Fragende Blicke in der Schänzlehalle. Ganz am Rand der Bank des VfL Lübeck-Schwartau sitzt ein Mann. Etwas abseits von all den anderen, die wie er ein Hemd des DHB-Pokalsiegers von 2001 tragen. Die Tore des Teams verfolgt er teilnahmslos.

Man könnte fast meinen, er drücke der HSG Konstanz die Daumen. Zumal der Mann Tobias Eblen verblüffend ähnlich sieht, dem Co-Trainer der Gastgeber. Als dessen Söhne dem vermeintlichen Betreuer winken, wird klar: Es ist Tobias Eblen.

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Vor zwei Wochen bereits saß an selber Stelle gegen den ASV Hamm-Westfalen der langjährige HSG-Betreuer Marc Götz. Was ist denn da los? Soll etwa der Gegner verunsichert werden durch eine wenig subtile Art der Werksspionage? Schreibt jemand während der Auszeiten mit und gibt sogleich wertvolle Informationen weiter zur Bank der Konstanzer? Muss gar bei den Partien des Familienvereins neuerdings auf jeder Bank ein Eblen sitzen?

Die echten Schwartauer (links) bejubeln ein Tor des VfL, der falsche (Tobias Eblen) nicht.
Die echten Schwartauer (links) bejubeln ein Tor des VfL, der falsche (Tobias Eblen) nicht. | Bild: Peter Pisa

Weit gefehlt. Der Grund für dieses doppelte Fremdgehen ist ganz einfach. Den beiden jüngsten Gegnern der HSG stand kein Physiotherapeut für die lange Reise in den Süden zur Verfügung – und die Konstanzer helfen gerne aus. Sportlich-kameradschaftlich, wie es unter Handballern nun mal üblich ist.

Da trifft es sich gut, dass Tobias, der Bruder von Trainer Daniel Eblen, nicht nur ein hervorragender Handballspieler war, sondern inzwischen auch ohne Harz als Physio ein gutes Händchen hat.

Aushilfsphysio ohne Einsatz

Ganz professionell erledigt der 42-Jährige trotz aller Emotionen seinen Aushilfsjob auf der gegnerischen Bank. Während die Halle tobt, bleibt er nüchtern. Kein gemeiner Spruch zu seinen Banknachbarn oder den Schiedsrichtern. Auch kommt er erst gar nicht in Versuchung, übereilt aufs Feld zu sprinten, um einen Spieler zu behandeln, der dadurch für drei Angriffe pausieren müsste. Der Notfall bleibt aus und der fremde Physiotherapeut wird nicht gebraucht.

Trotzdem nimmt Tobias Eblen seinen ungewohnten Job ernst. Besonders deutlich wird das direkt nach dem Schlusspfiff. Selbst als der erste Saisonsieg seiner eigentlichen Mannschaft, der HSG Konstanz, feststeht, verkneift er sich den Jubel. Zumindest äußerlich.