermann. Bei der Premiere 2015 hat sein Team den Sieg geholt. Und dies solle natürlich wiederholt werden.

Ein imposanter Blick von hinten in die J70 während der Bundesliga-Regatta vor Überlingen. Hier ist die Crew des SMCÜ um Steuermann Steffen Heßberger (links) zu sehen.
Ein imposanter Blick von hinten in die J70 während der Bundesliga-Regatta vor Überlingen. Hier ist die Crew des SMCÜ um Steuermann Steffen Heßberger (links) zu sehen. | Bild: Jäckle, Reiner

Gesegelt wird in der Einheitsklasse J70, auf der vier Crew-Mitglieder Platz haben. Das etwa sieben Meter lange Boot ist mehr als zwei Meter breit und ein sehr sportliches und schnelles offenes Kielboot. Bei eineinhalb Metern Tiefgang hat das Hauptsegel etwa 21 Quadratmeter. Das Gennaker für den Vorwindkurs ist doppelt so groß.

Die Boote werden den Teams vor Ort zur Verfügung gestellt. Das heißt, es wird immer mit den gleichen Booten gesegelt. Eine Wettfahrt bestreiten jeweils sechs Teams, die vor dem Start auf ihr jeweilig zugewiesenes Boot gebracht werden. Dadurch wird es viele etwa 20 Minuten lange Wettfahrten geben. Diese sind selbst vom Land aus ziemlich gut zu beobachten, da die Regattabahn kurz und relativ nahe am Ufer sein wird.

Die Teilnehmer vom Bodensee

Nicht unbedingt als einer der Siegesanwärter dürfte der Aufsteiger vom BYCÜ sein. „Natürlich wollen wir so weit vorne mitsegeln, wie es geht“, sagt Jörg Munck, Vorstand Leistungssegeln im Verein. „Realistisch für uns ist allerdings das Saisonziel Klassenerhalt.“ Sicherlich habe sein Team den Vorteil, die drehenden und häufig nicht ganz so starken Winde auf dem Bodensee besser einschätzen zu können als andere Crews. „Diesen Vorteil haben aber alle anderen Bodensee-Teams auch“, so Jörg Munck.

Ein imposanter Blick von hinten in die J70 während der Bundesliga-Regatta vor Überlingen. Im Boot sind Steuermann Florian Tröger, Jörg Munck, Jonathan Koch und Maximilian Kurfürst vom Bodensee Yachtclub Überlingen.
Ein imposanter Blick von hinten in die J70 während der Bundesliga-Regatta vor Überlingen. Im Boot sind Steuermann Florian Tröger, Jörg Munck, Jonathan Koch und Maximilian Kurfürst vom Bodensee Yachtclub Überlingen. | Bild: Jäckle, Reiner

Wichtig sei es, dass man ruhig im Team agiere, sagt der Vorstand Leistungssport im BYCÜ. „Wir müssen versuchen, gelassen in die Wettfahrten zu gehen und Vertrauen in unsere Manöver aufzubauen.“ Im Training habe man sehr viel daran gearbeitet und versucht, einen möglichst guten Bootsspeed aufzubauen.

Konstanzer Saisonziel: Klassenerhalt

Ein ähnliches Ziel verfolgt die Crew vom Konstanzer Yacht-Club (KYC). Auch er ist nach vier Jahren endlich wieder in der 1. Bundesliga angekommen. Deshalb wird man dort sicherlich keine Wunder erwarten. „Unser oberstes Saisonziel ist der Klassenerhalt“, betont Felix Schrimper, der beim Saison-Auftakt als Steuermann im Boot sitzen wird. Allerdings möchte sich der KYC keinesfalls hinten anstellen, sondern: „Wir kämpfen aber trotzdem um jeden Platz nach vorne“, so Felix Schrimper.

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Natürlich freuen sich alle Bundesliga-Segler, sich nach einer langen Pause endlich mal wieder auf dem Wasser messen zu können. „Es ist abernicht nur Wettkampf, denn wir treffen auch endlich wieder einmal Freunde aus anderen Teams“, sagt Jörg Munck. „Wenn auch mit Abstand.“ Damit spricht der Vorstand Leistungssport beim BYCÜ das Hygiene-Konzept an, welches extra für diesen Event erstellt wurde. Das ist auch der Grund, warum man vom Clubgelände des BYCÜ in den Osthafen ausgewichen ist, weil es dort geräumiger ist.

Regattabahn verlegt

„Natürlich ist das etwas schade, denn dadurch wird die Regattabahn ein ganzes Stück in Richtung Nußdorf verlegt“, so Erich Freiling, der Präsident des BYCÜ, der gemeinsam mit seinem Amtskollegen vom SMCÜ, Konrad Huther, die Organisation federführend innehat und im ständigen Austausch mit dem Ordnungsamt vor Ort ist. „Wir sind aber auch sehr froh, dass überhaupt wieder gesegelt werden kann.“ Los geht es am Freitag, 18. Juni. Die erste Wettfahrt soll um 11 Uhr gestartet werden. Wann es am Samstag und Sonntag beginnt, hängt auch von den Wettfahrten am Freitag und vom Wind ab. Geplant sind die Starts ebenfalls gegen 11 Uhr.