Fußball-Landesliga: In der Saison 2017/18 wurden in 240 Landesligaspielen 945 Tore erzielt. Das macht pro Partie nahezu vier Treffer im Durchschnitt – ein Bestwert, den die anderen beiden Landesliga-Staffeln in dieser Runde nicht geschafft haben. Auch in Staffel 3 war die Quote in den vergangenen zehn Jahren schlechter. Mit nur 48 Gelben Karten führt die SpVgg F.A.L. die Fairnesstabelle an. Der SC Markdorf ist das einzige Team, das in dieser Runde keine Rote Karte bekam. Doch auch abseits der Zahlen gibt es einige interessante Geschichten aus der Landesliga zu erzählen.

Der Meister

Es ist sicherlich keine Überraschung, aber der SC Pfullendorf darf nach 16 Jahren, nach dem Absturz von der Dritt- in die Siebtklassigkeit, wieder einen Aufstieg feiern. Dabei war die Rückkehr in die Verbandsliga alles andere als ein Selbstläufer. Schon der Saisonauftakt, eine 2:3-Niederlage beim Nachbarn FV Walbertsweiler-Rengetsweiler, zeigte, dass der Ex-Regionalligist kaum auf unmotivierte Gegner treffen würde. Zudem zeigte sich der FC 08 Villingen II lange als Rivale auf Augenhöhe, der nach einer SCP-Schwächephase im April sogar beste Aussichten auf Titel und Aufstieg hatte, ehe die Linzgauer im Fernduell noch vorbeiziehen und feiern konnten.

Der Überraschungsdritte

Waren es kleine Psychospiele oder Experteneinschätzungen? Der Ex-Trainer des FV Walbertsweiler-Rengetsweiler, der zum Ligarivalen SpVgg F.A.L. gewechselte Joachim Ruddies, stufte den FV schon vor der Runde als einen Geheimfavoriten ein. Spielertrainer Stefan Bach hingegen hielt diese Einschätzung zwar für schmeichelhaft, aber etwas übertrieben. Der Sieg zum Saisonauftakt gegen den einst übermächtigen Nachbarn SC Pfullendorf, zudem das 1:1 im Rückspiel beim späteren Meister und die lange Zeit makellose Heimbilanz zeigten aber, dass Ruddies seinen ehemaligen Club nicht so schlecht kennt. Ganz vorne mitmischen konnte der FV zwar nicht, aber der dritte Rang ist auf jeden Fall eine beachtliche Leistung und stellt eine absolute Bestleistung im Walbertsweiler Fußball dar.

Die Torjäger

Schon früh machte Marc Kuczkowski vom FC Überlingen mit einer Topquote auf sich aufmerksam. Doch die Ausflüge in die Regionalliga zum SC Pfullendorf oder zum Verbandsligisten 1. FC Rielasingen-Arlen verliefen nicht optimal, so richtig trifft er eben nur für seinen Heimatclub. Mit 42 Treffern trug er in der Saison 2016/17 maßgeblich zur Rückkehr des FCÜ in die Landesliga bei, und seine 31 Treffer in der abgelaufenen Runde waren ein wichtiges Mosaiksteinchen, das dazu beitrug, dass Überlingen eine erstaunlich entspannte Saison verleben durfte, fern aller Abstiegssorgen. Die Tatsache, dass Kuczkowski am letzten Spieltag einen Elfmeter verschoss, sich die Torjägerkrone daher mit dem Schonacher Alexander German teilen muss, dürfte den fairen Sportsmann kaum belasten.

Das unterschätzte Trio

Wenige hatten vor der Runde auf den SC Markdorf und die SG Dettingen-Dingelsdorf gesetzt, denn die Abgänge schienen schwer zu kompensieren, zudem hatten beide Vereine im Vorjahr gerade so die Liga gehalten. Auch der Aufsteiger FC Hilzingen schien nur ein Kurzzeitbesucher der Landesliga zu werden. Doch nun haben die drei den Klassenerhalt, zum Teil früher (SG Dettingen-Dingelsdorf), zum Teil knapp (FC Hilzingen dank des um zwei Treffer besseren Torverhältnisses) geschafft. Eine reife Leistung!

Solides Mittelfeld

An zehn der ersten elf Spieltage führte die SpVgg F.A.L. die Liga an, doch schon damals warnte Trainer Joachim Ruddies, dass die Ergebnisse über den wahren Stand etwas hinwegtäuschen. Dennoch hatte man sich etwas mehr erhofft, als schon früh im Laufe der Rückrunde im sportlichen Niemandsland zu landen. Der absolute Tiefpunkt: das 1:9 am vorletzten Spieltag beim SC Pfullendorf. Das Problem von Ruddies: Der Ausfall von Leistungsträgern konnte kaum kompensiert werden.

Die Enttäuschung

Ein Wechselbad der Gefühle durchlebte der SC Konstanz-Wollmatingen – er zählte zumindest zum erweiterten Kreis der Titelanwärter, fiel früh zurück, stand ab dem dritten Spieltag auf einem Abstiegsplatz, woran sich auch nach dem ersten Trainerwechsel wenig änderte. Erst nachdem Philip Weidmann, seit mehreren Jahren Nachwuchstrainer beim SC, die sportliche Verantwortung übernahm, ging es aufwärts. Gerade noch rechtzeitig, am vorletzten Spieltag, hatte man das Schicksal wieder in der eigenen Hand, wurden die Abstiegsränge verlassen. Doch ein 3:3 im Derby bei der SG Dettingen-Dingelsdorf stieß den Club, der durch Bündelung der Kräfte den Konstanzer Fußball wieder zu neuen Höhen führen sollte, in ein tiefes Loch. Eigentlich ist es Zeit, dass sich auch die sportliche Leitung des Sportclubs kritisch hinterfragt.

Hoffen und Bangen

Fußballer und Funktionäre beim FC Rot-Weiß Salem müssen gute Nerven haben. Im Vorjahr schien man schon abgestiegen. Ein Einspruch gegen die Wertung des eigenwilligen Villinger Derbys am letzten Spieltag brachte nichts, denn obwohl die Rot-Weißen damals nicht zuletzt aufgrund des Ergebnisses aus Villingen wegen des Torverhältnisses schon fast in der Bezirksliga standen, galten sie dennoch am Grünen Tisch als „nicht direkt beteiligt“. Erst der Aufstieg von Vizemeister FC Singen 04 sorgte noch für ein Happy End. Nun ist die Lage komplizierter. Es muss nicht nur der Landesliga-Vizemeister, sondern auch der Verbandsliga-Zweite aufsteigen, um Salem in der Landesliga zu halten. Viele Fragezeichen, aber wie heißt es so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Das nächste Jahr

Sollten die Verbandsliga- und Landesliga-Vizemeister in der Relegation scheitern, dann müsste die Landesliga in der kommenden Saison die Absteiger FC Neustadt, FC Singen 04 und FC Bad Dürrheim aus der Verbandsliga aufnehmen, aus den Bezirksligen kämen der VfR Stockach, der SV Geisingen und der Gewinner der Aufstiegsrunde (der SV Denkingen bekommt es entweder mit dem FC Hochemmingen oder dem FC Gutmadingen zu tun) hinzu. Es könnte eine Saison mit 17 Mannschaften und verschärftem Abstieg geben.