Frau Forster, Sie sind mit sieben Weltcup-Siegen hervorragend in die Saison gestartet. Ist Ihnen der Weltcup-Gesamtsieg überhaupt noch zu nehmen?

Ich bin sehr zufrieden, wie es bisher im Weltcup für mich gelaufen ist. Das liegt natürlich auch daran, dass meine langjährige deutsche Konkurrentin Anna Schaffelhuber ihre Karriere bendet hat und im internationalen Bereich die Japanerin Momoka Muraoka in dieser Saison pausiert. Momoka bereitet sich auf die Sommer-Paralympics in Tokio vor und wird dort mit dem Rennrollstuhl antreten. So sind meine Chancen auf den Gesamtsieg beim Weltcup natürlich groß. Ich werde alles daran setzen, den Titel zu holen.

Fakten zu Anna-Lena Forster

Anna-Lena Forster mit ihren beiden Goldmedaillen von den Paralympics 2018.
Anna-Lena Forster mit ihren beiden Goldmedaillen von den Paralympics 2018. | Bild: Jarausch, Gerald

Haben Sie selbst auch schon mal daran gedacht, vom Monoski auf den Rennrollstuhl zu wechseln, um auch im Sommer bei Wettkämpfen antreten zu können?

Momoka Muraoka setzt alles daran, bei den Sommerspielen im eigenen Land dabei zu sein. Wenn bei uns in Deutschland Sommer-Paralympics stattfinden würden, wäre das vielleicht eine Überlegung wert. Eigentlich finde ich es aber nicht gut, da es die Wertigkeit unseres Sports heruntersetzt, vielleicht den Anschein erweckt, als könnte man im Behindertensport schnell mal Disziplin und Sportgerät wechseln und einfach so auch da einen Titel nach dem anderen holen. Ich konzentriere mich voll und ganz auf den alpinen Bereich und will so gut wie möglich sein.

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...was Ihnen auch leicht fällt, da die Konkurrenz derzeit nicht so groß ist. Ist es ein Vorteil, wenn Rivalen fehlen und man keinen Gegner fürchten muss?

Es ist schon spannender, wenn die Konkurrenzsituation größer ist. Bei den Paralympics in Südkorea gab es ein Feld von fünf, sechs Starterinnen, die aufs Podium fahren konnten. Da ist der Druck natürlich größer als momentan, auch wenn die Chinesinnen derzeit für die Paralympics 2022 in Peking aufgebaut und langsam stärker werden. Ich nutze die Situation derzeit, um Material zu testen, meine Grenzen auszuloten und manchmal auch, um sie zu überschreiten. Deshalb bin ich wohl auch bei drei meiner zehn Starts ausgeschieden – was aber nicht schlimm ist, da ich bei den anderen sieben Starts gewonnen habe.

Wie sieht es denn beim Nachwuchs im alpinen Behindertensport aus? Wächst da vielleicht etwas Konkurrenz für Sie heran?

So langsam baut sich da was auf in Deutschland. Seit dem Frühjahr 2019 kümmert sich eine hauptamtliche Trainerin vom Deutschen Behindertensportverband ganz konkret um die Nachwuchsförderung. Das war längst überfällig. Da sind einige Kandidaten dabei, die Potenzial haben. Das dauert aber noch seine Zeit. Ich bin gespannt, wie die sich entwickeln.