Denken Sie noch oft an die vergangene Saison zurück, die wegen Corona abrupt vorzeitig beendet worden war. Ausgerechnet, als der TSV Mimmenhausen Herbst-Vizemeister geworden war und bis zum Ende um den Meistertitel mitgespielt hatte.

Ab und an, aber eher analytisch. Dann denke ich darüber nach, ob und wie sich welcher Spieler, die Mannschaft weiterentwickelt hat. Vor allem im Bezug auf die am Wochenende beginnende Saison. Daraus leitet sich natürlich dann ab, was wir diese Saison mit dem Spielern vorhaben. Wie die Ziele für die Spieler aussehen könnten, was realistische Ziele für die Spieler sind.

Aber, und darauf hat die Frage doch wohl abgezielt: kein Bedauern darüber, dass die beste Saison des TSV Mimmenhausen überhaupt so unfair zu Ende gegangen ist. Das bringt ja nichts. Klar denke ich manchmal auch daran, wie schade das ist, wie schade das gerade für die Spieler gewesen ist. Aber wenn das nur eine Eintagsfliege mit ein bisschen Glück und einem guten Lauf gewesen sein sollte, interessiert das doch jetzt keinen mehr. Aber vielleicht schaffen wir es ja, diesen Erfolg zu wiederholen. Dann haben wir ihn uns verdient.

Dieser Erfolg war aber nicht nur einem guten Lauf und einem bisschen Glück geschuldet.

Wenn der Erfolg verdient war, dann können wir ja diese Saison wieder oben mitspielen. Das hängt aber von ganz vielen Dingen ab. Die Liga wird aller Voraussicht nach wieder ganz eng sein, wenn wir aber wieder fest in der oberen Hälfte der Tabelle sitzen sollten, dann wird es wohl eh so sein, dass bis zur Spitze nicht so viele Punkte Abstand sind.

Aber momentan weiß ich nicht im Detail, welche Mannschaften sich im Vergleich zur vergangenen Saison verbessert haben. Ich glaube, dass wieder ein oder zwei Mannschaften einfach ein wenig besser sind als der Rest, und die werden sich oben absetzen. Aber sie werden in Reichweite der anderen bleiben.

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Da könnte doch der TSV mit einer kaum veränderten Mannschaft eine gute Rolle spielen? Die am Ende der vergangenen Punkterunde doch lange Verletztenliste hat sich sehr verkleinert.

Julian Schrempp, einer der Mittelblocker, ist noch nicht voll fit. Er ist auf dem Weg der Besserung, hat aber nach wie vor Probleme mit seiner Schulter. Außenangreifer Michael Kasprzak hat ebenfalls noch Probleme mit seiner Schulter. Aber bei ihm wird es auch von Tag zu Tag besser. Und Libero Lenny Diwersy wird wohl gar nicht mehr für den TSV spielen. Außer wir sollten unglaubliches Verletzungspech haben.

Auf der Liberoposition taucht neben Doru Pilihaci ein neuer Name auf: Joshua Müller. Ein Eigengewächs?

Joshua Müller kommt aus der zweiten Mannschaft. Der Tüfinger ist jung, technisch gut, seine technischen Bewegungen sind gut. Er wird noch lernen müssen, die einfachen Bälle nicht zu lässig zu nehmen, dann fehlt die Präzision. Aber ich glaube, dass wir bei ihm dahin kommen, wo wir mit ihm hinkommen wollen.

Er ist also ein Spieler für die Zukunft, so wie auch Diagonalangreifer Benedikt Waldinger, oder?

Benedikt kommt von den Volley Youngstars Friedrichshafen, und er ist jetzt schon eine Hilfe für uns. In ihn müssen wir nicht erst einmal drei Jahre Arbeit reinstecken, um dann zu sehen, ob etwas draus geworden ist. Alleine schon durch das, was er im Training macht, ist er uns eine Hilfe. Er hat natürlich noch seine Baustellen, aber er macht es nicht schlecht.

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Sie brauchen Entlastung als Hauptangreifer. Das war sehr deutlich geworden in der vergangenen Saison. Die Achillessehne hat brutal gezwickt.

Die wird sich wohl im Laufe der Saison wieder melden. Einfach aufgrund meines Alters (Christian Pampel ist 41 Jahre alt, Anm. d. Red.). Das ist eine Mischung aus verbraucht und überlastet. Die Beschwerden sind nach der langen Pause natürlich ein bisschen abgeklungen, aber sie sind nicht komplett weg. Und ich denke mal, das wird sich im Laufe der Saison wieder aufschaukeln.

Waldinger, der willkommene Ersatz?

Ja, er wird diese Saison spielen müssen. Das Ziel ist, den Übergang so weich wie möglich machen. So, dass ich ab und zu mal reduzieren kann, nicht so wie vergangene Saison, als ich das bis Ultimo gemacht hatte und dann gar nicht mehr laufen konnte.

Bild: Fischer, Eugen

Da hilft, dass das Gros der TSV-Spieler nicht ganz unerfahren in der 2. Bundesliga ist.

Aber nach zwei Jahren dort ist man noch nicht erfahren. Stellen Sie sich mal jemanden vor, der nach dem Studium seit zwei Jahren für den SÜDKURIER schreibt, der ist dann doch noch kein erfahrener Journalist, oder?

Stimmt. Aber Sie können doch darauf bauen, dass ihre Spieler nach zwei Jahren schon wissen, was sie erwartet und was sie zu tun haben.

Das ist immer das Ziel eines jeden Trainers, seinen Spielern nicht nur zu sagen, was sie machen müssen, sondern dass er ihnen beibringt, dass sie wissen, was sie machen müssen. Und bei meinen Spielern weiß ich, dass das bei den meisten funktionieren wird.

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Vergangene Saison hatten sie als Ziel ausgegeben: 1,5 Punkte pro Spiel im Schnitt. Gilt das auch nach der vergangenen Supersaison?

Das bleibt auf jeden Fall im Hinterkopf, klar. Aber, man weiß doch nie, wie die Saison läuft. Und wenn wir Pech haben mit Verletzungen, kann sich ganz schnell alles wenden. Aber im Normalfall würde ich sagen, wir sind schon besser geworden. Aber auf meiner Position, der Diagonalen, ist ein Leistungsabfall da. Der muss von den anderen Positionen aufgefangen werden. Wenn es gut läuft, kann ich mich zurücknehmen. Aber das hat ja vergangene Saison auch schon geklappt. Obwohl es Spiele gegeben hat, in denen ich definitiv nicht der beste Spieler war. Vor drei Jahren war das höchst selten.

Mimmenhausen hat kaum Veränderungen im Kader, dafür aber eine große in der Abteilung. Die Ära Diwersy ist nach 35 erfolgreichen Jahren zu Ende. Klaus Diwersy hat aus einer unbedeutenden Volleyball-Abteilung einen Hotspot in der Sportart, einen Volleyball-Topklub am See gemacht. Und jetzt haben Sie plötzlich einen neuen Chef!

Ja, das habe ich. Christof Kraußer ist schon seit 2003 beim TSV und hat in der Zeit immer unglaublich viel gemacht und getan. Jetzt muss er halt noch ein wenig mehr machen. Aber die Unterstützung für uns ist genauso groß wie sie bei Klaus Diwersy war. Wir passen auch menschlich sehr gut zusammen.

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Dass Sie mit ihm wesentlich mehr in der Vorbereitung auf diese Saison zusammenarbeiten mussten, hat aber nichts damit zu tun, dass er als Abteilungsleiter neu ist. Dafür ist die Corona-Pandemie verantwortlich.

Ja, wir haben ein detailliertes Hygienekonzept ausarbeiten müssen. Da geht es für uns vor allem darum, wie wir uns im Training und im Umgang mit den anderen Mannschaften verhalten müssen. Wer wann, wo sein darf, wer durch welche Ein- und Ausgänge gehen muss. Da hatten wir viel zu tun, das muss ja funktionieren. Ich weiß, dass wir die Halle für relativ viele Zuschauer zugelassen bekommen haben. Unter Voraussetzung der Abstandsregeln. Wir werden uns da reinfinden müssen, glaube aber nicht, dass mehr als 200 Leute in der Halle realistisch sind.

Das wird den Fanklub „Black Wall“ sehr hart treffen.

Ich weiß, dass die sich schon Black-Wall-Masken geschneidert haben. Aber ich bin da mal sehr gespannt auf das erste Heimspiel. Ob und wie eine Atmosphäre aufkommt.

Volle Ränge wird es in dieser Saison nicht geben im BZ Salem.
Volle Ränge wird es in dieser Saison nicht geben im BZ Salem. | Bild: Fischer, Eugen

Routinemäßig läuft nichts mehr ab. Weder in Mimmenhausen noch bei einem Ihrer Gegner, eine zusätzlich belastende Situation.Sie haben ja jetzt erst einmal ein Auswärtsspiel. Der erste Gegner heißt Grafing.

Von Grafing weiß ich, was deren Hygienemaßnahmen betrifft, noch nichts. Ich weiß nicht, ob Christof Kraußer schon etwas weiß. Aber wir werden dort hinfahren, mit unseren Masken und dann werden relativ schnell sehen, was da auf uns zukommt. Was ich weiß, ist, dass Tribüne und Spielfeld bei uns komplett getrennt sind. Wahrscheinlich auch in Grafing.

Vor und nach dem Spiel darf keinerlei Austausch stattfinden. Beim Auswärtsspiel stört mich das nicht so. Aber beim Heimspiel diese strikte räumliche Trennung, das wird schon eine große Umstellung werden. Mal schauen, wie das mit der Stimmung wird. Ich weiß jetzt schon: Es wird uns etwas fehlen. Die 200 werden eine volle Halle nicht kompensieren können. Im Übrigen werden wir nur dann getestet, dann aber gleich die gesamte Mannschaft, wenn einer aus der Mannschaft im Verdacht steht, sich angesteckt zu haben.

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Und sportlich?

Da wir ja erst eine Woche später als die Konkurrenz in die Saison starten, Grafing schon gespielt hat, habe ich mir das Video vom 3:2-Erfolg in Kriftel heruntergeladen. Aber das bringt nur dann viel, wenn sich die Grafinger Mannschaft sehr veränder hat. Sollte das nicht der Fall sein, dann schaue ich mir ein Video der vergangenen Saison an. Grafing hatte nicht sehr viele junge Spieler, das heißt: die Spieler spielen einen eingefleischten Stil, den der vergangenen Saison.

Aber es hat sich bei den Konkurrenten bis auf ein paar Ausnahmen im Vergleich zur vergangenen Saison wenig geändert. Bei Hammelburg etwa, und ich bin gespannt, wie sich der polnische Spieler bei Freiburg macht. In Grafing zu spielen, ist eh schwierig. Die Halle ist sehr dunkel, sie spielen mit einem ungewohnt engmaschigen Netz – und die Mannschaft ist sehr gut. Grafing wird für uns das erste Test- und Punktspiel. Wir konnten keine Testspiele machen.

Bild: Fischer, Eugen

Vergangene Saison lautete Ihre Losung: Im Angriff richten wir uns nach uns, wir haben gute Angreifer, im Block und der Feldabwehr geht den Blick auf den Gegner. Gilt das noch?

Dieses grundsätzliche Prinzip bleibt erhalten.

Wäre ich Teil der Mannschaft, was würden Sie mir vor dem ersten Spiel der Saison sagen?

Ich werde keine feurige Ansprache an die Mannschaft heranschnallen, aber vergangene Saison starteten wir mit einer Niederlage in Delitzsch. Also: Eine Auftaktniederlage hat nichts zu bedeuten.

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