Handball, 2. Bundesliga: HSG Konstanz – HSC 2000 Coburg 25:28 (14:13). – Es war fast alles wie so oft in dieser Saison: Die HSG Konstanz spielte gut, führte lange, hatte den Tabellenzweiten Coburg am Rande der Niederlage. Am Ende nahmen die Gäste beim 25:28 dennoch die Punkte mit. Für Konstanz blieb zum sechsten Mal nach einer knappen und etwas unglücklichen Niederlage nur das Lob des Gegners – und minutenlange Standing Ovations der 1400 frenetischen HSG-Fans.

Drei verletzte Leistungsträger

Der Auftritt gegen den Tabellenzweiten, der nun mit Spitzenreiter Essen gleichgezogen ist, war gut. Zumal, wenn man berücksichtigt, dass mit Tim Jud, Fabian Wiederstein und Joschua Braun drei verletzte oder erkrankte Leistungsträger ersetzt werden mussten. Dennoch gab es einmal mehr dieselben Szenen zu beobachten wie fünfmal zuvor in dieser Saison. Coburg wirkte in den letzten fünf Minuten cleverer, abgezockter, machte die entscheidenden Fehler weniger und schnappte sich einen hart erkämpften Sieg. Der HSG schwanden mit ihren beschränkten Wechseloptionen die Kräfte.

„Es war ein sehr kampfbetontes, ein sehr emotionales Spiel vor einem fantastischen Publikum, was dem Ganzen für uns einen sehr anspruchsvollen Rahmen gegeben hat“, konstatierte Gästetrainer Jan Gorr mit sichtbarer Erleichterung. Im Hintergrund schlichen die Konstanzer mit hängenden Köpfen vorbei, Paul Kaletsch hatte den Spielball nach dem Abpfiff noch voller Frust gegen die Wand gedonnert.

Höchste Kunst

Dennoch: Was die HSG zeigte, war höchste Kunst. Bestehend aus harter Arbeit in der Deckung, die Torhüter Maximilian Wolf an seine starke Leistung gegen Dormagen anknüpfen ließ und viel Ideenreichtum in der Offensive gegen einen körperlich überlegenen Gast aus Oberfranken. Nach dem schwerwiegenden Ausfall von Wiederstein hatte Coburg seinen Ersatz wohl nicht richtig auf dem Zettel. 3:2 heiß es in heißer Stimmung nach drei Minuten – dreimal war Michel Stotz vom Kreis erfolgreich. „Ich hatte einen kleinen Lauf“, sagte er später recht nüchtern, denn: „Zwei Punkte wären mir lieber gewesen.“

Zuschauerrekord mit 1400 Fans

Mehr als 1400 Fans bedeuteten den bisherigen Saisonrekord. Dementsprechend laut und hitzig ging es im Hexenkessel Schänzlehalle weiter. Vor allem, als der 20-Jährige Kreisläufer schon wieder traf und auf 6:3 stellte. Als Coburg nach 20 Minuten zum Anschluss kam, erhöhten erneut die nun wie beflügelt auftrumpfenden Konstanzer mit einem 3:0-Lauf zum 13:9. Allerdings konnten die Gastgeber nur ein Tor Vorsprung mit in die Pause nehmen (14:13).

Nach kurzem Rückstand zu Beginn der zweiten Hälfte marschierte wieder die HSG voran und ging mit 19:17 in Front. Die Sensation lag weiter in der Luft und Coburg hatte schwer mit den bissigen Hausherren zu kämpfen. Kaletsch besorgte mit einem Siebenmeter zehn Minuten vor Schluss das 22:22, doch danach ging es dahin. Konstanz vergab zweimal freistehend vor dem Coburger Tor. Und schon hatten sich die Gäste mit ihrer ganzen Klasse in Person des langjährigen Erstligaspielers Andreas Schröder und dem bereits für die A-Nationalmannschaft aufgelaufenen Florian Billek auf 25:22 abgesetzt. Konstanz verkürzte immer wieder auf zwei Tore, mehr gelang nicht.

Lob von Trainer Eblen

HSG-Trainer Daniel Eblen lobte vor allem jene Spieler, die sonst nicht so zum Zug kommen. „Das war sehr überzeugend, genauso, was ihr Fans heute wieder gezeigt habt“, hob er hervor. „Ich sehe bei meinen Jungs jetzt schon ein paar hängende Köpfe, aber wir können stolz drauf sein, was wir gegen einen Gegner wie Coburg leisten konnten.“ Sein Appell deshalb: Weiterarbeiten, „dann wird das irgendwann alles mal auf unsere Seite fallen.“

Manchmal entscheiden eben Kleinigkeiten. Ab Samstag im wichtigen Spiel bei Tabellennachbar Ferndorf sollen sämtliche Parameter genauestens eingestellt sein.

HSG Konstanz: M. Wolf, Tölke, Haßferter (Tor); Stotz (5), Schlaich (2), Czako, Hild (1), T. Wolf (5), Kaletsch (7/2), Krüger, Maier-Hasselmann, Beckmann (2), Keupp, Wendel (3). – Z: 1400.

Michel Stotz.
Michel Stotz. | Bild: HSG Konstanz

„Wir müssen es disziplinierter zu Ende spielen!“

Auch gegen den Tabellenzweiten HSC 2000 Coburg war die HSG Konstanz dicht dran am doppelten Punktgewinn, konnte sich jedoch erneut nicht für eine tolle Leistung belohnen. HSG-Kreisläufer Michel Stotz (20) zieht Bilanz

Gutes Spiel, keine Punkte. War das ein Déjà-vu?

Es passiert uns viel zu häufig, dass wir Punkte holen können und es einfach nicht machen. Da müssen wir jetzt endlich einmal daraus lernen und es am Schluss disziplinierter zu Ende spielen. Und zumindest einen Punkt mitnehmen. Das wäre auf jeden Fall drin gewesen.

Ohne Tim Jud, Joschua Braun und Fabian Wiederstein hat die HSG Konstanz dem Tabellenzweiten Coburg dennoch die Stirn geboten. Wie ist das gelungen?

Wir haben uns vorgenommen, zusammenzustehen und das so gut wie möglich wettzumachen, auch wenn das natürlich beim Ausfall dieser guten Spieler nicht so einfach auszugleichen ist. Trotzdem haben wir Großteile des Spiels anschaulich gespielt und einen großen Kampf gezeigt. Man kann uns, wie ich denke, nicht vorwerfen, dass wir nicht alles reinhauen. Aber wie schon gesagt: Am Ende müssen wir uns auch für die Verletzten belohnen und Punkte holen.

Zwei Punkte wären Ihnen zwar sicher lieber gewesen. Dennoch: Michel Stotz hatte Coburg wohl nicht ganz auf dem Zettel.

Ich hatte einen kleinen Lauf, das kann ich schon so sagen. Aber den Sieg hätte ich lieber gehabt. Jetzt kann man sich noch nicht so richtig darüber freuen, aber das kommt vielleicht noch. So befreit aufzuspielen, das ist das Schöne am Handball.

Wie haben Sie die Kulisse in der Schänzlehalle erlebt?

Atemberaubend! Nach jedem Tor stehen 1400 Fans auf. Wie immer war das eine Mega-Stimmung, die hat uns super nach vorne gepeitscht. Ohne das hätten wir es bestimmt nicht so lange so eng machen können.

Nun stehen richtungsweisende Wochen mit Duellen gegen direkte Konkurrenten bevor. Am Samstag geht es los in Ferndorf. Was ist da aus Ihrer Sicht zu erwarten?

Wir werden am Samstag alles geben, um unsere direkten Konkurrenten hinter uns zu lassen und uns ein kleines Polster auf die Abstiegsränge zu erarbeiten.

Fragen: Andreas Joas