Es gibt wahrlich bessere Zeitpunkte, um ein Sportteam aus der Taufe zu heben als während einer weltweiten Pandemie, die zahlreiche Wettbewerbe zum Erliegen bringt. Und doch präsentierte der Oberteuringer Bernd Reutemann mit Beginn des Jahres die neue Radequipe Trek-Vaude am Standort Langenargen, Nachfolger des Teams Centurion-Vaude.

„Es hätte uns keiner übelgenommen, wenn wir aufgehört hätten“, sagt Reutemann, der beim Vorgänger als Teammanager fungiert hatte – standesgemäß im Online-Interview. Aufgeben war für den 51-Jährigen jedoch keine Option. Denn: „Wenn das alle machen würden, dann hätten wir ein Problem.“

Das könnte Sie auch interessieren

So sieht der Chef des Teams, das auf junge Talente und erfahrene Athleten setzt, diese herausfordernde Zeit nicht als Hürde, sondern als neue Chance. Das Virus hat seinen Tatendrang nicht gebremst. Im Gegenteil: „Corona war auch ein Beschleuniger für viele Dinge. Zum Beispiel Digitalisierung, oder das Bewusstsein dafür, achtsam zu sein“, sagt Reutemann.

Für ihn sei es „ein großes Anliegen, dass wir in dieser Zeit der Unsicherheit unseren Athleten eine Heimat geben und ihnen die notwendige Sicherheit bieten, dass sie ihren Sport weiter in einem professionellen Umfeld ausüben können. Unser Ziel ist es, Sportler zur Weltspitze zu führen und dort zu etablieren.“

Starter von Freiburg bis Namibia

Der Kader ist in den Disziplinen Marathon, Cross-Country, Cyclocross und E-Mountainbike breit aufgestellt. Für Trek-Vaude starten: Mona Mitterwallner, amtierende Juniorinnen-Welt- und Europameisterin im Crosscountry aus Österreich; Sascha Weber, Deutscher Meister 2019 und Vize-Europameister 2015 im Mountainbike-Marathon aus Freiburg; Karl Markt, aktueller Österreichischer Staatsmeister im Crosscountry; Antonia Daubermann, deutsche Vizemeisterin Crosscountry 2019 aus Augsburg; der Österreicher Philip Handl, der 2018 und 2019 die Transalp gewann; Alexander Miller, amtierender Namibischer Meister im Mountainbike-Marathon und auf der Straße; sowie Gregor Raggl, mehrfacher Österreichischer Staatsmeister im Crosscountry.

Das könnte Sie auch interessieren

Wie die kommende Saison aussehen wird, das wissen Bernd Reutemann und seine Mitstreiter freilich noch nicht. „Wir hoffen Ende Februar das erste Trainingslager machen zu können, wenn die Lage sich hoffentlich wieder etwas beruhigt hat“, sagt der zweifache Vater. „Wir steigen erst ein, wenn wieder hier gefahren wird. Wir fahren nicht nach Spanien, um Rennen zu bestreiten, das können wir nicht mit unserer gesellschaftlichen Verantwortung vereinbaren“, sagt Reutemann.

Eine Ausnahme seien die jeweiligen Weltmeisterschaften: „Das sind Highlights, die coronakonform durchgeführt werden können. Darauf ackert jeder Sportler hin.“

Olympische Spiele in Tokio sind ein Ziel

Im Sommer sollen zudem zwei Fahrer des Teams bei Olympia in Tokio an den Start gehen, so die Spiele denn stattfinden. Darüber hinaus hat Trek-Vaude den U23-Gesamtweltcup sowie Erfolge bei nationalen Meisterschaften und namhaften Etappen-Rennen als sportliche Ziele auserkoren. Und dabei möchte das Team ein Vorbild für eine nachhaltige Entwicklung im Leistungssport sein.

„Das Thema Nachhaltigkeit ist im Sport oft weit weg. Da haben wir gesagt: Das können wir besser“, erklärt Bernd Reutemann, der sich auch privat sozial engagiert, etwa im Kinderhospiz Amalie. So soll beispielsweise Material weitergegeben statt entsorgt werden. „Mit Reifen, die wir im Weltcup nicht mehr nutzen können, kannst du 3000 Kilometer radeln“, sagt der Reutemann, der sich darüber freut, „dass das gesellschaftliche Engagement auch im Sport mehr Platz bekommt“.

Das könnte Sie auch interessieren

Am besten natürlich in der Heimatregion. Noch kommen die Fahrer aus Österreich, Namibia, Augsburg und Freiburg, doch „wir halten Ausschau nach regionalen Sportlern und arbeiten mit Vereinen zusammen“, verspricht der Teamchef. „Zum Start hat das leider noch nicht geklappt, wir sind aber trotzdem in der Region verwurzelt“, sagt der Hobby-Mountainbiker. „Wir haben schon erste Bewerbungen für 2022, auch aus der Region.“

Im besten Fall bekommt Trek-Vaude bereits in diesem Sommer eine Bühne, um sich quasi vor der eigenen Tür zu präsentieren – auf den Trails im Hegau statt auf dem Internet-Bildschirm. Die Deutschen Meisterschaften im Mountainbike-Marathon sind im Juni in Singen geplant.